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Mauschelei beim Sachsenbad-Verkauf?

Die Sachsenbad-Sanierung ist greifbarer denn je. Doch nun wird der Stadt vorgeworfen, bei der Ausschreibung nicht fair gewesen zu sein. Scheitert der Verkauf?

Das Sachsenbad an der Ecke Rehefelder/Wurzener Straße verfällt seit Jahrzehnten. Nun könnte es saniert werden.
Das Sachsenbad an der Ecke Rehefelder/Wurzener Straße verfällt seit Jahrzehnten. Nun könnte es saniert werden. © Archiv/Sven Ellger

Dresden. Jahrzehntelang wurde die Sanierung des Sachsenbads an der Ecke Rehefelder/Wurzener Straße gefordert. Nun gibt es einen Investor, der genau das beabsichtigt. Trotzdem sorgt die Nachricht nur bei wenigen für freudige Gesichter.

Denn nach SZ-Informationen soll die einstige Schwimmhalle nach dem Umbau nicht mehr über eine Wasserfläche verfügen. Stattdessen ist die Umnutzung als Saunalandschaft samt Gastro- und Bürofläche geplant. Drei verschiedene Gebote hatte es für das denkmalgeschützte Gebäude gegeben. "Ein Bieter hat sein Gebot zurückgezogen. Ein zweiter Bieter erwartet, dass die Stadt als Ankermieter eintritt. Mithin würde die Stadt die finanzielle Verpflichtung der späteren Betreibung tragen. Dies widerspricht der Ausschreibung. Nur ein drittes Gebot hält die Vorgaben der Ausschreibung ein", erklärt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) die Entscheidung der Stadt. Doch diese Begründung wird nun infrage gestellt.

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Jemand, der in den Verkaufsprozess involviert war, bezweifelt, dass einer der Bieter tatsächlich gegen die Ausschreibungskriterien verstoßen hat und wirft der Stadt vor, beim Verkauf nicht fair und ordentlich vorgegangen zu sein. Aus Angst vor Problemen mit der Verwaltung will der Informant anonym bleiben. Er weist darauf hin, dass im Verkaufsexposé zum Sachsenbad keine Rede davon ist, dass eine Beteiligung der Stadt an den Betreiberkosten ausgeschlossen ist. Das ist pikant, weil es sich bei ebendiesem Bieter um den einzigen handelt, der eine Sanierung als Bad angestrebt hat.

Das sagt die Stadt zu den Vorwürfen:

"Der Stadtrat hat den Beschluss gefasst, das Kulturdenkmal Sachsenbad zur Sanierung und Betreibung durch einen Privaten auszuschreiben", erklärt der Baubürgermeister. In der von dem Gremium hierzu beschlossenen Vorlage heißt es tatsächlich: "In den vergangenen 23 Jahren war es der Landeshauptstadt Dresden aus Gründen der kommunalen Haushaltslage und der daraus erwachsenen Prioritäten nicht möglich, das ehemalige Sachsenbad zu sanieren und einer Nutzung zuzuführen. Da sich diese Situation auch in absehbarer Zeit nicht ändern wird, soll das Gebäude im Rahmen einer Konzeptausschreibung mit Nutzungsbindung an einen privaten Investor verkauft werden." Die Vorlage hätten sich die Bieter allerdings eigenständig im Ratsinformationssystem suchen müssen.

Gibt es also keine Möglichkeit mehr, dass die Dresdner im Sachsenbad wieder ihre Bahnen ziehen können? "Sofern der Stadtrat seine Auffassung ändern sollte und zum Ergebnis kommt, die denkmalgerechte Sanierung und die Betreibung des Sachsenbads doch selbst stemmen zu wollen, oder als Ankermieter in die Pflicht zu gehen, müsste die aktuelle Ausschreibung aufgehoben werden. Aufgrund der sich dann ergebenden finanziellen Verpflichtung müsste eine förmliche europaweite Ausschreibung auf den Weg gebracht werden", erklärt Schmidt-Lamontain. Doch sind die Parteien dazu bereit?

