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Wollte der Autoräuber erschossen werden?

Das Landgericht Dresden verhandelt nun gegen einen 33-jährigen Mann. Er soll im Sommer mehrere Autofahrer gezielt überfallen haben.

Prozessauftakt am Landgericht Dresden: Verteidiger Ulf Israel spricht mit seinem Mandanten Robert B., der sich mit Sonnenbrille und Tuch vermummt hat. Der Angeklagte soll Autofahrer überfallen haben.
Prozessauftakt am Landgericht Dresden: Verteidiger Ulf Israel spricht mit seinem Mandanten Robert B., der sich mit Sonnenbrille und Tuch vermummt hat. Der Angeklagte soll Autofahrer überfallen haben. © Sven Ellger

Dresden. Es war offenbar eine spektakuläre Amok-Fahrt von Löbtau nach Mickten. Ein 33-jähriger Dresdner war in einem gestohlenen VW Golf quer durch die Stadt gerast und hat dabei mehrere Verkehrsunfälle verursacht. Erst als er schon zu Fuß geflüchtet war, kam es im Bereich des Elbvillenweges zum blutigen Finale. Der bewaffnete Täter wurde von einem Polizisten niedergeschossen. Der 33-Jährige soll dabei sogar gerufen haben, dass er erschossen werden wolle.

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um Robert B., einen schon seit seiner Jugend immer wieder straffällig gewordenen Deutschen. Am Abend jenes 16. Juli vergangenen Jahres wurde er schwer verletzt in das Leipziger Haftkrankenhaus gebracht – er war von der Kugel in der Hüfte getroffen worden. Inzwischen befindet sich der Angeklagte in der Dresdner Justizvollzugsanstalt. Am Dienstag hat sein Prozess vor dem Landgericht Dresden begonnen.

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Rätselhafte Überfallserie

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann neben mehreren bewaffneten Überfällen auf Autofahrer auch eine Vielzahl an Verkehrsdelikten vor, die er alle mit seiner irren Fahrt vom Dreikaiserhof über Cotta und die Flügelwegbrücke bis in die Micktener Straße verwirklicht habe.

Die rätselhafte Überfallserie begann gegen 16 Uhr in der Lübecker Straße. Dort soll B. einen Audi-Fahrer, der gerade am Einparken war, mit einer nicht geladenen Schreckschusspistole bedroht haben. B. habe das Auto von dem Mann gefordert. Der Mann sei jedoch ausgestiegen und in einer Arztpraxis verschwunden. Von B.s Pistole und seiner Drohung "Was willst du - Gesundheit und Leben oder dein Auto" hatte sich der Mann nicht beeindrucken lassen.

Anschließend habe B. zwei weitere Autofahrer bedroht, an einer Gartensparte in der Fröbelstraße und an der Braunsdorfer Straße. Ein Fahrer habe B. "Hau ab!" zugerufen, sodass der Räuber den Rückzug angetreten habe. Ein anderer Fahrer soll ihn in ein Gespräch verwickelt haben, sodass B. auch von dort unverrichteter Dinge weitergezogen sei. 

Schließlich habe er gegen 17 Uhr in einer Physiotherapiepraxis am Dreikaiserhof die Tasche einer Mitarbeiterin gestohlen. Er fand sie im Umkleideraum der Einrichtung. Als plötzlich die Geschädigte vor ihm stand, rief er ihr zu: "Du kannst schon mal die Bullen rufen!" und verschwand. In der Tiefgarage setzte er sich dann in den Golf der Frau und raste los. Das klingt, als habe B. die Frau in der Praxis gekannt, auch wenn es so nicht in der Anklageschrift steht.

Alles ohne Führerschein

Kurz nach der Flügelwegbrücke sei B. vor einer Baustelle auf einen stehenden VW aufgefahren, habe waghalsige Überholmanöver durchgeführt und mindestens fünf weitere Autos touchiert oder gerammt. Bei einem Rangerover sei ein Sachschaden von 20.000 Euro verursacht worden. Eine Fahrerlaubnis hatte der Angeklagte übrigens auch nicht.

Zum Auftakt wurde lediglich die Anklageschrift verlesen. Das Gericht hat zunächst vier weitere Sitzungstage bis zum 19. Mai geplant. Am nächsten Verhandlungstag wird mit einer Einlassung des Angeklagten gerechnet.

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