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Landtag soll aufs Packhofgelände ziehen

Nach der neuen SPD-Zentrale soll jetzt ein weiterer Neubau folgen. Was dort geplant ist.

Auf der Grünfläche an der Kleinen Packhofstraße soll das Behördenzentrum entstehen.
Auf der Grünfläche an der Kleinen Packhofstraße soll das Behördenzentrum entstehen. © Marion Doering

Dresden. Dicht bebaut war das Packhofviertel bis zur Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945. Später wurde dort das Druckhaus mit Produktionshallen, Lagergebäuden und Kraftwagenhallen errichtet, die jedoch 2004 und 2005 abgebrochen wurden. So blieb hinter dem Gebäudekomplex der DDV-Mediengruppe eine Brachfläche. Knapp die Hälfte davon hat ein Münchner Privatinvestor gekauft. Zuerst wurde dort die SPD-Zentrale gebaut. Jetzt soll ein großer Verwaltungskomplex des Freistaates entstehen. Das geht aus dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Areal an der Ecke Kleine Packhofstraße/Devrientstraße hervor, der jetzt für Interessenten im Stadtplanungsamt ausliegt. Das sind die Eckpunkte des Vorhabens:

Der Rahmenplan: Kunsthalle und Theater auf Brachfläche

Mit seiner Vision preschte der Münsteraner Stadtplaner Hanno Höyng im Sommer 2011 vor und begeisterte im Handstreich den städtischen Bauausschuss. Auf dem rund 29.000 Quadratmeter großen Areal hinter dem SZ-Hochhaus sollte ein Kunstviertel entstehen. Begrenzt wird das Packhofgelände von der Könneritz-, der Devrient- und der Kleinen Packhofstraße. Die Projektentwickler gründeten eine Arbeitsgemeinschaft Ostra-Development.

Vorgesehen waren eine Halle mit Kunst der Gegenwart, Galerien, ein Hotel, ein Theater, Wellnesseinrichtungen sowie Wohnhäuser mit Lofts und eine Tiefgarage. Entstehen sollte so ein Kunstquartier, das sich ausgezeichnet in ein geplantes Musikerviertel mit dem Kulturkraftwerk, der Musikhochschule, der Semperoper und dem Schauspielhaus einfügen würde. Der Bauausschuss stimmte zu, dass ein Bebauungsplan aufgestellt wird, der den Rahmen setzen soll. Beschlossen wurde letztlich der Rahmenplan Nr. 703.1, Dresden-Altstadt I, Kunstquartier Neue Terrasse/Ostra-Allee.

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Der Auftakt: Münchner Investor kaufte erste Fläche

Doch es blieb lediglich beim beschlossenen Rahmenplan. Höyng hatte ursprünglich angekündigt, dass das Kunstviertel spätestens 2016 fertiggestellt sein soll. Aber daraus wurde nichts. Das Grundstück gehört zum Großteil einem Unternehmen der DDV-Mediengruppe, die auch die Sächsische Zeitung herausgibt. Erst mit Christoph Dross tauchte 2014 ein Investor auf, der sich mit dem Eigentümer einig wurde. Der Münchener erwarb jedoch nur eine Fläche von rund 12.000 Quadratmetern. Dabei handelt es sich um die Wiese zwischen Kleiner Packhof- und Devrientstraße, auf der Planer Höyng den Bau der Kunsthalle vorgesehen hatte. Der Münchener Christoph Dross ist seit 1996 in der Region aktiv und hat bereits mehrere Bauprojekte in Radebeul und Dresden umgesetzt, unter anderem die Sidonienhöfe in Radebeul-Ost.

Der erste Neubau: SPD-Zentrale wurde 2019 übergeben

Die SPD ließ ab 2017 auf einer 500 Quadratmeter großen Fläche vis-à-vis dem Maritim-Hotel den ersten Neubau errichten. Zum Auftakt hatte es 2016 einen internationalen Fassadenwettbewerb gegeben. Rote Fassaden prägen das Bild des sechsgeschossigen Neubaus, der im Juli 2019 übergeben wurde. Er ist nach dem aus Dresden stammenden Herbert Wehner (1906-1990) benannt. Dort haben die SPD-Landeszentrale, die Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung und die Arbeiterwohlfahrt ihren Sitz.

