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Wo Dresden Fahrradparkhäuser plant

Der ADFC kritisierte die Situation der Fahrradstellplätze an Dresdens Bahnhöfen. Was Stadt und Bahn dazu sagen und was sich nun ändern soll.

Nicht ideal: Am Hauptbahnhof findet nicht jeder einen sicheren Abstellplatz für sein Rad.
Nicht ideal: Am Hauptbahnhof findet nicht jeder einen sicheren Abstellplatz für sein Rad. © Sven Ellger

Dresden. Die Studie des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen vermittelt den Eindruck, dass Radfahrer es in Dresden schwer haben, einen geeigneten Stellplatz für ihr Fahrrad an Bahnhöfen zu finden. Ganze 19 der 26 Dresdner Haltepunkte fielen bei der Analyse sächsischer Bahnhöfe durch, weil sie über zu wenige oder gar keine Abstellmöglichkeiten verfügten. 

Nach Meinung des ADFC bestehe jedoch von Seiten vieler Pendler Interesse, das Rad mit der Bahn zu kombinieren. Das sei aber nur dann sinnvoll möglich, wenn man das Fahrrad angstfrei am Bahnhof stehen lassen könne. Edwin Seifert, Geschäftsführer des ADFC Dresden, sagt dazu: "Die Stadtverwaltung und der Verkehrsverbund Oberelbe müssen jetzt schnell handeln und die Dresdner Bahnhöfe mit hochwertigen Fahrradabstellanlagen ausstatten."

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Das sächsisches Verkehrsministerium gibt 8,7 Millionen Euro europäische Fördermittel dazu.

Auf Anfrage der SZ gab Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) an, dass der Stadt das Problem durchaus bewusst sei. Besonders an den Bahnhöfen Klotzsche, Niedersedlitz, Reick, Mitte, Pieschen und Trachau sehe man Erweiterungsbedarf. Jedoch würde derzeit an allen defizitären Standorten geplant oder bereits gebaut. An den S-Bahnhöfen Niedersedlitz und Klotzsche werde untersucht, an welchen Standorten kurzfristig weitere Radabstellbügel installiert werden können. 

ADFC, Bahn und Stadt sind sich einig

Im Grunde ist sich der ADFC in seinen Forderungen also einig mit der Deutschen Bahn und der Stadt Dresden. Denn Bahn-Pressesprecher Jörg Bönisch sagte gegenüber der SZ, die Bahn fördere die klimafreundliche Anreise zum Bahnhof, "dazu gehören selbstverständlich auch mehr Fahrradparkplätze an den Bahnhöfen".  

Genau deshalb sei die in der ADFC-Studie erwähnte Bike+Ride-Offensive gestartet worden. Bis Ende 2022 sollen 100.000 zusätzliche Fahrradstellplätze an Bahnhöfen in Deutschland entstehen. Dass, wie in der Studie des ADFC bemängelt, noch keine einzige Kommune in Sachsen die Fördergelder des Programms in Anspruch genommen hat, ist nach Meinung der Bahn Sache der Kommunen. "Voraussetzung für eine Zusammenarbeit ist die Interessensbekundung durch die Kommune oder Gemeinde", so Bönisch. Es liefen jedoch bundesweit Gespräche.

Fahrradparkhaus am Bahnhof-Neustadt gewünscht

Die Stadt Dresden erklärte gegenüber der SZ, dass man von den Fördergeldern wisse. "Insbesondere für den Bahnhof Neustadt haben wir geprüft, ob es infrage kommt," teilt Baubürgermeister Schmidt-Lamontain mit. 

Allerdings eröffne das Programm nur das Angebot mietfreier Flächen auf DB-Grundstücken zum Errichten von Fahrradbügeln im Freien und ohne Überdachung. Für die Stadt scheint das wenig attraktiv zu sein: "Der Radfahrer, der sein Rad über den Tag oder über Nacht am Bahnhof abstellen will, erwartet eine Abstellmöglichkeit, die sein Rad vor Witterungseinflüssen, Vandalismus und Diebstahl schützt. Für eine zeitgemäße, umweltfreundliche Mobilität mit dem Rad, und dem Wechsel des Verkehrsmittels, ist das heute der Standard", so der  Baubürgermeister. 

Dennoch dürfen Pendler auf neue Abstellplätze hoffen: "Deshalb untersuchen die Ämter meines Geschäftsbereichs für den Bahnhof Neustadt, ob es eine Fläche für ein Fahrradparkhaus gibt", so Schmidt-Lamontain. Dazu laufe eine Machbarkeitsstudie. 

Weitere Abstellmöglichkeiten am Wiener Platz Nord

Laut Stadt stehen am Hauptbahnhof derzeit 66 Fahrradabstellplätze zur Verfügung.
Laut Stadt stehen am Hauptbahnhof derzeit 66 Fahrradabstellplätze zur Verfügung. © Sven Ellger

Der Dresdner Hauptbahnhof wird vom ADFC gar mit der Note 5 bewertet. Denn laut Zählung des Fahrrad-Clubs gibt es dort nur 140 Abstellplätze, denen täglich 35.000 Fahrgäste entgegenstehen. Sieht man sich die Zahlen der Stadt an, wird deutlich, dass diese von mehr vorhandenen Stellplätzen ausgeht. Sie kommt bei ihrer Aufzählung auf ganze 266 Fahrradabstellplätze. Dies hat jedoch den Grund, dass laut ADFC-Studie nicht immer klar zu erkennen ist, ob Fahrradständer zu den Bahnhöfen gehören oder nicht. Gezählt würden nur Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe der Gleise.

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So oder so will die Stadt die Situation auch hier verbessern. Am Wiener Platz Nord vor dem Hauptbahnhof solle ein Fahrradparkhaus errichtet werden. Das Ziel sei, die Verhandlungen noch in diesem Jahr abzuschließen und dem Stadtrat eine Vorlage zur Entscheidung vorzulegen. 

Die ganze ADFC-Studie finden Sie hier.

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