merken
PLUS Dresden

Dresdnerin kämpft für Treppe in Übigau

Elfriede Schubert ist im Schloss und der benachbarten ehemaligen Kaserne groß geworden. Ein Zugang zur Elbe ist ihr besonders wichtig.

Früher hat Elfriede Schubert hunderte Male die Treppe neben der ehemaligen Pionierkaserne benutzt. Heute ist die Treppe zerstört und der Torbogen zur Elbe einfach zugemauert.
Früher hat Elfriede Schubert hunderte Male die Treppe neben der ehemaligen Pionierkaserne benutzt. Heute ist die Treppe zerstört und der Torbogen zur Elbe einfach zugemauert. © Marion Doering

Dresden. Was hat sie in Übigau für eine schöne Kindheit und Jugend verbracht. Und das, obwohl die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg keine leichte war. Oft denkt Elfriede Schubert an die Wohnung unterm Dach im Schloss Übigau, in die ihre Familie zog, nachdem sie auf der Wilsdruffer Straße ausgebombt wurden. Als Grundschülerin hat sie den Putten im Park die Lippen mit Schulkreide geschminkt, was dem Gärtner gar nicht gefiel. Er hat ihr eine geklebt. "Aber das sind so Erinnerungen, die vergisst man nicht", sagt die 78-Jährige. 

Einige Jahre später bekam die Familie eine Wohnung  in der benachbarten Pionierkaserne. Die Front des U-förmigen Gebäudes zeigte zur Elbe. Direkt angrenzend an den östlichen Seitenflügel gab es eine Sandsteintreppe, die in Verlängerung der Zinggstraße zur Elbe führte. "Dort bin ich hunderte Male rauf- und runtergelaufen", sagt Schubert. Es war auch für die Nutzer der damaligen Fähre in Übigau die kürzeste Verbindung ins Stadtviertel. 

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Doch heute gibt es die Treppe nicht mehr. Der Torbogen, durch den die Nutzer der Treppe zur Elbe liefen, ist zugemauert. Auch der Weg von der Zinggstraße zur Treppe ist abgesperrt. Für Elfriede Schubert ist das ein Frevel. Denn so ist eine jahrhundertealte Verbindung nicht mehr möglich, sagt sie. Seit einigen Jahren kämpft sie dafür, dass die denkmalgeschützte Treppe wieder aufgebaut wird. 

So sah es vor dem Krieg in Übigau aus. Gut zu sehen ist links die ehemalige Pionierkaserne, neben der die Treppe durch einen Bogen zur Elbe führte.
So sah es vor dem Krieg in Übigau aus. Gut zu sehen ist links die ehemalige Pionierkaserne, neben der die Treppe durch einen Bogen zur Elbe führte. © privat

Sie hat herausgefunden, dass die Treppe zum Teil zerstört wurde, als 1989 die Kaserne abgerissen wurde, in der sie einst gelebt hat. Bei der Sprengung waren wohl Teile auf die Sandsteinstufen gefallen und haben sie zerstört. "Warum das Gebäude gesprengt wurde, ist mir bis heute rätselhaft, bis zum Schluss war es bewohnt", sagt Elfriede Schubert. Ein Pächter des Grundstückes an der ehemaligen Treppe habe den Torbogen schließlich zumauern lassen. Lediglich eine kleine Tür ist darin eingebaut, die aber verschlossen ist.

"Es kann doch nicht sein, dass so ein Kulturgut einfach verschwindet", sagt Schubert. Immerhin ist die Treppe im Denkmalverzeichnis des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen geführt und beschrieben. Allerdings ging man dort davon aus, dass die Treppenanlage noch existent sei und beim Abriss der Kaserne 1989 lediglich beschädigt und dann verfüllt worden ist. Dann gab es am 19. September 2018 einen Ortstermin, wie das städtische Amt für Kultur und Denkmalschutz mitteilt. Dabei konnte sich der zuständige Denkmalpfleger davon überzeugen, dass von der Treppe lediglich zwei Treppenstufen am Leinpfad übrig sind. Der vermauerte Torbogen steht weiterhin im Zusammenhang mit dem Leinpfad unter Schutz. Wann der Torbogen zugemauert worden ist, sei dem Amt nicht bekannt.

Für Elfriede Schubert ist der jetzige Zustand keiner, der so bleiben soll. Um Unterstützer für ihr Anliegen zu gewinnen, war sie bereits bei Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Allerdings erfolglos. Auch beim Leiter des Stadtbezirks kam sie nicht weiter. "Es ist schade, denn aus Gesprächen mit alteingesessenen Übigauern weiß ich, dass sich viele die Treppe zurückwünschen." 

Die Stadtverwaltung sieht dies allerdings nicht so. "Voraussetzung für die Öffnung und folgend Nutzung dieser Fläche durch die Öffentlichkeit als Wegeverbindung zwischen Zinggstraße und Elbe wäre die Widmung als öffentliche Verkehrsfläche. Diese ist nicht vorgesehen", antwortet das Amt für Kultur und Denkmalpflege auf SZ-Anfrage.

Weiterführende Artikel

Wie läuft es in Schloss Übigau?

Wie läuft es in Schloss Übigau?

Seit Juli gibt es im barocken Kleinod in Dresden Theater und einen Biergarten. Jetzt zieht der neue Betreiber ein erstes Fazit. 

Endlich wieder Leben in Schloss Übigau

Endlich wieder Leben in Schloss Übigau

Der Garten ist ab sofort für Gäste geöffnet. Auch im Innern geht es voran.

Große Schäden im Barockschloss Übigau

Große Schäden im Barockschloss Übigau

Nach Vandalismus erklärt der künftige Betreiber Olaf Maatz: „Das ist für ein privates Theater ein Fiasko.“ Wie geht es jetzt mit dem Sommertheater weiter?

Doch davon will sich Elfriede Schubert nicht beirren lassen. Sie hat bei Baufirmen nachgefragt, was es kosten würde, die Treppe wieder neu zu bauen. Die Auskunft liegt bei rund 60.000 Euro. "Vielleicht findet sich ja jemand, der diese Summe spenden würde. Möglicherweise überdenkt die Stadt ihre Haltung dann noch einmal", sagt sie. Schon einmal war sie mit ihrer Beharrlichkeit erfolgreich. Der Pfad an der Elbe in Übigau wurde auf ihr Betreiben vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt vom starken Bewuchs befreit, auch Mitarbeiter des  Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerkes haben am Ufer schon gearbeitet.  

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden