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Kindermord-Prozess: Angeklagter nahm Anti-Depressiva

Im Prozess um den gewaltsamen Tod seiner beiden Kinder will sich der angeklagte Dresdner doch äußern. Erst hatte aber sein Psychiater das Wort.

Laurent F. wird vorgeworfen, seine beiden Kinder in der Dresdner Neustadt ermordet zu haben.
Laurent F. wird vorgeworfen, seine beiden Kinder in der Dresdner Neustadt ermordet zu haben. © Ronald Bonß (Archiv)

Dresden. Schon vor einigen Wochen hatte Verteidiger Andreas Boine angekündigt, dass sein Mandant nach anfänglichem Schweigen erwäge, sich nun doch äußern zu wollen. Seit Anfang Februar steht Laurent F. vor dem Landgericht Dresden, weil er seine beiden zwei und fünf Jahre alten Kinder ermordet haben soll. 

Darüber hinaus habe der 56-jährige Franzose an jenem 9. Mai 2019 auch versucht, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und Mutter der Kinder, zu ermorden, heißt es in der Anklageschrift. Das Schwurgericht hat zahlreiche Zeugen vernommen. Neben Polizisten und Sanitätern, die am Tattag vor Ort waren, auch Nachbarn, Freunde und Mieter des Angeklagten, die in seinem Haus in der Stetzscher Straße wohnten und noch wohnen. 

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Jobcenter schickte Laurent F. zu Psychiater

F. selbst hat sich zunächst gar nicht zu den Vorwürfen geäußert, später hat er hin und wieder Zeugen angesprochen. Sie zeichneten in Summe ein zum Teil recht widersprüchliches Bild von dem Mann.

Am Montag wurde auf Antrag der Verteidigung ein Psychiater befragt, bei dem F. in Behandlung war. Der 54-jährige Arzt sagte, das Jobcenter habe den Patienten im Sommer 2018 geschickt. Es habe viele Sozialangelegenheiten gegeben, mit denen F. überfordert gewesen sei. 

Er sei mit emotionalen Ausbrüchen aufgefallen. Der Psychiater sagte, er habe F. ein Beruhigungsmittel verschrieben und ein Antidepressivum, das F. schon früher genommen habe. Im März 2019 sei F. wieder in der Praxis gewesen. 

"Nie richtig verzweifelt gewesen"

Es habe 14-tägige Sitzungen gegeben. Dort sei über F.s Belastung gesprochen worden, seine Traurigkeit und sein "sehr klagendes Verhalten". Er sei jedoch nicht richtig verzweifelt gewesen. In jenen Tagen hatte F. um das Umgangsrecht mit seinen Kindern gestritten und er habe gewusst, dass er für viele Jahre in Haft muss, nachdem er im Januar bei einer Kurierfahrt mit knapp einem Kilo Crystal erwischt worden war. Als suizidgefährdet habe er den Patienten aber nicht erlebt, sagte der Mediziner. 

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Der Prozess wird an diesem Dienstag fortgesetzt. Der Sitzungstag sei für die Einlassung des Angeklagten reserviert, sagte der Vorsitzende Richter Herbert Pröls.

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