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"Endlich zöge Leben in dieses Haus ein"

Palaissommer ohne Palais - so soll es nicht bleiben. Veranstalter Jörg Polenz will den historischen Bau in sein Kulturprogramm einbeziehen. Doch die Pläne verstauben.

Jörg Polenz geht auf die Barrikaden. Sein Konzept für die Zukunft des Palaissommers soll nicht länger verstauben.
Jörg Polenz geht auf die Barrikaden. Sein Konzept für die Zukunft des Palaissommers soll nicht länger verstauben. © Sven Ellger

Dresden. Seit mehr als zehn Jahren bespielt ein Team aus Enthusiasten die große Wiese zwischen Japanischem Palais und Elberadweg. Dort gibt es Kinoabende, Klaviernächte, Lesungen, Podiumsdiskussionen und Konzerte - alles eintrittsfrei. Zweimal am Tag versammeln sich Hunderte Yogafreunde zum gemeinschaftlichen Sonnengruß. Und es werden immer mehr. Palaissommer-Chef Jörg Polenz spricht mit der SZ über seine Pläne, die weit über Open-Air-Veranstaltungen in den warmen Monaten hinaus gehen.

Herr Polenz, aus einer Idee ist ein weithin bekanntes, fest etabliertes Kultur-Festival geworden. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung ihrer Erfindung?

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Das diesjährige Festival mit knapp 50.000 Besuchern zur Halbzeit spiegelt die Beliebtheit, Wertschätzung und das Potenzial klar wieder. Die Resonanz auf die mittlerweile 11. Auflage des eintrittsfreien Kulturangebotes im Park des Japanischen Palais' ist einfach überwältigend. Das macht mich auf der einen Seite sehr stolz und glücklich, auf der anderen Seite bin ich jedoch sehr unzufrieden. Seit Beginn des Palaissommers 2009 bemühe ich mich darum, mit dem Festival auch in das Gebäude Japanisches Palais einzuziehen. Zehn Jahre lang ringe ich um ein ganzheitliches Konzept für Park und Haus. Seit 2011 liegt unser Vorschlag auf dem Tisch. Es gab Gespräche dazu mit Verwaltung, Politik und staatlichen Kulturinstitutionen, aber so richtig geht nichts vorwärts. Nun ist schon lange Funkstille.

Was haben Sie vor?

Alles, was wir als Veranstalter angekündigt und versprochen haben, ist eingetreten. Wir haben geliefert. Wir haben den Park des Japanischen Palais zu einem Magneten für alle Dresdner Bürger gemacht, wir bieten kostenlos Kunst, Kultur und Bildung an und halten uns an alle Regeln. Dresden dürstet danach dieses Erfolgskonzept nicht nur fünf Festivalwochen im Sommer, sondern ganzjährig zu erleben. Dafür ist das Japanische Palais ideal. Wir brennen dafür, dass sich die Türen des Hauses am Palaisplatz für uns als Veranstalter und alle Dresdner Bürger öffnen.

Wie kann das konkret aussehen?

Im Japanischen Palais sind die Staatlichen Kunstsammlungen mit dem Museum für Völkerkunde und die Senckenberg Naturhistorische Sammlungen beheimatet. Das ist toll und soll so bleiben. Aber viele Bereiche des Gebäudes stehen leer oder sind nicht genutzt. Wir möchten das Erdgeschoss mit dem Innenhof und der Anbindung zum Park mit den erfolgreichen Festivalformaten wie zum Beispiel Konzerte im Park, Klaviernächte, Palais-Gespräche, Palais-Poesie, Malerei, Yoga und Bildungsworkshops ganzjährig und eintrittsfrei nutzen. Endlich zöge Leben in dieses Haus ein, und es stünde allen Bürgern offen, so wie es die Inschrift am Giebel vorgibt. Dort steht, übersetzt aus dem Lateinischen: "Museum, dem öffentlichen Gebrauch geöffnet". Ein Anfang wäre mit einem Runden Tisch gemacht, an dem Vertreter der Politik und des Freistaates, dem die Immobilie gehört, wir als Veranstalter und Bürgerinnen und Bürger weitere Ideen entwickeln. Es wird Zeit, dass auch das Palais zu einem Treffpunkt für alle Dresdner wird.

