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Restauriertes Kaiserzimmer öffnet wieder

Handwerker haben die geschichtsträchtigen Räume im Pillnitzer Bergpapalais in Dresden aufwendig saniert. Was es dort zu sehen gibt.

Die Zimmer im Pillnitzer Bergpalais sind restauriert. Noch gut erhalten ist dieser kunstvoll gestaltete Ofen im einstigen Schlafzimmer.
Die Zimmer im Pillnitzer Bergpalais sind restauriert. Noch gut erhalten ist dieser kunstvoll gestaltete Ofen im einstigen Schlafzimmer. © Christian Juppe

Dresden. Seit Frühjahr 2019 ist der westliche Seitenflügel des Pillnitzer Bergpalais in Dresden geschlossen. Rund 40 Firmen waren dort im Auftrag des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) aktiv, um die geschichtsträchtigen Räume zu sanieren. Die Arbeiten sind abgeschlossen, teilt SIB-Sprecher Alwin-Reiner Zipfl mit. 

Seit 1768 hatte der sächsische Hof das Pillnitzer Schloss als Sommerresidenz genutzt. Der westliche und die anderen Seitenflügel waren von 1788 bis 1791 angebaut worden. Der Entwurf und die Pläne zur Einrichtung der Räume nach dem damals neuesten Zeitgeschmack stammen vom Hofarchitekten Christian Traugott Weinlig. Es sind die einzigen im frühklassizistischen Stil gestalteten Räume, die in Dresden noch erhalten geblieben sind. Heute werden sie vom Kunstgewerbemuseum genutzt. 

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In diesem Flügel des Pillnitzer Bergpalais sind die Kaiserzimmer. Ab 28. August können sie besichtigt werden.
In diesem Flügel des Pillnitzer Bergpalais sind die Kaiserzimmer. Ab 28. August können sie besichtigt werden. © Christian Juppe

Im Westflügel sind ein Vorzimmer, ein Wohn- und ein Schlafzimmer sowie ein Schreibkabinett und ein abschließender Gang. Gleich nach der Fertigstellung bekam dieser Seitenflügel einen besonderen Gast. Vom 25. bis 27. August 1791 wohnte der Habsburger Leopold II, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, in dem Gästeappartment. Deshalb wurde es später als Kaiserzimmer bezeichnet.

Dieses Gemälde von Johann Heinrich Schmidt zeigt das Monarchentreffen im August 1791. Mit dabei waren der Kaiser, der König von Preußen und Sachsens Kurfürst Friedrich August III.
Dieses Gemälde von Johann Heinrich Schmidt zeigt das Monarchentreffen im August 1791. Mit dabei waren der Kaiser, der König von Preußen und Sachsens Kurfürst Friedrich August III. © Gemäldegalerie Alte Meister, St

Zum Pillnitzer Monarchentreffen hatte Sachsens Kurfürst Friedrich August III. eingeladen. Mit dabei waren unter anderem Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. und Charles Philipp, Bruder des abgesetzten französischen Monarchen Ludwig XVI. Besprochen wurde die „polnische Frage“. Auf Druck Charles Philippes von Bourbon wurde außerdem die sogenannte Pillnitzer Deklaration verabschiedet, die auf eine Wiedereinsetzung Ludwig XVI. auf dem französischen Thron und die Wiederausübung seiner souveränen Macht zielte.

Im späten 19. Jahrhundert nutzte König Albert die Räume als Sommerresidenz. Ab den frühen 1920er-Jahren bis 1945 gehörte der Flügel zum Schlossmuseum. Danach wurde er als Depot der Gemäldegalerie genutzt. 

Von 1966 bis 1971 wurden die Zimmer restauriert. Knapp 50 Jahre nach der Sanierung musste der SIB handeln. Denn dem Holzboden unter dem Parkett hatte die Nässe kräftig zugesetzt, sodass einige Bereiche der Dielen verfault waren. 2018 hatten Bauforscher im Westflügel 2018 damit begonnen, genau zu untersuchen, wie die Räume 1791 ausgesehen hatten. Denn sie sollten nach der Sanierung soweit wie möglich dem historischen Vorbild entsprechen.

Die Kunstwerke über Fenstern und Türen wurden restauriert.
Die Kunstwerke über Fenstern und Türen wurden restauriert. © Christian Juppe

Das rund 230 Jahre alte Holzparkett haben Handwerker aufgearbeitet, repariert und ergänzt. Die bereits bis 1971 restaurierten Deckenmalereien blieben erhalten. Alle anderen Flächen wurden neu gestrichen. Viel Aufwand wurde auch an den Holzschnitzereien über den Türen betrieben, die von Bildern geschmückt werden. Ein Holzbildhauer hat sie nachgeschnitzt.

Restaurator Torsten Otto hatte im Juli die letzten Seidenbahnen befestigt. Sie waren nach historischem Vorbild in einer französischen Seidenmanufaktur hergestellt worden.
Restaurator Torsten Otto hatte im Juli die letzten Seidenbahnen befestigt. Sie waren nach historischem Vorbild in einer französischen Seidenmanufaktur hergestellt worden. © Christian Juppe

Ein Restaurator hat die Wände wieder so wie zur Bauzeit bespannt. Als oberste Lage wurden dem historischen Vorbild entsprechend Seidenbahnen gespannt. Auf der Basis von untersuchten Resten hatte sie die beauftragte Kunsthistorikerin Sabine Schneider in einer französischen Seidenmanufaktur herstellen lassen. 

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Ab 28. August können Besucher die restaurierten Zimmer bis zum 1. November besichtigen, teilen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit. Nach der Winterpause zeigt das Kunstgewerbemuseum ab 1. Mai 2021 seine Ausstellung mit Objekten aus der Zeit um 1800. Die Staatlichen Kunstsammlungen lassen jetzt noch 21 Reproduktionen von Kupferstichen mit Stadtansichten herstellen, die dann in den restaurierten Zimmern zu sehen sein werden.

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