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Haftbefehl gegen Raser nach tödlichem Unfall in Dresden

Nach dem Unfall, bei dem ein sechsjähriger Junge ums Leben gekommen ist, wurde Haftbefehl gegen den Fahrer erlassen. Der Verdacht: Es war ein illegales Autorennen.

An dieser Haltestelle starb am Wochenende ein sechsjähriger Junge, als er die Straße überqueren wollte. Passanten sprachen direkt danach von einer stark überhöhten Geschwindigkeit zweier Autos.
An dieser Haltestelle starb am Wochenende ein sechsjähriger Junge, als er die Straße überqueren wollte. Passanten sprachen direkt danach von einer stark überhöhten Geschwindigkeit zweier Autos. © René Meinig

Dresden. Nach dem Tod eines Sechsjährigen infolge eines mutmaßlichen illegalen Autorennens in Dresden ist gegen einen Verdächtigen am Montag Haftbefehl erlassen worden. Beamte hatten den Mercedes-Fahrer am Sonntagnachmittag in seiner Wohnung in Löbtau festgenommen. Am Montagnachmittag wurde er einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der ihn ins Gefängnis schickte. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung und Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen. Auch gegen den BMW-Fahrer wird wegen des verbotenen Rennens ermittelt. Er ist auf freiem Fuß.

Unterdessen sind bei der Polizei mehrere Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. "Alle werden aufgenommen und geprüft", sagte ein Polizeisprecher am Montag, ohne Details zu Zahlen und Inhalt zu nennen. Bereits am Wochenende hatten sich Passanten gemeldet, die von einer stark überhöhten Geschwindigkeit der Fahrzeuge sprachen. Ein Gutachter soll außerdem den Unfallhergang ermitteln. Das werde Zeit in Anspruch nehmen, so die Polizei weiter.

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Der Junge war am Samstagabend auf der Budapester Straße von einem schwarzen Mercedes angefahren worden, als er mehrere Fahrspuren überqueren wollte. Durch den Aufprall wurde er auf den Fußweg und in die Scheibe des Haltestellenhäuschens geschleudert. Er starb wenig später im Krankenhaus. Beschuldigt werden zwei Autofahrer, ein 31-jährige Mercedes-Fahrer, und ein 23 Jahre alter BMW-Fahrer, der sich auf der Nebenfahrbahn befunden haben soll. Beide stammen wie auch das getötete Kind aus Syrien. Die Fahrer sollen laut Polizeiangaben miteinander bekannt gewesen sein. Ein Verbindung zu dem getöteten Kind habe aber nicht bestanden.

Autorennen waren bislang kein Thema für Dresdner Polizei

Die sächsische Polizei hat im vergangenen Jahr 92 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit illegalen Autorennen geführt. Im Jahr davor seien es 21 gewesen, teilte das Innenministerium am Montag auf Anfrage mit. Trotz dieser Zahlen seien Autorennen auf öffentlichen Straßen für die Polizei in Dresden bisher noch nie ein Thema gewesen. Eine entsprechende Szene sei den Beamten in der Stadt nicht gegenwärtig, sagt Polizeisprecher Marko Laske. 

Das heißt: Solche illegalen Wettkämpfe gab es in Dresden bisher noch nicht, jedenfalls sind der Polizei noch nie welche aufgefallen oder gemeldet worden. Schon gar nicht Rennen mit solchen fatalen Folgen. Raserei und illegale Straßenrennen gelten seit 2017 in Deutschland als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Nach dem Strafgesetzbuch wird das mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet.

Auch Straßen, auf denen solche Rennen gefahren werden könnten oder auf denen besonders gerast wird, sind bei der Dresdner Polizei kein Thema. In der Stadt gebe es lediglich eine "Tuningszene", also Autofans, die ihre Fahrzeuge individuell umbauen, wobei es auch auf Motorleistung ankommt. Und die werde von den Beamten auch "im Auge behalten". Allerdings haben diese Fahrzeugliebhaber nichts mit solchen Rennen zu tun. Die Polizeidirektion sehe eine grundlegende Trennung zwischen einer "Tuningszene" und einer "Autorennszene", sagt Laske.

Besonderes Fahrzeug soll zum Einsatz kommen

Die Beamten denken nun über eine ungewöhnliche Reaktion nach. Sie überlegen, in der Stadt ein sogenanntes Provida-Fahrzeug einzusetzen. Das ist ein speziell ausgerüsteter Pkw der Polizei, der nicht in den typischen Farben der Beamten lackiert ist, damit er nicht als eines ihrer Autos erkannt wird. Solche Pkws haben zumeist einen leistungsstarken Motor, weil sie in der Regel auf der Autobahn Raser verfolgen. Die Temposünder werden dabei gefilmt, zugleich können Abstände zu anderen Autos gemessen werden. "Bisher war dieses Fahrzeug ausschließlich auf der Autobahn unterwegs", sagt Laske. Außerdem sollen die Beamten, die täglich Streife fahren, mehr auf den Autoverkehr achten, um Raser herauszufiltern.

Der Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes listet für die vergangenen vier Jahre insgesamt 48 Verkehrsunfälle mit Personenschaden auf der Budapester Straße auf. Bei vier Unfällen waren Fußgänger beteiligt, einmal in Höhe Schweizer Straße, zweimal im Bereich der Arbeitsagentur und einmal in der Nähe der Kreuzung Nürnberger Straße. In allen Fällen seien die Fußgänger leicht verletzt worden, heißt es. Die Daten basieren auf den Meldungen der Polizei. Zu Blitzereinsätzen auf der Budapester Straße konnte die Polizei am Montag nichts sagen. Die Zeit reichte nicht, um sie schnell aus den Einsatzberichten herauszufiltern. Außerdem sei das zusätzlich Aufgabe der Stadt, erklärte Laske und verwies damit auf das Rathaus.

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Noch unklar ist, ob die Fußgänger-Ampel in Höhe der Haltestelle Schweizer Straße am Samstagabend überhaupt angeschaltet war. Eine Antwort des zuständigen Straßen- und Tiefbauamtes dazu steht noch aus. (mit dpa)

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