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Dresden plant eine neue Buswelt

Die Dresdner Verkehrsbetriebe starten am Montag eine neue Buslinie. Auf der wichtigsten Strecke soll es bald Riesenbusse geben.

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Von Tobias Winzer

Knapp vier Jahre ist es her, da haben die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) ihr Busnetz komplett umgekrempelt. Seitdem fahren zum Beispiel die 60er-Linien, mit denen neue Verbindungen zwischen den Stadtteilen geschaffen wurden, im Zehn-Minuten-Takt. Jährlich 400.000 Kilometer legen die DVB-Busse seitdem zusätzlich zurück. „Die Busse haben wir bis dahin so ein wenig als Stiefkind behandelt“, sagt DVB-Vorstand Hans-Jürgen Credé. „Unser Ziel war, die Qualität der Straßenbahnen auch für die Busse umzusetzen.“ Zumindest für die 60er-Linien sei das gelungen.

„Die Zufriedenheitswerte der Busnutzer haben sich deutlich gebessert.“ Die Fahrgastzahlen seien in den vergangenen vier Jahren um 5,5 Prozent auf rund 543.000 gestiegen, auch wenn nicht alle Experimente gelungen seien, sagt Credé zur Halbzeitbilanz der Busnetz-Reform. In vier Jahren müssen sich die DVB bei der Stadt Dresden erneut um den Betrieb der Buslinien bewerben. Die Sächsische Zeitung erklärt, welche Veränderungen geplant sind.

Plan 1: Über die Waldschlößchenbrücke im Zehn-Minuten-Takt

Die größte Veränderung im Busnetz gibt es schon ab der kommenden Woche. Mit der Verkehrsfreigabe für die Waldschlößchenbrücke in der Nacht von Sonntag auf Montag rollt die Linie 64, die bislang von Kaditz kommend am Waldschlößchen endet, im Zehn-Minuten-Takt über die Brücke und dann weiter zum Universitätsklinikum bis zur Straßenbahnhaltestelle Augsburger Straße. Jeder zweite Bus fährt dann weiter auf der derzeitigen Strecke der Linie 74 über die Fetscherstraße, den Fetscherplatz und die Borsbergstraße nach Reick. Auf der Waldschlößchenbrücke selbst gibt es drei Haltestellen.

Am liebsten würden die Verkehrsbetriebe die Buslinie 64 über die Augsburger Straße und Tittmannstraße führen. 600 bis 700 Fahrgäste mehr verspricht sich das Unternehmen davon. Doch bislang scheiterte der Plan daran, weil die Straßen in schlechtem Zustand sind, die Stadt keine Busse über die Holperpiste fahren lassen wollte und kein Geld für eine Sanierung bereitstand. „Jetzt haben wir aber das Signal bekommen, dass die Bauarbeiten 2015 beginnen können“, sagt DVB-Vorstand Credé.

Die Buslinie 74 ist künftig nur noch auf der rechten Elbseite zwischen den Haltestellen Marienallee und Mathias-Oeder-Straße unterwegs. Um das Wohngebiet Jägerpark besser anzubinden, will die Stadt einen Abzweig der Mathias-Oeder-Straße bis zur Straße Am Jägerpark verlängern. Der Bau soll im Herbst beginnen.

Plan 2: Große Investition gegen überfüllte Busse auf der 61

Kern der Busstrategie sollen die 60er-Linien bleiben. Zwei Drittel der täglich rund 170.000 Busnutzer sind auf den sechs Linien unterwegs. „Wir setzen auf diese starken Linien und auf die Verknüpfung dieser“, sagt Credé. Gerade auf der Linie 61, die von Löbtau über die Universität in Richtung Gruna fährt, stoßen die Busse jedoch an ihre Kapazitätsgrenze. Obwohl die DVB sie zum Teil im Drei-Minuten-Takt fahren lässt, sind sie oft überfüllt.

