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Neue Pläne für den Kiesabbau in Söbrigen

Ein drei Kilometer langes Förderband soll den Kies von Dresden nach Pirna bringen. Schon im kommenden Jahr soll der Abbau starten. Genehmigt ist das aber noch nicht.

Auf diesen landwirtschaftlich genutzten Flächen sollen künftig bis in 15 Meter Tiefe Kiese und Sande abgebaut werden.
Auf diesen landwirtschaftlich genutzten Flächen sollen künftig bis in 15 Meter Tiefe Kiese und Sande abgebaut werden. © SZ/Peter Hilbert

Dresden. Lutz Hammer ist zuversichtlich. Schon im zweiten Halbjahr 2021 könnte der Kiesabbau auf dem Söbrigener Feld starten, sagt der Geschäftsführer der Kieswerke Borsberg GmbH  & Co. KG. Dafür gibt es inzwischen neue Pläne. Statt das abgebaggerte Material in einem neuen Werk vor Ort zu verarbeiten, wie bisher vorgesehen, soll es nun auf einem drei Kilometer langen und zwei Meter breiten Förderband nach Pirna-Copitz transportiert werden. "Das Band wird eingehaust, damit die Lärm- und Staubbelastung abnimmt", sagt Hammer. Auch ein Tunnel unter der Graupaer Straße müsse dafür gebaut werden. 

Für diese neuen Pläne seien aber weitere Umweltverträglichkeitsuntersuchungen nötig. Hammer rechnet damit, dass die Ergebnisse daraus im Sommer dieses Jahres vorliegen. Die wolle man als Teil eines neuen Rahmenbetriebsplanes beim Oberbergamt einreichen. Etwa ein Jahr könne die Bearbeitung dauern, schätzt Hammer. Dann wäre ein Baubeginn 2021 möglich. Beim Oberbergamt wartet man auf diesen neuen Antrag.  "Über die Zulässigkeit wird in dem noch zu führenden Verfahren entschieden", schreibt Abteilungsleiter Christof Voigt. 

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Der Kieswerke-Chef sieht mit dem neuen Plan nur Vorteile für Söbrigen. "Weil wir kein Kieswerk vor Ort bauen, entfällt die Lärm- und Staubbelastung des Bruchs vor Ort. Es müssten auch keine Lkw für den Abtransport durch den Ort fahren."

Geplant ist, jährlich 500.000 Tonnen Sand und Kies in Söbrigen zu fördern. 15 Jahre wird es etwa dauern, bis das knapp 32 Hektar große Feld erschöpft ist. Gearbeitet werden soll Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr und sonnabends von 6 bis 13. Vorgesehen ist, am  südöstlichen Rand mit dem Abbau zu beginnen, am Ende reicht das Abbaugebiet fast an das Schloss Pillnitz heran.    

Die Grafik zeigt den Verlauf der geplanten Förderbandanlage. 
Die Grafik zeigt den Verlauf der geplanten Förderbandanlage.  © SZ Grafik: Sylvia Tietze

Für die Anwohner ist das seit Bekanntwerden der Pläne eine Horrorvorstellung. 2006 haben sie eine Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau gegründet, die seither aktiv ist. Auch die Stadt Dresden hat sich dagegen ausgesprochen, die Kulturlandschaft an dieser Stelle von Baggern zerstören zu lassen. Doch die Chancen, das Projekt noch zu verhindern, sind gering. 1990 wurde bereits die Bergbauberechtigung dafür vergeben. 

Die neuen Pläne finden die Söbrigener auf jeden Fall besser als das bisher geplante Werk vor Ort. Damit könne auch das alte Werk in Pirna stehenbleiben, das relativ versteckt liege und die Landschaft nicht so stark verschandele, sagt Pirka Meubrink-Dinglinger von der Bürgerinitiative. "Aber grundsätzlich lehnen wir das Vorhaben ab. Leider werden wir wohl daran nichts mehr ändern können."     

Dennoch hat die BI mehrere Forderungen an die Kieswerke Borsberg. So sollte die Bandtrasse nicht sehr hoch werden, außerdem sollte sie zum Schutz des Wohngebietes Schmiedeweg unterirdisch geführt werden. Weil bis 22 Uhr gearbeitet werden könne, dürften keine Scheinwerfer die Anwohner und Tiere beeinträchtigen.   

2006 haben Anwohner eine Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau gegründet. 
2006 haben Anwohner eine Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau gegründet.  © Archiv: René Meinig

Weitere Forderungen betreffen die geplante Rekultivierung nach 15 Jahren. Nach den Plänen der Kieswerke Borsberg entsteht auf der Fläche nach dem Abbau ein Gewässer mit 15 Metern Tiefe, das an den Rändern begrünt werden soll. Auch eine Flachwasserzone ist vorgesehen sowie mehrere Aufforstungen und Obstbaumpflanzungen. Direkt angrenzend an das Graupaer Tännicht soll ein zehn Meter hohes Steilufer entstehen. Die Mitglieder der BI befürchten, dass durch den extrem abgesenkten Grundwasserspiegel das ganze Waldgebiet austrocknen wird. 

"Die Frage ist, wie lange sich die Kieswerke Zeit mit der Renaturierung lassen. Die fangen doch nicht sofort an. Dann bleibt dort erst mal eine Mondlandschaft", sagt Meubrink-Dinglinger. 

Für Lutz Hammer wird diese Problematik im Genehmigungsverfahren geregelt. "Die Pläne liegen dann einen Monat lang für die Öffentlichkeit aus. Jeder kann sie einsehen." Er könne die Sorgen der Anwohner nachvollziehen, doch die Kiese und Sande würden in der boomenden Bauwirtschaft dringend benötigt. Rund die Hälfte der Baustellen in Dresden sowie im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge würden mit Rohstoffen der Kieswerke Borsberg arbeiten. "Alle fordern kurze Transportwege, wir bieten sie", sagt Hammer und lässt keinen Zweifel daran, dass das Vorhaben in Söbrigen auch umgesetzt wird.    

Dabei gibt es inzwischen schon Alternativen zum Einsatz von Kies und Sand für Beton, nämlich recycelte mineralische Abfälle aus Gebäude- oder Straßenabbruch. "Die entstandenen Recyclingprodukte erfüllen nachweislich die Anforderungen", schreibt Dietmar Lohmann vom Landesverband der Recyclingwirtschaft Sachsen an die SZ. Es gebe mehrere sächsische Unternehmen, die solche Ersatzbaustoffe in hoher Qualität herstellten. Beim Recycling von Beton spare man außerdem rund  25 Prozent Energie im Vergleich zur Beton-Neuproduktion ein, da kein neuer Zement hergestellt werden muss. Die Vorräte an Kies seien ohnehin endlich, da sollte man frühzeitig über den Einsatz der Alternativen nachdenken.  

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