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Dresdner Reise-Frust in Corona-Zeiten

Das Hotel hat wieder geöffnet, doch plötzlich gibt es keinen Flug mehr. Mit diesem Problem steht eine Dresdnerin nicht allein da. Welche Rechte sie hat.

Ibiza adé: Eine Dresdner Familie muss ihren Spanienurlaub verschieben - das zweite Mal. Und das, obwohl die Hotels auf der Ferieninsel wieder Gäste empfangen.
Ibiza adé: Eine Dresdner Familie muss ihren Spanienurlaub verschieben - das zweite Mal. Und das, obwohl die Hotels auf der Ferieninsel wieder Gäste empfangen. © dpa/Jens Büttner

Dresden. Im zweiten Anlauf sollte es klappen: zwei Wochen Sommerferien auf Ibiza. Doch Carola Öhse* hat wieder Pech. Musste der Urlaub im vergangenen Jahr wegen der Germania-Pleite abgesagt werden, kam diesmal die Corona-Krise dazwischen. Dabei empfängt das Hotel auf der Balearen-Insel längst wieder Urlauber aus Deutschland.

"Eigentlich wollte ich mich im Reisebüro nur kurz informieren, welche Corona-Regeln auf Ibiza gelten", erzählt Öhse. Als sie anrief, checkte ihr Berater, ob mit der für August geplanten Reise alles klargeht. "Da kam heraus, dass der Flug nicht stattfinden wird." Die Dresdnerin, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter verreisen wollte, hatte zwar einen Direktflug nach Ibiza gebucht, allerdings mit Umstieg in Stuttgart. Eurowings wird zwar von Stuttgart nach Ibiza fliegen, nicht aber von Dresden nach Stuttgart. Sechseinhalb Stunden mit dem Zug oder eine lange Autofahrt nach Baden-Württemberg, so hatte sich die Familie den Urlaubsbeginn nicht vorgestellt. "Wir haben storniert."

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Urlauber stehen vor verschlossenen Hotel-Türen

Tatsächlich stehen die Öhses mit ihrem Problem nicht allein da. Nicht nur sie müssen sich von ihren Ferienplänen verabschieden, obwohl man im Urlaubsland auf Touristen wartet. "Wir haben wirklich ein Problem, stabile Flugpläne zu finden", sagt Rainer Maertens. Er betreibt ihn Prohlis ein Reisebüro, gehört dem Verein Dresdner Reisebüros an und spricht von einer teils unkalkulierbaren Situation, insbesondere was Flüge mit der Lufthansa-Gruppe angeht, zu der auch Eurowings gehört. "Ich habe eine Gruppe, die im Oktober nach Montenegro reisen wollte", erzählt Maertens. Auf dem Luftweg sei das kleine Balkan-Land plötzlich aber nicht mehr von Deutschland aus erreichbar, selbst per Umsteigen nicht. Teilweise würde es passieren, dass Passagiere erst drei Tage vor dem geplanten Abflug von der Flugstreichung erfahren.

Ob und wann der Dresdner Sommerflugplan wieder voll erfüllt wird, ist unklar. Eurowings hat angekündigt, Stuttgart irgendwann im August wieder ins Programm nehmen zu wollen. Zu Köln/Bonn hat sich die Airline noch nicht geäußert. Laut Buchungsmaske könnte es im September soweit sein.

Aber nicht nur das beschäftigt die Dresdner Reisebüros derzeit. Die Hauptarbeit liege aktuell darin zu erfahren, ob die Hotels in den Urlaubsländern tatsächlich geöffnet haben. "Wir hatten schon Reisende, die vor verschlossenen Türen standen, obwohl der Flug ging", so Maertens. Normalerweise sei es Aufgabe der großen Reiseveranstalter, mit den Hotels vor Ort in Kontakt zu treten und die Unterkünfte gegebenenfalls aus dem automatischen Buchungssystem zu entfernen, so der Reisebüro-Inhaber. Auf diesem Weg würden Reisende normalerweise erfahren, dass ihr Urlaub nicht stattfinden kann. Andere hätten erst gar nicht die Möglichkeit, das Reisepaket mit eben jenen geschlossenen Hotels zu buchen. 

Doch auch bei den Veranstaltern würden sich Mitarbeiter in Kurzarbeit befinden, so Maertens. Dadurch prüfe in den Urlaubsländern kaum jemand, ob bereits gebuchte Reisen überhaupt möglich sind. So sei es auch mit Flügen. "Zurzeit werden auch noch Türkei-Reisen ab Dresden angeboten, obwohl ab Dresden gar keine Flieger in die Türkei starten." Reisebüros hätten nun deutschlandweit eine Gruppe gegründet, wo sie sich austauschen, welche Hotels Gäste beherbergen.

Bekomme ich den vollen Reisepreis zurück?

Welche Rechte haben Reisende wie die Familie Öhse? Können sie kostenfrei stornieren? Bucht man eine Pauschalreise mit einem Flug ab Dresden und wird der Abflugort verlegt, so hätten Kunden das Recht, zu stornieren und den vollen Reisepreis zurückzuerhalten, sagt Rechtsexperte Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Dasselbe gelte, wenn das Hotel wider Erwarten geschlossen habe und man sich vor Ort selbst um eine Unterkunft oder eine Rückreise bemühen muss. Im Fall von Carola Öhse geht es um rund 3.300 Euro. Zwar warte sie noch auf ihr Geld. Das Reisebüro habe die Stornierung jedoch angenommen. Das Geld für den bereits gebuchten Parkplatz am Flughafen bekommt die Familie nicht zurück. Dafür hat sie einen Gutschein erhalten, der drei Jahre gültig ist.

Während der weltweiten Reisewarnungen und Einreiseverbote musste Maertens schon genug Stornierungen bearbeiten. Dennoch wolle er sich nicht beklagen, sagt er. "Ich hatte mit einer längeren Phase gerechnet, in der die Leute nicht verreisen. Doch nun wird wieder für die zweite Jahreshälfte und für das kommende Jahr gebucht." Die Leute wollten einfach wieder weg und die Welt sehen. Kostendeckend sei das aber alles noch nicht. Den Sommer müsse man abschreiben. Die Umsatzeinbußen in seinem eigenen Unternehmen beziffert er seit März auf mehr als 90 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. 

Griechenland ist sehr gefragt

Maertens zufolge ist ein Schwerpunkt der aktuellen Buchungen Griechenland. Italien und Spanien - anfangs Länder mit hohen Corona-Infektionsraten - seien noch nicht sehr nachgefragt. Manche fragten auch, wann sie wieder Ziele in Übersee ansteuern können. "Ich persönlich glaube aber nicht, dass man in diesem Jahr noch in Südafrika oder Amerika Urlaub machen kann. Dafür sind die Infektionszahlen zu ungewiss." Maertens hatte während der Zwangspause der Reisebranche Demonstrationen in Sachsen mitorganisiert und auch im Bundestag Politiker über das Ausmaß der Krise unterrichtet. 

Carola Öhse und ihre Familie haben inzwischen andere Reisepläne geschmiedet. Eine Woche fahren die Dresdner nach Österreich. Dort haben sie sich eine Ferienwohnung gemietet. Die zweite Woche geht es an die Ostsee. Auch dort war noch eine Ferienwohnung frei. Und was ist mit Ibiza? "Alle guten Dinge sind drei", sagt sie. Nächstes Jahr soll die Insel ein drittes Mal in Angriff genommen werden. Den Parkplatz haben die Öhses schon einmal. (mit dpa)

*Name von der Redaktion geändert

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