merken
PLUS

Dresden

Hier können Dresdner selbst Milch zapfen

In sechs Dresdner Läden können Milchkäufer jetzt selbst Hand anlegen. Was sie für Vorteile sehen.

Wenn Barbara Neubert an dem silbernen Griff zieht, läuft die Podemus-Milch in ihre Flasche.
Wenn Barbara Neubert an dem silbernen Griff zieht, läuft die Podemus-Milch in ihre Flasche. © Sven Ellger

Es ist wieder etwas danebengegangen. Und das ist Barbara Neubert unangenehm. Aber sie kann ihre braune Milchflasche nicht in der Hand halten. Vor allem nicht, wenn sie voll ist, und Barbara Neubert hat sie randvoll gemacht. So haben es ihr die Mitarbeiter des Podemus-Ladens in Alttolkewitz geraten, als sie ihr den Umgang mit der Milchzapfanlage erklärten. Dann hält die frische Biomilch aus dem Biohof am Rand der Stadt länger. Der Nebeneffekt: Leider läuft immer etwas Milch über den Flaschenrand in den Ausguss.

Barbara Neubert zapft am Stadt-Euter. Das sieht ganz anders aus, als man ein Euter kennt. Es ist riesig, aus Metall und hat auch nur eine Zitze. Das ist ein Schlauch, der in einer schrankartigen Aussparung des mehr als mannshohen Metallkastens aus der orange lackierten Blechverkleidung kommt. Darunter hat die Dresdnerin ihre braune Milchflasche gestellt. Dann zieht sie an einem Griff, der an einen Schürhaken erinnert, und zügig fließt die Frischmilch in die Flasche. 99 Cent zahlt sie pro Liter. Das ist weniger, als im Podemus-Laden die günstigste H-Milch im Tetrapack kostet.

Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Bis zu 2.000 Liter Frischmilch pro Woche

Doch der Preis ist nicht der Grund dafür, dass Barbara Neubert lieber selber zapft. Was Männer meistens nur in Bierkneipen und aus Spaß machen, und wofür sie gern auch mehr zahlen, macht die Dresdnerin im Bioladen aus Überzeugung. "Meine Milch muss nicht erst durch halb Deutschland gefahren werden", sagt sie und zapft noch einen weiteren Liter. Zwei bis drei Liter braucht sie pro Woche. 

Die Milch hält sich bis zu zehn Tage, sagt Susan Hudalla, Markleiterin des Tolkewitzer Geschäfts. Sie kommt direkt aus der hauseigenen Molkerei in Podemus und wird dreimal pro Woche in silberfarbenen Milchkannen geliefert. Die werden in dem großen Kasten abgestellt, der nicht nur eine Zapfanlage ist, sondern auch ein mächtiger Kühlschrank. Einer mit einem kleinen Kran. Damit ziehen die Mitarbeiterinnen die Kannen nach oben, dann werden sie an die Zapfanlage angeschlossen und das Stadtmelken kann beginnen.

"Am Freitag haben wir drei Kannen bekommen, am Sonnabend mussten wir schon die zweite anschließen", beschreibt Susan Hudalla die Nachfrage. Ob darunter jetzt der Verkauf bereits abgefüllter Milch leidet, kann sie noch nicht einschätzen, denn die Zapfanlage in ihrem Markt ist erst seit Ende Januar in Betrieb. 

Auch Julia Falk, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Vorwerk Podemus, kann dazu noch nichts sagen. "Unsere Stadt-Euter sind sehr gut angelaufen und wir sind mit den Milchmengen sehr zufrieden", ordnet sie den Verkauf ein. 1.500 bis 2.000 Liter Biomilch produziert die Molkerei des Biohofs jede Woche. Die wird ausschließlich in den Stadt-Eutern verkauft. 

Vier weitere Blecheuter

Die wurden bereits ausgiebig in den Geschäften am Schillerplatz und in der Neustadt getestet. Jetzt stehen die blechernen Euter in vier weiteren Geschäften: in Gruna und in Tolkewitz, außerdem in Pirna und Radebeul. Alle Anlagen haben auch einen Wasseranschluss. So kann jeder Kunde den kleinen Zapfschrank reinigen, bevor er seine Flasche hineinstellt und die Flasche selbst danach abwaschen. 

Neben den riesigen Kühlschränken liegt immer Papier, um die Flaschen abzutrocknen. Barbara Neubert verzichtet auf das Abwaschen. "Ich muss sie ja danach auch abtrocknen, also nehme ich gleich das Papier", sagt sie und wischt die übergelaufene Milch von ihrer braunen Flasche. Dann stellt sie sie in den Einkaufswagen. Schön kühl ist sie und randvoll, wie die erste Flasche, die sie gezapft hat.

Dass das Vorwerk nicht nur mit dem Bio-Siegel lockt, sondern auch noch einen guten Milchpreis hat, nimmt sie gern in Kauf. Es muss kein Zwischenhändler bezahlt werden, es gibt keine Verpackungskosten, die Abfüllkosten "halten sich in Grenzen" und die Transportkosten sind ebenfalls "verhältnismäßig gering", erklärt Julia Falk den Preis. Dazu schmeckt sie auch noch besser als jede andere Milch, sagt eine Mitarbeiterin des Ladens in Tolkewitz, ob pur, im Kaffee oder im Pudding. Ob das stimmt, müssen die Kunden selbst beurteilen. "Frischer geht es kaum", ist jedenfalls Julia Frank überzeugt. Dreimal pro Woche wird geliefert und vom Melken bis zur Verarbeitung der Milch "vergehen nur wenige Stunden".

Die Milchkühlschränke in den Podemus-Läden enthalten also zumindest ein regionales Produkt zu einem Preis, der im Vergleich zu den Milchpreisen in anderen Geschäften konkurrenzfähig ist. Und das Selbst-Zapfen ist auch keine große Hürde. Nur eine Markierung in dem kleinen Zapfschrank wünscht sind Barbara Neubert noch. Etwa einen Kreis, der ihr zeigt, wo sie ihre Milchflasche hinstellt, damit möglichst wenig verloren geht. Denn gerade bei der frischen Ware aus Podemus tut es ihr leid, wenn sie über den Flaschenrand in den Ausguss läuft.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.