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Die "Störer"

Immer wieder gibt es Ärger, weil Pegida sich von Lärm belästigt fühlt. Für diesen sorgt regelmäßig die Dresdner "Banda Comunale". Wer dahintersteckt.

Die Banda Comunale spielte auch diesen Montag wieder bei der Pegida-Gegendemo.
Die Banda Comunale spielte auch diesen Montag wieder bei der Pegida-Gegendemo. © Sven Ellger

Dresden. Sie sind eine Blaskapelle, Freizeitmusiker, die aber auch gut und gerne für bis zu 50 Auftritte pro Jahr deutschlandweit gebucht werden - vom Oktoberfest bis zur Hochzeit, sogar bei den offiziellen Feierlichkeiten zu 30 Jahren Mauerfall sind sie in Berlin aufgetreten.

Bei den Pegida-Organisatoren gelten sie als "Störer" und "Krachmacher". Es wird geschimpft und gepöbelt, wenn die "Banda Comunale" und die Trommel- und Samba-Combo "Rhythms of Resistance" bei den Gegendemonstrationen spielen. Mittlerweile misst die Polizei sogar, wie laut diese spielen.

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Die "Banda Comunale" ist die Band, die die Petition mit den bisher meisten Unterstützerunterschriften in Dresden initiiert hat. Die Mitglieder wollen, dass Pegida sich eine Weile nicht mehr auf dem Neu- oder Altmarkt versammeln darf. "Keine öffentlichen Plätze mehr in Dresden für rassistische, rechtsradikale und hassverbreitende Kundgebungen", lautet der Titel der Petition. 

Laute Pegida-Gegner, radikale Antifa? Wer steckt hinter der Band, die in Dresden derzeit für Wirbel sorgt? 

Michal Tomaszwski ist der Gründer und Sprecher der "Banda Comunale".  Er ist in Polen geboren worden, 1989 nach Deutschland gekommen und 1999 zum Studieren nach Dresden gegangen. Mittlerweile ist er 41 Jahre alt und Architekt. "Wir haben alle Berufe", erzählt er. Die Band ist Freizeit, die viel Zeit kostet. Denn die Blaskapelle ist gefragt, hat jedes Jahr mittlerweile rund 50 Auftritte - durch die Corona-Einschränkungen sind es in diesem Jahr deutlich weniger.

"Wir sind auch nicht die Antifa"

Gegründet hat sie Tomaszewski im Jahr 2001 mit anderen Blasmusikern, er selbst spielt Klarinette. Die Grundidee zur Gründung der Band war, auf Demos die Aggressionen rauszunehmen. "Wir wollen gute Laune verbreiten, zeigen: Wir sind die Guten, bei uns spielt die Musik", so Tomaszewski. Der Band sei es immer ein Anliegen gewesen, dass nicht nur die Antifa bei Demonstrationen gegen Rechte Platz hat, sondern "ganz normale Dresdner". "Wir wollen nicht hasserfüllte Stimmung unterstützen, sondern für gute Stimmung sorgen. Wir sind auch nicht die Antifa."

Für die Pegida-Gegendemos seien die Musiker "enorm wichtig", sagt Rita Kunert. Sie ist regelmäßige Anmelderin der Demonstrationen in Dresden. Die "Banda Comunale" und "Rhythms of Resistance" sorgen aus ihrer Sicht für positive Stimmung.

"Es kann auch mal ziemlich laut werden", so Kunert. "Aber darum geht es ja: deutlich zu zeigen, dass Pegida nicht unwidersprochen bleibt." Aber eben wegen der lauten Musik hat Kunert als Anmelderin Stress mit der Dresdner Versammlungsbehörde. "In den Bescheiden werde ich darauf hingewiesen, dass, wenn es so laut wird, dass die andere Versammlung - also Pegida - unmöglich wird, bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe drohen." So ist es im Versammlungsgesetz geregelt. "Aber ich würde das nie unterbinden. Dann soll Pegida doch die Versammlung abbrechen. Zumal die Auftritte der Banda Comunale zeigen, dass das bürgerliche Spektrum auch Interesse daran hat." 

Pegida-Versammlungsleiter Wolfgang Taufkirch hat bereits mehrfach angedroht, seine Versammlung abzubrechen, weil die Redner nicht zu hören seien. Bis auf lautstarke Beschwerden und der Androhung von Anzeigen gab es aber noch keine Konsequenzen. Pegida-Gängerin und AfD-Stadträtin Monika Marschner sagt: "Die stören schon, aber ich versuche, es zu überhören."

Banda-Klarinettist Tomaszewski erklärt. "Wir spielen Blasmusik ohne Verstärker." Ja, es könne auch mal lauter werden, aber das sei bei Blasmusik nun mal so. "Die Polizei kann gerne die Lautstärke messen. Aber sie sollte auch mal auf der anderen Seite genau hinhören."   

"Das Topfschlagen war unsere Idee"

Mittlerweile ist es für die "Banda Comunale" nicht mehr das Hauptansinnen, bei Demonstrationen zu spielen. "Wir kommen aber in wechselnder Besetzung, weil wir öffentlich gegen Rassismus vorgehen wollen. Ich finde es schwierig, zu sagen, Pegida hat alle zwei Wochen ein Recht darauf, rassistische Kundgebungen durchzuführen."

Der Schwerpunkt der Band liegt nun aber darauf, bundesweit und gelegentlich auch im Ausland aufzutreten. "Dabei geht es auch darum, ein anderes Licht auf die Stadt zu werfen", so Tomaszewski. Pegida schade dem Ansehen Dresdens. Dazu machen die Bandmitglieder Workshops, geben Musikunterricht und integrieren Geflüchtete - in der Band und auch in den Workshops. "Ich bin gut in Deutschland angekommen, aufgenommen worden und fühle mich als Deutscher. Davon will ich etwas zurückgeben", erklärt der gebürtige Pole. Die Band hat ein Stipendium der Bundeskulturstiftung erhalten. Mit dem Projekt solle der Zusammenhalt in Corona-Zeiten gestärkt werden. Geplant ist ein Album mit Künstlern, denen die Band in den vergangenen fünf Jahren begegnet ist. Mit dabei sind auch Musiker aus New York und Burkina Faso.   

Aber ja, es gehe ihnen auch um den Protest in Dresden. "Das Topfschlagen bei einer der vergangenen Pegida-Gegenveranstaltungen war unsere Idee. Wir haben aufgerufen, Kochtöpfe mitzubringen und die Leute animiert, darauf zu schlagen, um laut zu sein", so Tomaszewski. "Satire ist ein wichtiger Bestandteil des Protests."

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