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Vermietung im Mika-Quartier startet

Erstbezug in diesem Jahr: Auf Dresdens größter Wohnbaustelle entstehen 900 Wohnungen. Es sind noch mehr geplant.

Von Melanie Schröder
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Rundgang auf der Megabaustelle: Investor Erik Sassenscheidt (r.) und Generalplaner Gottfried Schaaf (l.) erwarten zum Ende des Jahres die ersten Mieter. Zwischen Mickten und Kaditz entstehen bei dem Projekt 900 Wohnungen.
Rundgang auf der Megabaustelle: Investor Erik Sassenscheidt (r.) und Generalplaner Gottfried Schaaf (l.) erwarten zum Ende des Jahres die ersten Mieter. Zwischen Mickten und Kaditz entstehen bei dem Projekt 900 Wohnungen. © René Meinig

Im Vorbeigehen prüft er den neuen Kühlschrank. Schaut, ob auch das Licht funktioniert. Mit den Fingerspitzen fährt er Griffe und Oberflächen der Einbauschränke ab. Erik Sassenscheidt achtet auf Details, sucht nach Fehlern, die auszubessern sind. Wenig später lässt er den Blick vom Balkon im sechsten Stock über die Megabaustelle schweifen. Mit zurückhaltenden Gesten zeigt er, wo der nächste Mehrgeschosser mit 185 Wohnungen gebaut wird. Der Leiter der Mika-Quartier GmbH & Co. KG tritt dezent auf. Er verantwortet und leitet die größte Wohnbaustelle Dresdens, sogar Deutschlands, geradezu geräuschlos.

In Mickten wächst direkt neben dem Elbepark seit Monaten ein gigantisches Stadtviertel. Die ersten 179 Wohnungen in drei sechsgeschossigen Gebäudeteilen sollen Ende des Jahres bezugsfertig sein. Die Vermietung wird Mitte, Ende August starten. Dann können Interessierte auch eine möblierte Modellwohnung besichtigen. Es ist nur der erste Baustein im Dresdner Großprojekt. Weitere 550 Wohnungen hat die Stadt bereits genehmigt. Die Firma Mika-Quartier – die sich aus Sassenscheidts eigenem Immobilienunternehmen und der Berliner Baufirma Townscape zusammensetzt – wird zwei weitere Felder mit Häusern und einer Kita bebauen. Zehn Prozent der Fläche sind für Sozialwohnungen reserviert. 2023 ist das Bauende geplant.

Zwei- bis Fünfraumwohnungen werden im Mika-Quartier ab Mitte, Ende August vermietet. Der Fokus liegt allerdings auf kompakten Dreiraumwohnungen für Familien.
Zwei- bis Fünfraumwohnungen werden im Mika-Quartier ab Mitte, Ende August vermietet. Der Fokus liegt allerdings auf kompakten Dreiraumwohnungen für Familien. © René Meinig

Wo jetzt Sonnenblumen für Selbstpflücker blühen, werden bald Bagger rollen. Ein Werkstattverfahren mit Stadtplanern und Architekten soll in diesem Jahr beginnen. Der Hintergrund: Die Neubauten sollen an die bestehenden Häuser angepasst werden, erklärt Projektleiter Gottfried Schaaf. Es gehe um die Fassadengestaltung, Breite und Höhe der Gebäude stehen bereits fest. Vorgesehen ist eine Blockrandbebauung. Das heißt, entlang der Pieschener Straße werden Blöcke mit weitgehend freien Innenhöfen entstehen. Gebaut werden zudem viergeschossige Stadthäuser. Rund 900 Wohnungen werden es einmal sein. Und schon jetzt sind weitere geplant.

„Vermutlich gibt es nirgends eine grüne Wiese, die besser erschlossen ist“, so Sassenscheidt. Unterirdisch seien alle notwendigen Anschlüsse – ob Strom, Wasser, Fernwärme – vorhanden. Das Gebiet sei durch den öffentlichen Nahverkehr perfekt angeschlossen, zudem biete der Elbepark Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Haustür. All das mache das Gebiet zur Traumlage für Bauherren. Auch andere Eigentümer im Gebiet stehen in den Startlöchern.