Das wollen die Politiker:

Für André Schollbach, Fraktionsvorsitzender der Linken im Dresdner Stadtrat, kommen die Umbaupläne zur Sauna-, Gastro- und Bürolandschaft nicht infrage. "Das Sachsenbad ist ein großartiges architektonisches Dokument der Zeitgeschichte. Mit einem Umbau des Bades zu schnöden Büroflächen würde dem Gebäude das Herzstück entrissen und die Seele geraubt. Viele Menschen wünschen sich von ganzem Herzen, dass unter Erhaltung der Architektur wieder ein Bad entsteht. Deshalb kämpfen wir für eine Wiederbelebung des Sachsenbades als Bad", teilt er auf SZ-Anfrage mit.

Etwas differenzierter sieht es Veit Böhm, Stadtrat der CDU. "Grundsätzlich finde ich, dass eine zukünftige Nutzung des Sachsenbades im Stadtteil auf eine hohe Akzeptanz treffen sollte", sagt er. Deshalb sei es wichtig, dass die Dresdner vor der Entscheidung des Stadtrats befragt werden. Wie kürzlich bekannt wurde, soll es aber erst nach dem Verkauf eine Bürgerversammlung geben. "Da werden wir nicht zustimmen." 

Auch das Votum des Stadtbezirksbeirats Pieschen sei für die Stadtrats-CDU wichtig, sagt Böhm. Er gibt aber auch zu bedenken, was ein Ablehnen des Verkaufs bedeuten würde: Sämtliche Bemühungen um eine Sanierung seien dann umsonst gewesen. Denn eine Finanzierung durch die Stadt sei nicht in Sicht, die Mittel durch die jetzige Corona-Krise künftig noch beschränkter. "Aus meiner Sicht gibt es derzeit nur die Möglichkeiten, dem verbliebenen Bieter zu folgen oder das Objekt im jetzigen Zustand zu belassen. Alle anderen Optionen sind in der aktuellen Situation unrealistisch", so Böhm.

Ähnlich sieht es Alexander Wiedemann, Stadtrat der AfD: "Wünschenswert wäre es, dieses wieder als Stadtteilbad zu eröffnen, mit Schul- und Rentnerschwimmen, als Treffpunkt für Groß und Klein, auch könnten wie früher Sauna, medizinische und weitere Heil- und Kurbäder angeboten werden. Doch das wird bei dem Sanierungsbedarf des Objektes ein frommer Wunsch bleiben", teilt er auf Anfrage mit. Auch seiner Fraktion sei es wichtig, dass die Bürger vor dem Entscheidungsprozess einbezogen werden.

Auch für SPD-Stadtrat Stefan Engel ist es oberstes Ziel, das Gebäude zu erhalten. "Natürlich wäre die Aufgabe der Badnutzung ein schmerzlicher Schritt", räumt er ein. Doch die Sanierung als Bad sei teuer. "Die finanziellen Spielräume der Stadt Dresden werden gerade aber eher kleiner als größer. Sofern das präferierte Angebot tatsächlich belastbar ist, gibt es nach langer Zeit endlich eine Perspektive, zumindest das denkmalgeschützte Gebäude zu retten. Diese Perspektive sollte von allen Fraktionen ernsthaft geprüft werden."        

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Noch deutlicher wird FDP-Stadtrat Christoph Blödner: "Die Ausschreibung hat gezeigt, dass eine private Variante für ein Bad ohne Beteiligung der Stadt nicht möglich ist." Allerdings wären die Kosten für die Stadt als Ankermieter eines Bades oder beim Bau in Eigenregie so hoch, dass es in absehbarer Zeit nicht finanzierbar sei. "So sehr wir uns Wasser im Sachsenbad wünschen, ist aus Sicht der FDP-Fraktion die nun vorgeschlagene Variante die einzig realistische Möglichkeit, das Gebäude und Baudenkmal zu erhalten und zu sanieren, um dafür Sorge zu tragen, dass es nicht endgültig verfällt."

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