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Kinder ermordet: Höchststrafe für Vater

Ein 56-Jähriger muss lebenslang hinter Gitter, weil er seine beiden kleinen Kinder umgebracht hat. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal gebracht.
Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal gebracht. © Matthias Rietschel

Nicht alle bekommen einen Platz im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Dresden. Wegen der Corona-Krise ist ein Großteil der Stühle gesperrt. An diesem Dienstagmittag endet der Prozess gegen Laurent Foinard, einen Franzosen, der seit Anfang der 90er-Jahre in Dresden lebt.

Vor einem Jahr hat er seine beiden Kinder getötet. Kurz nach 12 Uhr verkündet der Vorsitzende Richter Herbert Pröls das höchstmögliche Strafmaß: eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen zweifachen Mordes.

Außerdem stellt das Schwurgericht die besondere Schwere der Schuld des 56-Jährigen fest, was seine vorzeitige Entlassung aus der Haft verhindern wird.

Gezielt ins Haus gelockt

Nach dem fast viermonatigen Prozess, der Vernehmung von 40 Zeugen und vier Sachverständigen ist das Gericht überzeugt, dass der Angeklagte am 9. Mai 2019 erst seine zweijährige Tochter und dann seinen fünfjährigen Sohn erwürgt hat. „Es war keine spontane Tat“, sagt Pröls. Foinard habe sich dafür rächen wollen, dass sich seine Frau von ihm getrennt habe. Der Tod der Kinder sei die maximale Schädigung.

Zugespitzt hatte sich die Situation, weil Foinard mit seiner Verhaftung gerechnet habe. Er war im Januar 2019 mit einem Kilo Crystal erwischt worden, dass er aus Polen geschmuggelt hatte. Nur zwei Tage vor den Morden war ein guter Freund Foinards verhaftet worden - der mutmaßliche Hintermann der Drogenlieferungen, wegen denen inzwischen gegen den Franzosen ermittelt wurde. Er hatte damals mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Haft wegen bewaffneten Drogenhandels rechnen müssen. "Er wusste, dass er seine Kinder für eine längere Zeit nicht sehen würde", sagt Pröls.

Darüber hinaus habe der Angeklagte auch versucht, die 27-jährige aus dem Senegal zu ermorden, nachdem er sie mit dem Tod der Kinder konfrontierte. Den ganzen Tag über habe er sie daher in sein Haus in der Stetzscher Straße in der Dresdner Neustadt gelockt, eine Falle gestellt. Als sie ein Kuscheltier vorbeibrachte, fragte Foinard, ob sie ihren Kindern noch einen Kuss geben wolle. Dann habe er ihr von hinten einen Stein auf den Kopf geschlagen, so Pröls. Doch die Sache ging schief, die Frau wurde nicht erheblich verletzt, ihre Perücke hatte die Wucht des Schlags abgemildert.

Es kam zu einem Kampf. Foinard habe die Frau mehr als 30 Sekunden gewürgt. Erst hinzukommende Passanten vereitelten den Plan des Angeklagten, seiner Frau die toten Kinder zu zeigen, die er auf dem Bett aufgebahrt hatte, und auch sie zu ermorden. Um sicherzugehen, dass die Kinder nicht überleben, hatte er ihnen Bauschaum in den Mund gesprüht.

Laurent Foinard mit seinem Verteidiger Andreas Boine.
Laurent Foinard mit seinem Verteidiger Andreas Boine. © © by Matthias Rietschel

Hintergrund der Tat ist ein Trennungskonflikt und der Streit um die Kinder. Die 27-Jährige hatte ihn Anfang 2018 mit den Kindern verlassen – wegen seines dominanten Verhaltens und wiederholter gewalttätiger Übergriffe. Sie war in ein Frauenhaus geflüchtet und hat dann eine Wohnung bezogen. Foinard hatte sie verfolgt und etwa versucht, ihren Umzug zu vereiteln, indem er ihre Helfer bedrohte.

Pröls geht länger auf das Verhalten Foinards in dem Prozess ein, dass seine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung, die auch von mehreren psychiatrichen Gutachtern attestiert wurde, unterstrichen habe. Drei Tage hatte sich der 56-Jährige zu den Vorwürfen eingelassen - um dabei wieder und wieder seine Frau für den Tod der Kinder verantwortlich zu machen.

Laut Pröls gibt es eine Blaupause für diese grauenvolle Tat. Im Juli 2018 hatte ein Krankenpflegehelfer seine beiden Töchter in Dresden getötet. Auch er, der 55-jährige Mosambikaner Eduardo A., hatte seine Kinder (3, 6) in seinem Bett unter einer Decke aufgebahrt, auch er hatte am Tattag Umgang mit den Töchtern und er hatte seine Frau bestrafen wollen, sagt Pröls. 

Laurent Foinard habe Ende März 2019 den Prozess gegen A., der ebenfalls von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Dresden wegen Mordes verurteilt wurde, besucht und sich mit dem Fall beschäftigt. Er habe sogar die Mutter der getöteten Mädchen im Krankenhaus besucht, so Pröls. Hinzu komme: Foinards Sohn war mit A.s ältester Tochter befreundet; die Kinder hatten sich im Frauenhaus kennengelernt.

Mutter bricht zusammen

Das Schwurgericht verurteilt Foinard neben dem Mord an den Geschwistern auch wegen versuchten Mordes an seiner Frau und stellt zwei Mordmerkmale fest: Heimtücke und niedere Beweggründe. Während der Staatsanwalt ebenfalls auf Mord plädiert hatte, geht Verteidiger Andreas Boine von einem Totschlag aus und begründete das mit der psychischen Ausnahmesituation seines Mandanten. Boine behält sich nun vor, das Urteil anzufechten.

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Die Mutter der getöteten Kinder ist auch unter den Zuschauern im Saal. Sie ist Nebenklägerin und wird von Freunden und Therapeuten begleitet. Die Teilnahme sei für sie wichtig, um das Trauma verarbeiten zu können. Nach der einstündigen Urteilsbegründung bricht die Frau noch im Foyer des Landgerichts zusammen. Sie hat noch einen langen Weg vor sich.

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