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Dresden

Wo es beim Thema Mehrweg klemmt

Nicht nur beim Elbhangfest sind Plastegeschirr und -besteck verboten. Kontrolliert wird das jedoch nicht. 

Pfandbecher und Gläser, die gespült werden stehen in Dresden nicht nur beim Streetfood Festival auf den Tischen.
Pfandbecher und Gläser, die gespült werden stehen in Dresden nicht nur beim Streetfood Festival auf den Tischen. © PR

Den Mehrweggedanken jedoch auf sämtliches Geschirr und Besteck auszudehnen, sei indes nicht trivial, sagt Franke. Dafür brauchten die Händler tatsächlich mehr Lagerplatz in ihren Hütten, und es wären breitere Zufahrtswege nötig, damit das Geschirr zum Spülen abgeholt werden könnte. Dies hat auch Holger Zastrow kritisiert. Damit stelle man den gesamten Striezelmarkt infrage, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende der nicht nur die Hofewiese betreibt, sondern auch den Augustusmarkt auf der Hauptstraße. Auch die Nutzung von kompostierbarem Geschirr hält er nicht für sinnvoll. „Wer will denn den Müll kontrollieren und trennen? Da wirft doch jeder Kronkorken, Bonbonpapier und alles mögliche rein“, sagt Zastrow. „Am Ende wird wahrscheinlich eh alles verbrannt.“

Doch da kann ihn Franke beruhigen. Der dort anfallende Müll wird sortenrein getrennt. Und da fällt auf, dass der Anteil der kompostierbaren Stoffe im Vorjahr mit 8,5 Tonnen nach Pappe- und Papierverpackungen am zweitgrößten ist. Eben weil kompostierbares Geschirr genutzt wird. Leichtverpackungen machen aber dennoch 3,3 Tonnen aus, der Restabfall nur noch 1,1 Tonnen.

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Grundsätzlich sieht Franke als einen wichtigen Punkt, dass es bei aller Umweltfreundlichkeit auch für die Händler bezahlbar bleiben muss. Das müsse man im Falle der Nutzung von Mehrweggeschirr auch mal berechnen. „Und in den gut funktionierenden Striezelmarkt greife ich nur ein, wenn es sinnvoll ist“, sagt Franke. Wenn Händler und Gastronomen aber Fragen hätten, werden sie regelmäßig zur Nutzung von Alternativen zu Kunststoffeinwegmaterialien beraten.

Einen Schritt weiter ist man bereits beim Elbhangfest. „Wir haben in unserer Marktsatzung verankert, dass ausschließlich Mehrweg- oder kompostierbares Geschirr und Besteck zu nutzen ist“, sagt Geschäftsführerin Lydia Göbel. Verboten sind zudem Einwegflaschen und Dosen. Wenn das Fest diesen Freitagabend beginnt, startet auch ein Testlauf auf dem Regionalmarkt in Wachwitz, wo ein Dienstleister das Mehrweggeschirr abholt, spült und wieder hinbringt. „Wir wollen sehen, wie das funktioniert“, sagt Lydia Göbel, die sich selbst ehrenamtlich für das Thema plastikfrei engagiert und den Gedanken dauerhaft ins Festwochenende integrieren will. „Allerdings wissen wir, dass sich nicht alle Händler an die Satzung halten und Plastikgeschirr nutzen. Wir schaffen es nicht, das zu kontrollieren, oft müssen wichtigere Probleme gelöst werden“, sagt die Geschäftsführerin. Aber sie ist froh, dass es beim Elbhangfest schon gut läuft mit Mehrwegbechern für Bier und alkoholfreie Getränke sowie den Weingläsern, die vor Ort gespült werden. Die Besucher könnten durchaus mit Einfluss nehmen und Händler ansprechen, die Plastegeschirr nutzen.

Offenbar wussten die Einreicher des Stadtrats-Antrages nicht, dass bereits im Februar 1994 in der Dresdner Abfallwirtschaftssatzung festgelegt wurde, dass auf Märkten und bei Festen im öffentlichen Raum Mehrweggeschirr oder kompostierbare Materialien zu nutzen sind. Das gilt für alle, unabhängig davon, wer der Veranstalter ist. Der Haken daran: Die Umsetzung dieser Forderung wird bis heute nicht kontrolliert. „Wer soll das machen? Da gibt es weitaus wichtigere Dinge, die kontrolliert werden müssten“, sagt Robert Franke, der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung. In seinem Amt gibt es dafür keine Kapazitäten.

Grundsätzlich sieht er Dresden aber auf dem richtigen Weg. „Schauen wir doch mal, was schon gut funktioniert, statt nur nach Negativem zu suchen, sagt er. Die Idee mit den Striezelmarkttassen zum Beispiel sei ein Selbstläufer. Sie erfüllen viele Nachhaltigkeitspunkte, werden regional in der Lausitz produziert und von einem Dienstleister nahe am Markt gewaschen, damit keine langen Transportwege entstehen. Darüber hinaus sind sie ein Botschafter für Dresden, denn Tausende Weihnachtsmarktbesucher nehmen die Tasse für drei Euro mit nach Hause. Franke selbst nimmt handsignierte Premiumtassen gern als Gastgeschenk mit auf seine Dienstreisen zu potenziellen Investoren.

Den Mehrweggedanken jedoch auf sämtliches Geschirr und Besteck auszudehnen, sei indes nicht trivial, sagt Franke. Dafür brauchten die Händler tatsächlich mehr Lagerplatz in ihren Hütten, und es wären breitere Zufahrtswege nötig, damit das Geschirr zum Spülen abgeholt werden könnte. Dies hat auch Holger Zastrow kritisiert. Damit stelle man den gesamten Striezelmarkt infrage, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende der nicht nur die Hofewiese betreibt, sondern auch den Augustusmarkt auf der Hauptstraße. Auch die Nutzung von kompostierbarem Geschirr hält er nicht für sinnvoll. „Wer will denn den Müll kontrollieren und trennen? Da wirft doch jeder Kronkorken, Bonbonpapier und alles mögliche rein“, sagt Zastrow. „Am Ende wird wahrscheinlich eh alles verbrannt.“

Doch da kann ihn Franke beruhigen. Der dort anfallende Müll wird sortenrein getrennt. Und da fällt auf, dass der Anteil der kompostierbaren Stoffe im Vorjahr mit 8,5 Tonnen nach Pappe- und Papierverpackungen am zweitgrößten ist. Eben weil kompostierbares Geschirr genutzt wird. Leichtverpackungen machen aber dennoch 3,3 Tonnen aus, der Restabfall nur noch 1,1 Tonnen.

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Grundsätzlich sieht Franke als einen wichtigen Punkt, dass es bei aller Umweltfreundlichkeit auch für die Händler bezahlbar bleiben muss. Das müsse man im Falle der Nutzung von Mehrweggeschirr auch mal berechnen. „Und in den gut funktionierenden Striezelmarkt greife ich nur ein, wenn es sinnvoll ist“, sagt Franke. Wenn Händler und Gastronomen aber Fragen hätten, werden sie regelmäßig zur Nutzung von Alternativen zu Kunststoffeinwegmaterialien beraten.

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