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Neues Leben im alten Landgasthof

Bauen bis ans Lebensende – das steht den früheren Dresdnern Corina und Erik Tischer in Freitelsdorf bevor.

Corina und Erik Tischer haben sich mit einem alten Landgasthof eine Lebensaufgabe gestellt.
Corina und Erik Tischer haben sich mit einem alten Landgasthof eine Lebensaufgabe gestellt. © Anne Hübschmann

Die langen Gardinen aus hellem Leinen, die Möbel aus dunklem Holz. Dazu alte Dielen, auf denen Corina und Erik Tischer auf Knien langgerutscht sind, um sie zu putzen und auszubessern. Es ist ein riesiges Wohnzimmer, das tolle Durchblicke in den Küchenbereich und den Flur ermöglicht. Und in dem die beiden Töchter nach Herzenslust herumtollen und spielen können. „Jetzt kann man es sich langsam vorstellen, wie schön das mal alles wird“, machen sie sich Mut. Der alte Landgasthof in Freitelsdorf bei Großenhain ist ihnen zur Lebensaufgabe geworden.

Aus Dresden in den Gasthof

Vor drei Jahren begann das aus Dresden stammende Paar mit der Sanierung, angetrieben von einer Landlust, die nicht jeder verstand. „Die letzten Jahre haben uns alle einen Vogel gezeigt“, sagen die Tischers. „Aber seit Corona hören wir: Ihr habt alles richtig gemacht.“ Aufs Dorf zu ziehen, ein 5.000-Quadratmeter-Grundstück zu übernehmen, das hat sich jetzt schon für die früheren Großstädter gelohnt. „Für die Kinder war es in den letzten Monaten die Rettung“, sagen sie.

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Der alte Saal im Obergeschoss ist ein Problemfall. Der Schornstein kommt noch weg, ebenso die Bühne.
Der alte Saal im Obergeschoss ist ein Problemfall. Der Schornstein kommt noch weg, ebenso die Bühne. © Anne Hübschmann

Corina Tischer ist Architektin und arbeitet als Projektsteuerin. Ihr Mann Erik ist Immobilienkaufmann und macht sich gerade selbstständig. Beide sind also vom Bau, sie haben sich vorgenommen, bei der Sanierung ganz viel selber zu erledigen. „Werkeln ist unsere Freizeit, einen Fernseher brauchen wir nicht.“ 

Erik Tischer mauert gerade den zweiten Teil des Ofens in der Küche. Er entsteht in Lehmbauweise, wie das meiste in dieser Wohnung. „Wir haben uns den Küchenblock wie mit Lego vorher zusammengelegt“, erzählt Corina Tischer.

Der Saal ist ein Problem

Die Familie lässt sich Zeit beim Arbeiten, macht alles sorgfältig und denkmalgerecht. Die Behörde hat ihre Freude an den neuen Gasthofsleuten. Denn die haben gar nicht vor, irgendwas Altes zu zerstören. Im Gegenteil: Ein innen liegendes Außenfenster, das mal durch einen Anbau entstand, ist ein Hingucker in der Küche geworden. Die neuen Fenster wurden von Möbeltischler Boy in Kalkreuth gebaut. Die Tischers haben sie selbst geölt und eingesetzt. Alte Türen, die aufgearbeitet werden, fanden sie auf Ebay. 

Nicht nur im Gastraum, der jetzt Wohnzimmer ist, haben die Bauherren mit Lehmbau gearbeitet. Das soll auch oben im Saal passieren, wo Kinderzimmer und Büro entstehen. „Beim Lehmbau gibt’s keinen Abfall, keine Energieverschwendung“, schwärmt Erik Tischer für die ökologischste aller Bauweisen.

Der ehemalige Freitelsdorfer Gasthof liegt mitten im Dorf. Er wurde 1850 gebaut.
Der ehemalige Freitelsdorfer Gasthof liegt mitten im Dorf. Er wurde 1850 gebaut. © Anne Hübschmann

Während die Dresdner früher auf ihre Wochenendbaustelle kamen, wohnen sie seit September 2019 im Gasthof. „Hier gibt es viele Kinder im Ort, und weil wir so viel Platz haben, finden alle Familienfeiern bei uns statt“, sagt Corina Tischer. Ihr Vierseithof steht mittlerweile für Entspannung und Ruhe, viel draußen sein, natürlich leben. Die Tischers lassen sogar das ganze Grundstück von sich aus unter Denkmalschutz stellen, damit es in seiner Geschlossenheit erhalten bleibt.

Schafe als Rasenmäher

Ein Problem ist allerdings der Saal. Hier ist teilweise schon die neue Raumstruktur in Holzständer-Bauweise zu erkennen. Die Lehmbauplatten für das Ausfachen liegen auf dem Hof bereit. Doch der Abwasser- und Straßenbau vor der Haustüre macht den Tischers das Leben schwer. Dadurch haben sich Risse im Mauerwerk gebildet. „Ein Statiker muss jetzt ran, bevor wir im Saal weitermachen können“, erklärt Corina Tischer. Das erhält zwar den Mädchen Paula und Ella (3 und 6 Jahre) einen wundervollen Spielbereich. Doch den Bauherren brachte das bisher schon ein Dreivierteljahr Zeitverzug.

Der Lehmofen in der ehemaligen Dorfgaststätte ist ein echter Hingucker.
Der Lehmofen in der ehemaligen Dorfgaststätte ist ein echter Hingucker. © Anne Hübschmann

Wenn im Saal die baufällige Bühne und der Schornstein erst abgetragen sind und der Saal ausgebaut ist, wächst die Wohnfläche der Tischers von 90 auf 170 Quadratmeter. Diesen Luxus wissen die Neu-Freitelsdorfer zu schätzen. 

Sie haben auch einen Gemüsegarten und viele grüne Ecken auf dem Hof, 20 neu gepflanzte Bäume und Schafe als Rasenmäher, eine große Schaukel und zwei Zwergkaninchen als Mitbewohner. „Und wenn wir bis ans Lebensende am Hof arbeiten müssen, stört uns das nicht“, sagen Corina und Erik Tischer. Genau das haben die beiden so gewollt.

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