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Dresden: So meiden Sie volle Züge

Die Bahn veröffentlicht ab sofort neue Zahlen. Das soll dazu führen, dass es keine übervollen S-Bahnen mehr gibt. Gerade in Coronazeiten ist das wichtig. So geht's.

Die Bahn macht einen Vorschlag zur besseren Auslastung der S-Bahn-Züge in Dresden.
Die Bahn macht einen Vorschlag zur besseren Auslastung der S-Bahn-Züge in Dresden. © Sven Ellger

Dresden. Gezählt wird schon lange in der S-Bahn, in jedem Wagen, an jeder Tür und jeder Fahrgast. Sensoren registrieren, wie viele Menschen ein- und aussteigen, und melden ihre Ergebnisse an die Verantwortlichen der Bahn. Bisher diente dies vor allem der Zugplanung bei der Bahn und bei der Abrechnung der Fahrscheineinnahmen. Denn die Fahrscheine gelten für alle Fahrzeuge im Bediengebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) und was ein Anbieter davon bekommt, hängt auch von der Zahl der Fahrgäste ab.

Doch das ändert sich jetzt. Künftig können auch die Fahrgäste auf die Zählergebnisse zugreifen. Zeitversetzt zwar, aber die Meldungen werden regelmäßig erneuert. 

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Stephan Naue, unter anderem Leiter der S-Bahn Dresden, will damit nicht nur die Fahrgäste informieren. Er verspricht sich von der Zahlenweitergabe einen Effekt. So könnten die Menschen entscheiden, mit welchem Zug sie fahren und sich künftig vielleicht besser auf die S-Bahnen verteilen, hofft Naue. Denn die Züge fahren zum Beispiel zwischen Pirna und Klotzsche in der Regel im 15-Minuten-Takt. Anders etwa als beim Regionalexpress nach Leipzig, der ein Mal pro Stunde unterwegs ist, sei es in der S-Bahn möglich, einen anderen Zug für den Weg zur Arbeit oder nach Hause zu wählen, meint Naue. In Abhängigkeit davon, wann genügend Platz ist. Das sollen die Kunden künftig mittels der Zahlenweitergabe erfahren.

So voll, dass sich die Verantwortlichen Sorgen machen müssen, sind die Dresdner S-Bahnen laut Naue bisher noch nicht. Es gebe keinen Zug, der regelmäßig voll ausgelastet sei, sagt der S-Bahn-Chef. Dass Fahrgäste abschnittsweise stehen müssten, sei dagegen vor Corona schon vorgekommen. In der S1 zwischen Reick und der Neustadt könne das passieren. Nicht in den langen Zügen, die den sogenannten Grundtakt bedienen, aber in den kurzen, die zwischen Meißen und Pirna fahren und die nur zwei Hänger haben, sei das im Berufsverkehr zwischen 7 und 8 Uhr möglich.

Voll kann auch heißen, dass die Fahrgäste nur das Gefühl haben, es sei kaum noch Platz. Das kann der Fall sein, wenn viele Fahrräder in den Wagen stehen. Sie blockieren dann Sitzplätze, voll ist die S-Bahn aber vielleicht noch nicht. Die Menge der Fahrräder wird von den Zählsensoren jedoch nicht erfasst.

Zahlen im Internet und in Apps abrufbar

Die Infos zur Auslastung der Züge werden alle zwei Wochen aktualisiert. Basis sind dabei die Zahlen, die die Zählsensoren in den davor liegenden 14 Tagen erfasst haben. Fahrgäste finden diese neuen Informationen in der Verbindungsanzeige auf der Internetseite der Bahn und in zwei Apps der Bahn. Sie heißen DB Navigator und Streckenagent und können kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Auch auf der Internetseite der S-Bahn Dresden sind die erwarteten Auslastungen zu finden, dort als Diagramme, die sie über den gesamten Tag verteilt zeigen. In den entsprechenden Bahnhöfen werden Plakate mit diesen Diagrammen aufgehängt, kündigt Naue an. Die Bahn-Verantwortlichen unterscheiden zwischen drei Auslastungsstufen, die höchste ist die Stufe 3, "Hohe Auslastung".

Parallel zum Start der Zahlenweitergabe befragt die Bahn Fahrgäste nach ihren Erfahrungen mit diesen Infos. Dabei interessiert die Verantwortlichen, ob sich das Reiseverhalten der Fahrgäste verändert und der neue Service dazu beiträgt. Ist das Ergebnis positiv, könnte es solche Infos künftig auch für andere Strecken geben, etwa für den Saxonia-Express zwischen Dresden und Leipzig, in dem es laut Naue aber nur dann eng wird, wenn zum Beispiel ein Zug liegengeblieben ist und sich zusätzliche Fahrgäste in einem Regelzug drängen.

Mit den drei Dresdner S-Bahnen fahren pro Tag etwa 45.000 Menschen. Zum Vergleich: Stärkstes Unternehmen im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), zu dem auch die S-Bahnen gehören, sind die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Die Busse und Bahnen in Dresden werden pro Werktag von über 600.000 Menschen genutzt. Etwa 260 Züge fahren pro Tag auf den drei Linien. Seit Pfingsten läuft der S-Bahn-Betrieb wieder zu 100 Prozent. Allerdings ist die Zahl der Fahrgäste noch nicht so, wie vor dem Corona-Lockdown. Sie liegt im Vergleich zu dieser Zeit im Moment bei etwa 80 Prozent, sagt Stephan Naue.

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