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Mehr Polizei in der Dresdner Neustadt

Die Probleme am "Assi-Eck" haben zugenommen. Immer häufiger ist nun die Polizei im Viertel unterwegs. Aber lohnt sich der Aufwand überhaupt?

Wenn überhaupt, dann kommt die Straßenbahn in der Neustadt an warmen Wochenendnächten nur im Schritttempo durch.
Wenn überhaupt, dann kommt die Straßenbahn in der Neustadt an warmen Wochenendnächten nur im Schritttempo durch. © SZ/Christoph Springer

Dresden. Die Beamten stehen am Rand der Kreuzung. Es sind pro Ecke wenigstens zwei oder drei Polizisten. Einige von ihnen laufen immer wieder auf die Kreuzung und sprechen dort Menschen an, die auf der Straße stehen und sich nicht weiterbewegen. Sie weisen diese Menschen darauf hin, dass sie die Straße verlassen sollen, denn dort fahren Straßenbahnen und Autos. Die meisten trollen sich, gehen langsam in eine der Seitenstraßen und suchen sich einen Platz auf dem Fußweg.

So verläuft eine normale Freitag- oder Sonnabendnacht am "Assi-Eck", der Neustadt-Kreuzung Rothenburger Straße/Louisenstraße/Görlitzer Straße. Bis zu 800 Menschen haben sich dort schon an einem Abend versammelt, schätzt die Polizei. Sie sitzen auf den Bordsteinkanten, stehen auf den Fußwegen, treffen sich auf der Kreuzung. Die meisten trinken und häufig sind es so viele, dass die Straßenbahnen nicht mehr durchkommen. Wenn die Polizei dann nicht mehr helfen kann, leiten die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) die Linie 13 um, die Äußere Neustadt wird abgehängt vom planmäßigen Bahnverkehr.

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Seit wenigstens sechs Jahren beschäftigt dieses Thema die DVB. In diesem Jahr ist es besonders schlimm, meint nicht nur SPD-Stadtrat Vincent Drews. "Die Corona-Pandemie verschärft die Probleme diesen Sommer, weil Clubs und Diskotheken geschlossen sind", ist er überzeugt. Die Polizei ist deshalb so häufig in der Neustadt im Einsatz, wie schon lange nicht mehr. 

Die Einsätze laufen unter dem Sammelbegriff "Kriminalitätsbekämpfung", schließlich gehört die Kreuzung zu vier der sogenannten "gefährlichen Orte" im Viertel. Das sind Orte, an denen aus Sicht der Polizei besonders häufig Straftaten abgesprochen oder begangen werden. Die weiteren Bereiche: die Alaunstraße vor der Scheune, der Alaunplatz und der Albertplatz.

60 Personen haben die Beamten am vergangenen Wochenende in der Neustadt kontrolliert. In den zwei Nächten zum Sonnabend und zum Sonntag waren die Beamten dafür im Einsatz. Gegen neun Verdächtige laufen jetzt Ermittlungen. Dazu gehört ein 16-Jähriger, der aus Marokko stammt und in der Nacht zum Sonntag auf der Alaunstraße mehrere Menschen mit einer zerschlagenen Flasche bedroht hat. Dazu gehört auch ein 26-jähriger Tunesier, der eine 17-jährige Angestellte und einen gleichaltrigen Gast vor einer Bar an der Alaunstraße geschlagen hat. Und dazu gehört ein 27-Jähriger, der einen gestohlenen Tabletcomputer bei sich hatte. Außerdem ermittelt die Polizei gegen Unbekannte, die in der Nacht zum Sonnabend auf dem Alaunplatz zwei 35 und 53 Jahre alte Männer verletzt und einer 16-Jährigen ihre Tasche gestohlen haben. Jeweils 37 Polizisten kontrollierten dafür in den zwei Nächten das Viertel.

Ja, die Zahl der Einsätze hat nicht nur gefühlt zugenommen, bestätigt die Dresdner Polizei. "Die Einsatzfrequenz wurde in den zurückliegenden Monaten tatsächlich erhöht", teilt Sprecher Marko Laske mit. Hintergrund seien nicht nur die Besucherzahlen bei Sommerwetter. "Gleichzeitig sind auch mehr Beschwerden von Anwohnern und Gewerbetreibenden an die Polizei herangetragen worden." Außerdem reagiere die Polizei mit mehr Kontrollen auch auf Hinweise, dass mit Drogen gehandelt werde.

In absoluten Zahlen liest sich das so: Im vergangenen Jahr steht im Juli und August eine solche Neustadt-Großkontrolle im Einsatztagebuch der Beamten. In diesem Jahr waren es bisher 18. Dabei wurden die Beamten der Polizeidirektion Dresden jeweils von der Bereitschaftspolizei mit Sitz auf der Stauffenbergallee unterstützt.

Aber ist der Aufwand dieser Einsätze im Vergleich zum Effekt nicht viel zu groß, wie manche kritisieren? Die Polizei sieht das anders. "Wir erhalten während und nach den Einsätzen überwiegend positive Rückmeldungen von Anwohnern, Besuchern und Gewerbetreibenden", sagt Laske. Sie seien "durchaus froh über die erhöhte Polizeipräsenz". Und das Verhältnis von Einsatzzeit und eingesetzten Beamten zu festgestellten Straftaten sei für die Dresdner Polizei kein Maßstab für den Sinn oder eine Bewertung der Einsätze. Entscheidend sei, Straftaten zu verhindern. Außerdem solle so das Sicherheitsgefühl der Menschen verbessert werden.

Die vier Plätze, Straßenabschnitte und die Kreuzung in der Neustadt sind nicht die einzigen Bereiche, die die Polizei in Dresden als gefährliche Orte einstuft. Dazu gehören aktuell auch noch der Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz und der Wiener Platz. Teile der Prager Straße nahe dem Rundkino, die Trompetergasse an der Centrum-Galerie und eine Freifläche an der Reitbahnstraße gehörten lange Zeit ebenfalls in diese Kategorie.

Die Polizei versucht, die Kreuzung in der Neustadt freizuhalten. Dazu sprechen die Beamten die Menschen an, die auf der Straße stehen.
Die Polizei versucht, die Kreuzung in der Neustadt freizuhalten. Dazu sprechen die Beamten die Menschen an, die auf der Straße stehen. © SZ/Christoph Springer

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Nun werden Lösungen für die Neustadt-Kreuzung gesucht. Sie zur alkoholfreien Zone zu machen, wie es Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) in einem SZ-Interview zum Thema gemacht hat, lehnen mehrere Stadtratsfraktionen ab. Zuletzt meldete sich dazu am Montag die SPD zu Wort. Das sei "die falsche Strategie", meinen die Sozialdemokraten. Es müssten vielmehr bestehende Gesetze durchgesetzt, mehr Alternativen zum Feiern gefunden und ein Dialog über "kreative Lösungsansätze" geführt werden.

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