Pläne hat etwa das Unternehmen Strabag, das mit einer Zweigniederlassung in der Washingtonstraße sitzt. Fünf Grundstücke sollen bebaut werden, genauere Angaben macht Sprecherin Verena Claasen noch nicht. Perspektivisch würden gemeinsam mit den Nachbarn laut Sassenscheidt rund 2.500 Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen. „Das Quartier zum lebendigen, attraktiven Stadtteil auszubauen, ist die größte Herausforderung bei dem Projekt“, betont er.

Es ist nur eines, auf das er sich derzeit konzentriert. Sassenscheidts gleichnamige Firma sitzt in Nordrhein-Westfalen und betreut deutschlandweit rund zehn Bauprojekte. Sieben feste Mitarbeiter habe er, für Vorhaben wie Mika würden verschiedene Projektpartner ins Boot geholt. In Dresden ist Sassenscheidt auch für das Friedenseck-Quartier in der Neustadt mit 104 Wohnungen verantwortlich. An beiden Standorten baue er hauptsächlich für Familien.

Der Großteil der ersten 179 Mika-Wohnungen sind daher kompakte Dreizimmer-Wohnungen zwischen 70 und 120 Quadratmetern – barrierefrei und unter anderem ausgestattet mit Parkettböden, Fußbodenheizung, Einbauküche, ebenerdigen Duschen. „Der Kaltmietpreis pro Quadratmeter liegt je nach Größe und Lage im Objekt zwischen elf und zwölf Euro“, sagt Thomas Dietz von Capera Immobilien Service. Dietz arbeitet für die Tochterfirma des ausländischen Eigentümers, der die Wohnungen im März gekauft hat: die luxemburgische Immobilienholding Corestate Capital.

Die Vermietung wird Mitte, Ende August starten. Bis dahin müssen noch Restarbeiten erledigt werden.
Die Vermietung wird Mitte, Ende August starten. Bis dahin müssen noch Restarbeiten erledigt werden. © René Meinig

Für die Lage und derzeitigen Neubaupreise sei die Miethöhe angemessen, meint Dietz. Allerdings: Im innenstadtfernen Mickten liegt der durchschnittliche Mietpreis für Neubauten laut Stadt bei rund 9,50 Euro. Wöchentlich kämen etwa 15 Mietanfragen, „das zeigt uns, dass der Preis gerechtfertigt ist“. Auch drei Gewerbeflächen sind zu vergeben – für Gastronomie, einen Laden sowie ein Büro.

Die Pläne für das Areal an der Flutrinne reichen bis in die 90er-Jahre zurück. „Nach der Wende war angedacht, die Fläche zum attraktiven Einfallstor in die Stadt zu entwickeln“, so Generalplaner Schaaf. „Für gewöhnlich haben Standorte an der Autobahn viel Gewerbe. Für Mickten gab es schon frühzeitig ein ganz anderes Konzept. Jetzt wird es wahr.“

Größere Probleme habe es im Bauprozess bisher nicht gegeben. Zumindest keine, die nicht auch auf allen anderen Baustellen zu finden sind, meint Sassenscheidt. In den letzten Jahren habe sich der Auflagenkatalog für Bauprojekte versechsfacht, deshalb dauere die Realisierung immens lange. Er nennt ein simples Beispiel: Schon im Anfangsstadium müssen Pläne detailliert ausgearbeitet sein, zudem können Bauanträge noch nicht digital eingereicht werden. Das bedeute, jede kleine Änderung muss in gedruckter, meist zehnfacher Ausfertigung immer wieder auf die Reise in die Ämter geschickt werden.

Dass im Mika-Quartier zu viele Wohnungen entstehen, die am Ende für den geforderten Preis vielleicht gar nicht vermietet werden können, glaubt Sassenscheidt nicht. „Solchen Großbauprojekten liegen aufwendige Analysen zugrunde. Wanderungsströme, Gewerbeansiedlungen, der Ausbau der Infrastruktur in Städten – all das wird einbezogen und bildet eine fundierte Grundlage für solche Investitionen.“ Über 200 Millionen Euro werden verbaut.