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Die Angst fährt auf der Bautzner immer mit

Dresdner Radfahrer dürfen seit einigen Wochen nicht mehr den stadteinwärts führenden Fußweg der B 6 nutzen. Doch es gäbe eine Alternative durch den Wald.

Die Loschwitzer Stadtbezirksbeiräte Claudia Creutzburg (li.) und Ralf Weber setzten sich für einen Radweg in der Heide parallel zur Bautzner Straße ein. Der ist bereits vorhanden, müsste aber freigeschnitten und stärker befestigt werden.
Die Loschwitzer Stadtbezirksbeiräte Claudia Creutzburg (li.) und Ralf Weber setzten sich für einen Radweg in der Heide parallel zur Bautzner Straße ein. Der ist bereits vorhanden, müsste aber freigeschnitten und stärker befestigt werden. © Sven Ellger

Dresden. Auf dem Weg zur Arbeit oder zum Kindergarten kann sich Claudia Creutzburg keine langen Umwege mit dem Rad leisten. Die Zeit drängt. Also wählt die Loschwitzer Ortsbeirätin die kürzeste Strecke vom und zum Weißen Hirsch: die Bautzner Straße.  Doch dort darf sie seit einigen Wochen nicht mehr stadteinwärts auf dem Fuß- und Radweg fahren. Das Zusatzzeichen "Radverkehr frei" wurde vom Mordgrund bis zur Wilhelminenstraße abmontiert, da der Weg eine zu geringe Breite von 1,50 Metern hat. "Fußgänger haben hier keinen ausreichenden Schutz", argumentiert das Straßenbauamt. Ein Radweg sollte gemäß den Empfehlungen für die Anlage von Radverkehrsanlagen eine Breite von zwei Metern haben. Nur dann könnten sich Fußgänger und Radfahrer gefahrlos begegnen.

Für Claudia Creutzburg und alle anderen Radfahrer hat das zur Folge, dass sie mit dem Rad auf der Bautzner Straße fahren müssen, wo täglich rund 26.000 Fahrzeuge inklusive drei Prozent Schwerlastverkehr unterwegs sind. Nicht selten wird Claudia Creutzburg nur mit wenigen Zentimetern Abstand überholt, selbst dann, wenn Autos an Straßenbahnen vorbeifahren. "Die Angst fährt auf der Bautzner immer mit", sagt die Stadtbezirksbeirätin der Grünen. 

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Doch die Grünen im Loschwitzer Stadtbezirksbeirat haben eine Alternative gefunden, auf der Radfahrer sicherer unterwegs sein könnten. Es gibt einen Waldweg, der nur wenige Meter parallel zur Bautzner Straße verläuft. Er beginnt wenige Meter unterhalb der Haltestelle Mordgrundbrücke, wo Radfahrer über den Moritzburger Weg auf ihn gelangen, und führt bis fast zur Haltestelle Wilhelminenstraße. Derzeit ist der Weg allerdings in bestimmten Abschnitten zugewachsen und weist stellenweise große Ausspülungen auf.   

Pläne für die Mordgrundbrücke

Die Grünen sehen allerdings keinen Aufwand, um den Weg für den Radverkehr zu ertüchtigen. So müsste der Wildwuchs beseitigt und der Weg auf einer Breite von zwei Metern freigeschnitten werden. "Der Platz ist in jedem Fall da. Der Weg diente früher als Fuhrweg sogar dazu, Kanonen auf den Weißen Hirsch zu transportieren", sagt Ralf Weber, der ebenfalls für die Grünen im Loschwitzer Stadtbezirksbeirat sitzt.

Zudem müssten an den Zufahrten Hinweisschilder für die Benutzung als Radweg angebracht werden. Die kaputten Abschnitte könnten mit Split ausgebessert und befestigt werden. Durch gereinigte Wegekanten soll das Oberflächenwasser besser abfließen können.

In einem weiteren Abschnitt soll die Situation an der Mordgrundbrücke verbessert werden. Dort könnte auf Vorschlag der Grünen entweder ein Fußgängerüberweg unterhalb der Haltestelle entstehen, damit Radfahrer vom Waldweg  die Straße überqueren können. Oder man verbreitert den bestehenden Fußweg bis zur Ampel am Mordgrund, damit Radfahrer dort in Richtung Weißer Hirsch weiterfahren können. 

Ralf Weber zeigt mit einer 1,50 Meter breiten Poolnudel, dass weitgehend genügend Platz auf dem Waldweg ist.
Ralf Weber zeigt mit einer 1,50 Meter breiten Poolnudel, dass weitgehend genügend Platz auf dem Waldweg ist. © Sven Ellger

Wichtige Teilstrecken Richtung Innenstadt fehlen

"Unserer Meinung nach ist hier keine große Baumaßnahme nötig, denn der Weg soll nicht ausgebaut, sondern nur ausgebessert werden", sagt Weber. Für das Amt für Stadtgrün stellt sich die Sache aber nicht so einfach dar. "Nach sächsischem Waldgesetz ist das Fahrradfahren auf Waldwegen breiter zwei Meter gestattet. Für einen Ausbau wäre eine naturschutzfachliche Prüfung nötig, da der Weg im Landschaftsschutzgebiet liegt", heißt es aus dem Amt. 

Doch die nächsten Ausführungen stimmen hoffnungsvoll: "Sollten diese Untersuchungen die Umsetzbarkeit ergeben, ist die Ertüchtigung des Weges für Radfahrende fachlich denkbar. Erforderlich wären schätzungsweise 200 Meter Neubau im oberen Teil des Weges, etwa 1.200 Meter Instandsetzung bis zur Wilhelminenstraße und rund 15 Entwässerungsmulden einschließlich Instandsetzung der Straßenentwässerung B6", schreibt das Amt auf SZ-Anfrage. Weiter heißt es: "Dafür müsste jedoch die Finanzierung geplant werden. Im Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft sind dafür keine Mittel vorhanden."

Davon wollen sich die Mitglieder des Stadtbezirksbeirates aber nicht abschrecken lassen. "Wir reichen dort unseren Antrag ein und bitten darin, dass der Oberbürgermeister unseren Vorschlag prüfen lässt", sagt Claudia Creutzburg. "Viele denken, dass die Loschwitzer gut durch den Elberadweg angebunden sind. Aber den Einwohnern von Bühlau und dem Weißen Hirsch fehlen wichtige Teilstrecken, um sicher in die Innenstadt zu gelangen."

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Einen anderen Vorschlag hat der Loschwitzer Andreas Reuther. Oft fährt der 72-Jährige mit seinem Fahrrad an der Bautzner Straße an den Schlössern vorbei in Richtung Zentrum. Der Fußweg stadteinwärts wird ganz selten von Fußgängern genutzt. Diese könnten doch auf den Waldweg ausweichen. Sie hätten zudem auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen zur Verfügung. Deshalb könnte der nördliche zum Radweg werden. Doch dafür sieht Claudia Creutzburg zu viele Konflikte, die zwischen Fußgängern und Radfahrern entstehen könnten. Denn Fußgänger würden an vielen Stellen auch aus dem Wald auf den Fußweg treten, um die Bautzner Straße zu überqueren. "Das ist zu gefährlich", sagt sie. 

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