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Mehr als sieben Jahre Haft für Serientäter

Ein 38-jähriger Dresdner hat sechs Mädchen und junge Frauen überfallen. Warum der Mann als nicht voll schuldfähig gilt und was nun mit ihm geschieht.

Tim M. wurde nach einem sechsmonatigen Prozess am Landgericht Dresden wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt.
Tim M. wurde nach einem sechsmonatigen Prozess am Landgericht Dresden wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt. © Benno Löffler

Dresden. Sollte er eine Regung gezeigt haben, sie war unter seiner Mund-Nase-Bedeckung nicht zu erkennen. Am Donnerstag wurde der 38-jährige Tim M. unter anderem wegen schwerer Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Kindern zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die Jugendschutzkammer ordnete die Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik an, da er psychisch krank ist und von ihm ohne Behandlung weiter eine Gefahr ausgeht.

Nach einer sechsmonatigen Hauptverhandlung, 16 Sitzungstagen, der Vernehmung von mehr als 50 Zeugen und einer Reihe Sachverständiger war das Gericht überzeugt, dass Tim M. im Juni und Juli 2019 vier sowie bereits im Juni 2018 bei Bad Gottleuba zwei weitere Kinder und junge Frauen überfallen hat, um sich an ihnen zu vergehen. 

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Der 38-Jährige hatte im Juli 2019 Angst und Schrecken in Dresden ausgelöst. Offenbar war ein Serientäter auf einem Fahrrad im Stadtgebiet unterwegs, der innerhalb weniger Wochen tagsüber vier Überfälle begangen hatte. Opfer waren Mädchen im Alter von 11, 12 und 15 Jahren sowie eine 23-Jährige.

Bewaffnet mit Reizgas und Elektroschocker

Der Angeklagte war am 23. Juli 2019 unmittelbar nach seiner letzten Tat am Rande der Dresdner Heide festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Vergewaltigung der 15-Jährigen im Prießnitzgrund sei auch die schwerste Tat gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel. 

M. habe sein Opfer wie in den anderen Fällen zu Boden gerissen und ihm den Mund zugehalten. Dann habe er der 15-Jährigen die Hosen heruntergezogen und seine Finger eingeführt. Schließlich sei er geflüchtet. Dank der schnellen Alarmierung konnte die Polizei ihn wenig später noch im Bereich der Marienallee stellen. Er hatte einen Elektroschocker und Reizgas in seinem Rucksack.

Bereits ein Jahr zuvor hatte M. in Bad Gottleuba eine 16-Jährige angegriffen, die Patientin in einer Kurklinik war und einen Spaziergang unternommen hatte. M. hatte damals als Küchenhilfe in der Klinik gearbeitet. Bei der zweiten Tat nur fünf Tage später hatte er zwei zehnjährige Mädchen in einem Wald überfallen. Während ein Kind flüchtete, riss er das andere zu Boden und versuchte, es zu entkleiden. Das Kind konnte ebenfalls die Flucht ergreifen.

Obwohl die beiden Angriffe nur innerhalb weniger Tage in Bad Gottleuba stattfanden, hatte die Polizei die Zusammenhänge lange nicht erkannt. Zu unterschiedlich waren die Beschreibungen des mutmaßlichen Täters. Ein Zusammenhang ergab sich erst über einen Teil der DNA-Spur, der nicht in der Sexualstraftäter-Datei gespeichert werde. Das ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch der Grund, warum die Fälle aus Bad Gottleuba später als sogenannte Nachtragsanklagen in die Hauptverhandlung eingeführt wurden.     

Richter Ziegel sprach bei diesen Taten von dem „eher seltenen Fall“, dass keine Beziehung zwischen Täter und Opfer bestanden hat: „Hier wurden Mädchen von einem wildfremden Mann überfallen.“ Das habe die Opfer zusätzlich schwer belastet. Viele litten an Panikattacken und Angstzuständen, hätten sich nicht mehr alleine aus dem Haus getraut, wurden von den Eltern zur Schule gefahren. „Hört die Angst irgendwann wieder auf?“, habe eines der Kinder eine Vernehmungsbeamtin gefragt, so Ziegel. „Damit werden die Mädchen ihr Leben lang zu kämpfen haben.“

Angeklagter machte keine Angaben

Tim M. hat sich zu den Vorwürfen nicht geäußert. Er war früher DJ, hat in Bands gespielt und im Eventbereich gejobbt. Nach einer gescheiterten Beziehung lebte er ab Ende 2018 monatelang in einem Keller. Dass er ein Kind mit der Ex-Partnerin hat, mit der er mehrere Jahre zusammen war, will er bis heute nicht wahrhaben. So schüttelte er wieder seinen Kopf, als Richter Ziegel sagte, dass der Angeklagte Vater eines inzwischen dreijährigen Sohnes sei.

Ein psychiatrischer Sachverständiger diagnostizierte bei M. eine schizophrene Erkrankung, die auch durch seinen extensiven Drogenkonsum verursacht worden sein könnte. Daher sei der Mann nicht voll schuldfähig, sagte der Vorsitzende. Die Kammer habe das strafmildernd berücksichtigt.

Ursprünglich mit angeklagt war auch der Besitz einer umfangreichen Sammlung kinderpornografischer Fotos und Videos. Diese Taten hatte das Gericht im Hinblick auf die Verurteilung der übrigen Vorwürfe eingestellt.

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