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Neues Zugseil für die Standseilbahn

In den kommenden Monaten wird die historische Verbindung zwischen Körnerplatz und Luisenhof sicherer gemacht.

Sie bereiten das Abspannen des alten Seils vor: Holger Feuerstein, Carsten Lauterbach und Roland Hetzer sind derzeit an der historischen Standseilbahn im Einsatz.
Sie bereiten das Abspannen des alten Seils vor: Holger Feuerstein, Carsten Lauterbach und Roland Hetzer sind derzeit an der historischen Standseilbahn im Einsatz. © Christian Juppe

Dresden. Seit diesem Montag steht sie still: die historische Standseilbahn in Loschwitz. Die betagte Anlage wird einer Frischekur unterzogen. Bis zum Februar 2021 müssen Dresdner und Touristen ohne die Attraktion am Elbhang auskommen. Allerdings bietet sich mit der Schwebebahn gleich nebenan eine ebenso schöne Alternative.

Damit Luisenhof-Chef Carsten Rühle derweil nicht auf Gäste verzichten muss, gibt es gleich mehrere Verbindungen zum Traditionsrestaurant an der Bergstation der Standseilbahn. Während der gesamten Bauzeit in den kommenden acht Monaten pendelt ein Bus zwischen Körnerplatz und dem Weißen Hirsch. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Großbauprojekt am Elbhang.

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Wie ist der Bereich an der Bergstation erreichbar?

Neben der Straßenbahnlinie 11 über die Bautzner Landstraße und der Buslinie 61 über die Grundstraße bieten die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) zwischen Körnerplatz und Bergstation einen Ersatzverkehr für die Standseilbahn an. Der Pendelbus ist immer halbstündlich wochentags zwischen 6.30 und 21.30 Uhr, am Wochenende zwischen 9.00 und 21.30 Uhr unterwegs. Am Körnerplatz startet er an der Bushaltestelle direkt vor der Talstation und fährt von dort über die Schillerstraße und die Haltestelle Plattleite bis zum Luisenhof. Für die Mitfahrt genügt ein gültiger DVB-Fahrschein. Allerdings ist wegen der beengten Platzverhältnisse die Mitnahme von Rollstühlen und Kinderwagen nur eingeschränkt möglich.

Das begrüßt auch der Luisenhof-Chef - immerhin ist die Standseilbahn der wichtigste Zubringer für seine Gäste. Außerdem bietet er ein zusätzliches kostenfreies Shuttle zwischen Körnerplatz und Luisenhof an.

Warum wird jetzt an der Standseilbahn gebaut?

Der wichtigste Grund: das Zugseil ist in die Jahre gekommen und muss ausgetauscht werden. Zudem wird die Steuerung modernisiert. Weil für diese Arbeiten Kälte und Nässe hinderlich wären, musste das Bauprojekt in die warmen und trockenen Sommermonate gelegt werden. Die Sommerpause ist auch für die DVB ärgerlich, fehlen dadurch doch die Einnahmen der Fahrgäste. Dennoch sind die Bauarbeiten nötig, denn einige Teile der Anlage sind verschlissen.

Samt Planung kostet das Projekt insgesamt drei Millionen Euro, davon kommen 1,7 Millionen Euro Fördermittel vom Sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Was genau wird an der Technik erneuert?

Die wichtigste Neuerung soll es bei der Steuerung der Bahnen geben. Bisher wurden sie nämlich ausschließlich von der Bergstation aus bedient. Nun wird an der Talstation ein kleines Funktionsgebäude errichtet, von dem aus der Fahrdienstleiter die Bahn künftig auch von dort aus steuern kann. Dadurch soll der Kundendienst intensiviert und der Fahrbetrieb noch flexibler gestaltet werden. Zuvor wird nun allerdings die Steuertechnik, die in die Jahre gekommen ist, modernisiert. Dazu gehören alle Leitungen entlang der Strecke, die Brandmelde-, Notruf- und Videoanlagen, die elektronische Fahrgastinformation, die Datenkabel sowie die Bedienpulte zur Steuerung der Bahn. Neue automatische Schiebetore an den Ein- und Ausgängen der beiden Stationen sollen für mehr Sicherheit sorgen.

Bislang wurde die Standseilbahn ausschließlich von der Bergstation aus bedient. Nun soll ein neues Funktionsgebäude an der Talstation errichtet werden, wo die Steuerung ebenfalls möglich sein wird.
Bislang wurde die Standseilbahn ausschließlich von der Bergstation aus bedient. Nun soll ein neues Funktionsgebäude an der Talstation errichtet werden, wo die Steuerung ebenfalls möglich sein wird. © Christian Juppe

Was wird noch gebaut?

Nach 26 Jahren werden jetzt auch die Brückenbalken erneuert. Im Zuge der Rekonstruktion sollen 136 Balken auf dem insgesamt 102 Metern langen Viadukt ausgetauscht werden. Sie bestehen aus imprägniertem Spezialholz. Die bisherigen Laufwege aus Holz sollen durch witterungsbeständige und rutschsichere Glasfaser-Carbon-Gitter ersetzt werden.

Doch nicht nur am Viadukt selbst wird gebaut, auch oberhalb des Bergbahntunnels sind Fachleute im Einsatz. Dort verfugen sie auf einer Länge von 117 Metern Risse in der Stützmauer. Mit Ankern wird die Mauer weiter stabilisiert. Vom Gesetzgeber vorgeschrieben Baumfallsicherungen werden nun ebenfalls montiert. Das sind dünne elektrische Drähte entlang der gesamten Strecke, die per Signal übermitteln, wenn ein größeres Hindernis auf die Gleise gefallen ist. 

Wird auch am schweren Zugseil gearbeitet?

Bevor das alte Seil herausgezogen werden kann, muss der Wagen an der Bergstation fixiert werden. Das passiert mit massiven Ketten.
Bevor das alte Seil herausgezogen werden kann, muss der Wagen an der Bergstation fixiert werden. Das passiert mit massiven Ketten. © Christian Juppe

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Ja, denn das alte Seil bugsiert die Bahnen seit 1997 den steilen Elbhang hinauf und muss nun ausgetauscht werden. Ersetzt wird es durch ein 610 Meter langes Seil der österreichischen Firma Teufelberger, das länger als 37 Jahre halten soll. Pro Meter bringt das neue Seil 5,6 Kilogramm auf die Waage, ist 38 Millimeter stark und besteht aus sechs Litzen mit je 25 Drähten. Und es gibt eine Besnderheit, worüber sich vor allem die Anwohner freuen werden: Die Außendrähte sind abgeflacht, wodurch die Geräusche der Seilbahn gemindert werden sollen. Mithilfe einer neuen Schmieranlage, der Schmiermittel der Dresdner Firma Elaskon zum Einsatz kommt, läuft die Bahn noch leiser. Weil mit der neuen Anlage künftig keine Schmiermittelreste mehr abtropfen, arbeitet sie wirtschaftlicher und umweltfreundlicher. 

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