Welche Art Finanzierung stellen Sie sich vor?

Die Gleiche, wie die für den Palaissommer: Sponsoren, private Spender und der Freundeskreis stellen ausreichend Geld zur Verfügung, damit alle logistischen Notwendigkeiten und natürlich das Programm finanziert werden können. Künstler und Seminarleiter erhalten Gagen. 

Was bedeutet Freundeskreis?

Das ist eine Art Mitgliedschaft mit einem festgelegten Monatsbeitrag. Er beginnt bei fünf Euro. Damit unterstützen unsere Freunde den Palaissommer, sodass wir damit Planungssicherheit bekommen. Künftig soll dieses Modell das Festival zu hundert Prozent finanzieren. Dafür brauchen wir 10.000 Freunde. Mit ihnen wären wir wirtschaftlich unabhängig, und jede weitere Zuwendung wäre ein Bonus zur Steigerung der Qualität. Denn nach wie vor soll der Palaisommer ohne Förderung von Stadt, Land und Bund auskommen und eintrittsfrei bleiben.

Wie viele Mitglieder unterstützen den Palaissommer bereits?

Seit vergangenem Jahr sammeln wir Freunde und haben inzwischen 500. Täglich kommen zehn bis 20 Neuanmeldungen dazu. Auch die Bereitschaft zu spenden, nimmt zu. Das ist ein schöner Ausdruck für Wertschätzung. Ich sehe noch viel mehr darin: Nämlich das stete Begreifen der Menschen, dass sie mit ihren freiwilligen Gaben sich selbst etwas Schönes schaffen und mit denen solidarisch sind, die sich kulturelle Veranstaltungen nicht leisten können. 

Wie hoch ist Ihr Budget und wie viel Geld bräuchten Sie, wenn sich ihr Konzept mit Nutzung des Palais übers ganze Jahr hinweg umsetzten ließe?

Für diese Saison haben wir insgesamt rund 750.000 Euro zur Verfügung. Wollen wir das Japanische Palais wie beschrieben rund ums Jahr bespielen, brauchen wir anderthalb bis zwei Millionen. Es geht um ein hochwertiges Kulturangebot, um faire Bezahlung und Wertschätzung aller mitwirkenden Künstler und der Mitarbeiter.

Wäre es unter diesen Umständen nicht vertretbar, über ein Eintrittsgeld nachzudenken?

Wie oft habe ich in letzter Zeit diesen Vorschlag gehört: Nehmt doch wenigstens jetzt Eintritt, wegen Corona hätte dafür jeder Verständnis! Aber nein. Weder die Pandemie noch ein erweitertes Konzept wird für mich Grund sein, Eintrittsgelder zu kassieren. Ich bleibe dabei: Der Palaissommer ist für alle Menschen kostenfrei zugänglich. Sollten wir allerdings Veranstaltungen in unser Programm aufnehmen, die nicht unsere Produktion, sondern Gastspiele sind, dann könnten dafür Tickets verkauft werden. 

Wie geht es nun mit der Konzeption weiter? Stehen Gespräche an?

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Ich hatte Gespräche mit Verantwortlichen des Freistaates, dem das Japanische Palais gehört, und auch mit Barbara Klepsch, Sachsens Ministerin für Kultur und Soziales. Frau Klepsch habe ich erst jüngst beim Palaissommer getroffen und mein Anliegen erneut dringlich gemacht. Sie verspricht, sich im vorgeschlagenen Sinn für die Bildung eines Runden Tisches einzusetzen. Auch anderen Beteiligten, die das Palais derzeit nutzen, habe ich meine Vorschläge unterbreitet. Aber wie ich schon sagte: Seit zehn Jahren gibt es keinen Fortschritt. Das muss sich jetzt ändern!

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