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Dresden: Darf mein Kind ungeimpft in die Kita?

Seit März müssen Kita-Kinder und Schüler gegen Masern geimpft sein. Wie man in den Dresdner Einrichtungen damit umgeht.

Immer mehr Dresdner Eltern lassen ihre Kinder gegen Masern impfen.
Immer mehr Dresdner Eltern lassen ihre Kinder gegen Masern impfen. © Friso Gentsch/dpa

Dresden. Impfen oder nicht impfen? Darüber entbrennt bei den Dresdner Eltern immer wieder eine emotionale Debatte. Seit dem 1. März gilt bundesweit und damit auch in Dresden die Masern-Impfpflicht. Seitdem werden keine Kinder mehr in Kitas aufgenommen, bei denen ein ausreichender Schutz vor Masern im Sinne des
Gesetzes nicht gegeben ist, so das Rathaus auf SZ-Anfrage. 

Für Kinder, die vor dem 1. März in die Kita aufgenommen wurden, müssen die Eltern den Nachweis über den ausreichenden Impfschutz bis zum 31. Juli 2021 vorlegen. Es besteht also noch eine Übergangsfrist. Das gilt auch für Schüler, die vor dem 1. März eingeschult wurden. 

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Was passiert, wenn Eltern von Schulkindern das Impfen verweigern?

Die Schulpflicht der Kinder steht über dem Masernschutzgesetz, so das Dresdner Gesundheitsamt. "Daher müssen Kinder und Jugendliche unabhängig ihres Impfstatuses die Schule besuchen, sofern sie der Schulpflicht unterliegen", so Stadtsprecher Karl Schuricht. Wer keinen Masernschutz gegenüber der Schulleitung nachweisen kann, wird beim Gesundheitsamt gemeldet. Das Amt muss dann bei den Eltern den Nachweis einfordern und sie zu einer Beratung einladen.

Können die Eltern die Impfung nicht nachweisen, wird ein Bußgeld in Höhe von 2.500 Euro verhängt. Dieses Bußgeld wird jährlich neu mit Beginn des Schuljahres eingefordert, sofern immer noch kein Impfnachweis erbracht wird. Weitere Maßnahmen gibt es aber laut Stadt nicht. Der Gesetzgeber habe der Schulpflicht hier einen klaren Vorrang eingeräumt.

Wurden bereits Bußgelder verhängt?

Bisher haben die Gesundheitsämter in Sachsen noch keinen Bußgeldbescheid an Eltern verschickt, deren Kind nicht gegen Masern geimpft ist. Das geht aus einer AfD-Anfrage an das Sozialministerium hervor, die am 5. Juni beantwortet wurde. Allerdings seien bereits sechs Fälle gemeldet worden, in denen ein Kind neu in einer Schule aufgenommen wurde, aber kein Nachweis für eine Masern-Impfung vorgelegt wurde.

Bei sächsischen Lehrern und Hort-Erziehern habe es bislang keine Meldung über einen fehlenden Masern-Schutz gegeben.

Was passiert, wenn mein Kind jetzt schon einen Kitaplatz hat, aber noch ungeimpft ist?

Klarer ist das bei Kita-Kindern geregelt, denn hier gibt es keine Besuchspflicht. Kinder, die vor dem 1. März in die Kita aufgenommen wurden, müssen den Nachweis bis zum 31. Juli 2021 vorgelegen. Erbringen sie den Nachweis bis dahin nicht, wird das Gesundheitsamt informiert, das nach Aufforderung zur Vorlage des Nachweises und nach einer Beratung ein Betretungsverbot und ein Bußgeld sowie Zwangsgelder verhängen kann. Der Besuch von Dresdner Kitas ist mit dem Erlass des Betretungsverbotes untersagt. Das Kind darf dann nicht weiter betreut werden. 

Wie werden Schulen und Kitas unterstützt?

Die Kontrolle des entsprechenden Nachweises liegt direkt bei den Kitas und Schulen. Das Dresdner Gesundheitsamt stellt ab sofort auf dieser Internetseite ein Online-Formular zur Verfügung, damit Kita- und Schulleitungen auf einfachem Weg einen nicht ausreichenden Masernschutz bei Kindern oder Mitarbeitern an das Gesundheitsamt melden können. 

Wie viele Masern-Fälle gibt es in Dresden?

Laut Robert-Koch-Institut gab es 2020 in Dresden bislang keinen Fall, 2019 wurden allerdings elf Fälle gemeldet, fünf Erwachsene mussten im städtischen Klinikum behandelt werden. Zum Vergleich: 2018 gab es einen und 2017 keinen Fall. 

Eine Masern-Welle gab es im Jahr 2015, damals erkrankten gleich 165 Dresdner. Die meisten waren ungeimpft.

Wie viele Kinder sind gegen Masern geimpft?

Bis zum Schuleintritt sollten Kinder vollständig gegen Masern geschützt sein, rät die Sächsische Impfkommission den Eltern. Verglichen mit allen anderen Bundesländern ist das spät, im restlichen Deutschland sollte die zweite und letzte Impfung spätestens im Alter von zwei Jahren durchgeführt werden. Trotzdem waren in Dresden nur 86,2 Prozent aller im Jahr 2010 geborenen Kinder gegen Masern geimpft, als sie in die Schule kamen.

Im Umkehrschluss heißt das, dass jedes siebte Kind dieses Geburtenjahrgangs nicht gegen das Virus geschützt ist, wie Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen. Allerdings scheinen die Bedenken gegen die Masern-Impfung in den vergangenen Jahren nachgelassen zu haben. Zum Start des Schuljahres 2018/19 waren mindestens 94 Prozent der Erstklässler geimpft und sogar fast 97 Prozent der Vierjährigen.

Vergleichen lassen sich auch die Impfraten von Vorschulkindern: Waren 2015 etwa 65 Prozent der Fünfjährigen in Dresden gegen Masern geimpft, lag die Quote 2016 schon bei knapp 74 Prozent. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass sich in den vergangenen Jahren mehr Eltern für eine Masern-Impfung bei ihrem Kind entschieden haben.

Gibt es Ausnahmen von der Impfpflicht?

Ausnahmen von der Impfpflicht sieht das Gesetz für Kinder unter einem Jahr vor und für Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, etwa bei Gen-oder Immundefekten.

Wie gefährlich können Masern für Kinder werden?

Masern sind eine hochansteckende Krankheit. Bei etwa jedem zehnten Erkrankten treten Komplikationen auf. Zu Beginn zeigen sich zum Beispiel hohes Fieber, Husten und Schnupfen. Anschließend, etwa 14 Tage nach der Ansteckung, entstehen auf der Haut die typischen roten Punkte. Weil das Immunsystem geschwächt ist, haben es Bakterien leicht, sich im Körper auszubreiten. Zu den gefürchtetsten Komplikationen gehört die Gehirnentzündung, die tödlich enden kann. 

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