Der Bauplan: Freistaat braucht Ersatzräume für Landtag

Der Freistaat will jetzt direkt neben dem SPD-Neubau ein Behördenzentrum errichten. Nötig ist das, da das Gebäudeensemble des Landtags umgebaut und erweitert werden soll. Dafür ist ein weitgehender Freizug nötig. In dem jetzt geplanten Neubau auf dem Packhofgelände könnten die Parlamentarier und Mitarbeiter des Landtags während der Sanierung und Modernisierung des Hauptsitzes am Bernhard-von-Lindenau-Platz untergebracht werden. "Das Projekt befindet sich noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase", sagt Sprecher Alwin-Rainer Zipfl vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). "Derzeit laufen die ersten Planungen." Die Behörde führe Gespräche mit dem Grundstückseigentümer.

Vorentwurf des Behördenzentrums
Vorentwurf des Behördenzentrums © SZ-Grafik

In dem Modell ist auch dargestellt, wo Neubauten laut Masterplan von 2011 auf dem Gelände des Parkplatzes entstehen könnten - sofern sich Investoren fänden und sich mit den Eigentümern der Grundstücke einigen würden. Geplant ist dort aber bislang nichts.

Der Neubau: Gestaffelte Höhen bis zu sieben Geschossen

Das Behördenzentrum soll eine Grundfläche von 6.500 Quadratmetern haben. Nach einem EU-weiten Vergabeverfahren war die Weimarer Hartmann + Helm Planungsgesellschaft mit einer Variantenuntersuchung beauftragt worden, die viel Erfahrung mit Verwaltungsbauten hat. So plant sie derzeit den Neubau des Bundeskriminalamts in Wiesbaden. Jetzt liegt ein Entwurf als Vorzugsvariante für das Behördenzentrum vor. Der Rahmenplan gibt die Strategie vor, wie die Gebäude stehen sollen.

Bereits der Baukörper des SPD-Neubaus hatte sich exakt nach den städtebaulichen Vorgaben des Rahmenplans von 2011 gerichtet. Das geschieht jetzt genauso. So werden beim Behördenzentrum der bereits im Rahmenplan vorgesehene Wechsel von Gebäude, Hof, Freiraum und eine wechselnde Höhenstaffelung zwischen vier und sieben Geschossen umgesetzt. Es ist nicht üblich, so zu bauen. Das sind aber die Vorgaben des Rahmenplans, die in der Planung umgesetzt werden müssen.

Ein weiterer markanter Punkt ist die Magistrale, die diagonal durch das Gebiet verlaufen soll. So ist eine spannungsvolle Sichtachse von der Yenidze zum erweiterten Altstadtkern mit Erlweinspeicher und Landtag geplant. An der Devrient-/Kleinen Packhofstraße soll ein dominanter Eckpunkt mit sieben Geschossen entstehen, der sich an hohen Punkten der Umgebung orientiert, so dem SZ-Hochhaus, dem Erlweinspeicher und dem Turmgebäude des Landtags.

Die Räume des Behördenzentrums haben eine Nutzfläche von 14.500 Quadratmetern. Ist der Landtag saniert, sollen 2.500 Quadratmeter für die Landtagsverwaltung und 12.000 Quadratmeter für weitere Behörden bleiben. "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine Aussagen zu der Zeitschiene und den Kosten getroffen werden", erklärt SIB-Sprecher Zipfl.

Die Bürgerbeteiligung: Pläne liegen bis 12. Juni aus

Der Bebauungsplan für das Behördenzentrum liegt noch bis 12. Juni in der Stadtverwaltung im World Trade Center an der Freiberger Straße 39 aus. Eingesehen werden kann er dort im vierten Obergeschoss, Raum 4358. Allerdings müssen sich Interessenten vorher bei Abteilungsleiterin Heckmann vom Stadtplanungsamt telefonisch unter 4883210 oder per E-Mail unter [email protected] anmelden. Die Planungsunterlagen können bis 12. Juni auch im Internet unter www.dresden.de/offenlagen eingesehen werden.

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