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Dresden: Lob für neues Altstadt-Quartier

Die Gestaltungskommission gibt für die zwei Neubauten an der Dresdner Ringstraße ihr Einverständnis. Wie es dort nun weitergeht.

Das neue Quartier entsteht in direkter Nachbarschaft zum Neuen Rathaus.
Das neue Quartier entsteht in direkter Nachbarschaft zum Neuen Rathaus. © O+M Architekten/ Koncz/ KLM

Dresden. Das Dresdner Rathaus auf der einen Seite, das barocke Gewandhaus auf der anderen: Einen Neubau zu errichten, der sich optisch in diese Nachbarschaft einfügt, darf als anspruchsvoll bezeichnet werden. Die Investoren an der Ringstraße wissen das. Sie wurden von der Gestaltungskommission gewarnt – vor moderner, anonymer, kleinstädtischer Architektur. Wer das Gremium kennt, dem Architekten und Stadträte angehören, weiß: Das war eine klare Aufforderung, die Pläne zu überarbeiten. Das ist nun passiert.

Was genau ist am Pirnaischen Platz geplant?

Auf der noch freien Fläche vorm Gewandhaus soll ein Quartier mit zwei zusammenhängenden, sechsgeschossigen Gebäuden gebaut werden. Das erste, zum Pirnaischen Platz hin, nimmt etwas mehr als die Hälfte des 2.000 Quadratmeter großen Grundstücks ein. Darin entsteht ein Hotel mit rund 200 Betten. Im zweiten Gebäude, zum Rathaus hin, sind gut 30 Wohnungen sowie Büros und Gaststätten vorgesehen. Unter dem Quartier ist eine gemeinsame Tiefgarage geplant.

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Warum äußerte die Gestaltungskommission Kritik?

Erste Entwürfe hätten durchaus großstädtischer gewirkt, so das Gremium. Gemeint war insbesondere das zum Rathaus gerichtete Gebäude. Zunächst sollten das Erd- und das darüberliegende Zwischengeschoss optisch eine große Einheit bilden. Doch mit der Überarbeitung der Pläne sei dieser Charakter verloren gegangen, sagte Kommissionschef Jürg Sulzer im Mai. Für seinen Geschmack war die Fassade noch zu wenig differenziert. Auch das sechste Geschoss, das es in früheren Entwürfen nicht gab, sagte ihm weniger zu. Noch nicht im Klaren war sich der Städtebauprofessor, ob an dieser Stelle zwingend Wohnungen entstehen müssen.

Zunächst planten die Architekten mit einem optisch flacheren Erdgeschoss.
Zunächst planten die Architekten mit einem optisch flacheren Erdgeschoss. © Entwurf O+M Architekten, KLM / Bild Z. Koncz
Nach Kritik der Gestaltungskommission wirkt das Erdgeschoss den überarbeiteten Entwürfen nach jetzt "großstädtischer".
Nach Kritik der Gestaltungskommission wirkt das Erdgeschoss den überarbeiteten Entwürfen nach jetzt "großstädtischer". © O+M Architekten/ Koncz/ KLM

Was haben die Architekten daraufhin geändert?

Die Erdgeschoss-Zone wurde optisch nach oben gezogen und überragt im Vergleich mit den darüberliegenden Etagen nun deutlich. Dafür haben die Architekten ein reguläres Geschoss oberhalb weggenommen, sodass auch ein Teil der von Sulzer kritisierten Fassaden-Monotonie verlorengegangen ist. An der Höhe des Gebäudes hat sich nichts geändert. An den Wohnungsplänen wird festgehalten.

Was sagt die Kommission zu den Änderungen?

„Die Überarbeitung wird ausdrücklich gelobt“, lässt die Gestaltungskommission wissen. Die Kritik sei kreativ und konstruktiv aufgegriffen worden. „Das überarbeitete Konzept zeigt, dass die beiden Neubauten in ihrer stadträumlichen Umgebung mit dem Rathaus, dem Gewandhaus-Hotel und der Wohnbebauung im Norden ein überzeugendes gestalterisches Ensemble bilden.“ 

Ganz ohne mahnende Worte will die Kommission die Architekten aber nicht gehen lassen. „Wünschenswert ist, dass die Verkleidung der Dachgauben so gewählt wird, dass sie etwas mehr gestalterische Wärme ausstrahlen.“ Außerdem wünscht sich das Gremium eine ausgeprägtere Trennung zwischen beiden Quartiergebäuden. So könnte der Höhenunterschied beider Dachkanten deutlicher sein, so ein weiterer Vorschlag an die Planer.

Und wie geht es jetzt weiter?

Zunächst einmal müssen die Projektentwickler die Fläche besitzen. Ein großer Teil gehört der Stadt. Die will ihren Anteil für insgesamt rund 4,5 Millionen Euro verkaufen. Entscheiden muss das aber noch der Stadtrat, möglicherweise im Herbst. Ob dieselbe Hotelkette einziehen will wie vor vier Jahren, ist unklar. Damals war die Marke Hampton by Hilton im Gespräch, die – wie der Name schon sagt – zum Hilton-Konzern gehört. Die Projektgesellschaft, die das Hotel bauen will, wirbt auf ihrer Internetseite immer noch mit dieser Marke. Als Fertigstellungstermin wird dort das erste Quartal 2022 genannt. Die Stadtverwaltung ging zuletzt aber nicht davon aus, dass der Bau noch in diesem Jahr starten kann.

Ist das der letzte Baustein auf dieser Seite des Pirnaischen Platzes?

Nein. Das 100 Meter lange Stück der Ringstraße bis zur Wilsdruffer Straße soll zur begrünten Promenade ausgebaut werden. Zusätzliche Bäume und eine breitere Haltestelle sind geplant. Kosten: rund 1,5 Millionen Euro. Derzeit finden die Vorplanungen statt. Der Bau sei frühestens ab Herbst 2021 möglich, teilte die Stadt im April mit. Das war allerdings vor der Haushaltssperre infolge der Corona-Krise. 

© SZ/Grafik: Sylvia Tietze

Der Grünzug wird Teil des Altstädter Promenadenrings, der sich in Zukunft unter anderem am Rathaus vorbei zum Dippoldiswalder Platz und weiter zum Postplatz ziehen soll.

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