Das Unternehmen kauft deshalb bis Ende dieses Jahres sechs neue Busse, die rund einen Meter länger als die bislang üblichen Fahrzeuge sein sollen. Sechs alte Busse werden dafür ausrangiert. „Das bringt vielleicht nur zehn bis 15 Plätze mehr“, sagt Credé. „Aber die sind manchmal entscheidend.“ Da die Ausschreibung für die Fahrzeuge noch läuft, machen die DVB keine genauen Angaben zum Bustyp. Rund zwei Millionen Euro sollen investiert werden.

Langfristig wollen die Verkehrsbetriebe auf der Strecke aber eine Straßenbahnlinie bauen. Damit könnten noch mehr Fahrgäste transportiert werden. Außerdem wären sie komfortabler unterwegs. „Mit dem Projekt sind wir auf einem guten Weg“, sagt Credé. Die ersten Arbeiten dafür sollen im kommenden Jahr in Strehlen beginnen.

Plan 3: Leichteres Umsteigen in Straßenbahnen und S-Bahnen

Die Verkehrsbetriebe wollen ihr Busnetz besser mit Straßenbahnen und S-Bahnen verknüpfen. Größtes Projekt in diesem Zusammenhang ist der neue Haltepunkt Strehlen. Durch die geplante Verlegung der Straßenbahnlinien 9 und 13 aus der Wasastraße in die Oskarstraße entsteht dort eine Zentralhaltestelle, an der neben den Bussen der Linie 61, 63 und 75 auch S-Bahnen halten. Im Frühjahr 2015 sollen die Bauarbeiten dafür beginnen.

Ein ähnliches Projekt ist der Umbau der Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße ab 2015. Ein 150 Meter langer Abschnitt zwischen Tharandter Straße und Gröbelstraße wird dort für Autos gesperrt. Neue Umsteigemöglichkeiten entstehen auch durch den S-Bahn-Ausbau zwischen Bahnhof Neustadt und Radebeul am Bischofsplatz und am Bahnhof Trachau.

Plan 4: Bequemere Fahrten ins Umland

Weil es immer mehr Menschen gibt, die im Umland wohnen, aber zur Arbeit nach Dresden pendeln, wollen die DVB ihr Netz über die Stadtgrenzen hinaus ausbauen. So soll die Linie 66 bis nach Freital verlängert werden. Dafür laufen derzeit Verhandlungen mit der Nachbargemeinde. Ähnliches ist nach DVB-Angaben für die Buslinie 75 denkbar. Sie endet derzeit in Goppeln.

Durch die stärkere Verknüpfung mit dem Umland wollen die DVB auch gleich ein weiteres Problem lösen: Die Fahrgastzahlen der Linie 70, 72 und 76 in Klotzsche liegen unter dem gewünschten Niveau. Die Buslinie 78 wurde gar wegen zu geringer Nachfrage eingestellt. „In Klotzsche leben relativ wenige Menschen auf einer relativ großen Fläche“, sagt Credé. „Das macht es schwierig, die optimale Linienführung zu finden.“ Nun sollen einzelne Wohngebiete auch durch die Busse des Regionalverkehrs mit abgedeckt werden. Sie könnten beispielsweise aus dem Umland kommend, einzelne Haltestellen in Klotzsche abfahren und dann an einer Straßenbahnhaltestelle enden. Dort könnten die Fahrgäste umsteigen. Auch dafür laufen derzeit Gespräche mit dem RVD.

Plan 5: Bessere Anbindung für neue Schulen

Die DVB rechnen nicht damit, dass das Busnetz in vier Jahren genau so umgekrempelt werden muss wie vor vier Jahren. „Es wird aber immer wieder kleinere Anpassungen geben“, sagt Credé. Veränderungen sind vor allem wegen der Schulen nötig, die neu entstehen. Während die geplanten Häuser am Straßenbahnhof Tolkewitz schon toll angebunden seien, gebe es an der Gehestraße in Pieschen noch Handlungsbedarf.