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Schnellere Termine beim Therapeuten

Mehr Geld und kostenlose Ausbildung für Physio- und Ergotherapeuten zeigen Wirkung. Ein erster Schritt gegen den Fachkräftemangel.

Ergotherapeut David Kirchner, der im Strehlener Rehazentrum arbeitet, bekommt seit dem Sommer mehr Gehalt. Das macht den Beruf für mehr junge Menschen attraktiver, sagt er. Das ist auch nötig, die Branche kämpft mit dem Fachkräftemangel.
Ergotherapeut David Kirchner, der im Strehlener Rehazentrum arbeitet, bekommt seit dem Sommer mehr Gehalt. Das macht den Beruf für mehr junge Menschen attraktiver, sagt er. Das ist auch nötig, die Branche kämpft mit dem Fachkräftemangel. © Christian Juppe

Rückenschmerzen, ein verspannter Nacken – fast 20 Prozent der Deutschen haben mehrfach in der Woche mit diesen Symptomen zu kämpfen. 13 Prozent geben sogar an, dass der Rücken täglich schmerzt. Das ergab eine Statista-Umfrage im Januar dieses Jahres. 

Wer jeden Tag viele Stunden sitzend am Arbeitsplatz verbringt, ist besonders geplagt. 2018 waren Probleme mit dem Muskel-Skelett-System die häufigste Ursache für Krankschreibungen in Sachsen. Im besten Fall stellt der Arzt ein Rezept für den Physio- oder Ergotherapeuten aus. Eine neue Heilmittelverordnung sollte dafür sorgen, dass der Patient die Therapie innerhalb von zwei Wochen beginnt – ein schneller Termin war dann beim Therapeuten allerdings nicht so leicht zu bekommen. Denn die Branche steckte zuletzt mittendrin im Fachkräftemangel. Nun hat sich einiges zum Positiven entwickelt.

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Welche Änderungen gibt es für die Therapeuten?

Seit 1. Juli 2019 werden Therapeuten bundesweit gleich bezahlt. Das hat die Bundesregierung mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz beschlossen. „Die schlechte Bezahlung im Osten war immer ein großes Thema“, sagt Ines Heimann, Geschäftsführerin des Rehazentrums an der Lockwitzer Straße in Strehlen. Nun könne sie das zusätzliche Geld, das sie für ein Rezept von der Krankenkasse bekommt, an ihre Therapeuten weiterreichen. Ein Beispiel: Gab es im Oktober 2018 noch rund 332 Euro für ein Rezept, mit dem etwa ein Schlaganfallpatient in zehn Sitzungen à 45 Minuten wieder für den Alltag fit gemacht wurde, zahlt die Krankenkasse jetzt 450 Euro.

Eine zweite Änderung betrifft vor allem junge Menschen, die den Therapeutenberuf ins Auge fassen: Wer sich jetzt für eine Ausbildung zum Therapeuten entscheidet, kann sich eine Schule suchen, an der kein Ausbildungsgeld fällig wird. Bislang mussten Auszubildende dafür mitunter bis zu 20.000 Euro investieren. Das hatte zur Folge, dass die Branche Nachwuchssorgen hatte, und Schulen schließen mussten. Obwohl der Therapiebedarf seit Jahren zunehmend steigt, blieb 2017 eine freie Stelle als Physiotherapeut 144 Tage unbesetzt. Auf 100 Arbeitsplätze gab es gerade einmal 34 Bewerber. Einige Patienten mussten dadurch bis zu sechs Wochen auf einen freien Termin warten.

Wie profitieren die Patienten von den neuen Regelungen?

Ines Heimann bezahlt ein besseres Gehalt und beschäftigt derzeit 13 Physio- und zwei Ergotherapeuten, drei Logopäden und vier Sportwissenschaftler. Dadurch könne sie in ihrem Rehazentrum sicherstellen, dass alle Patienten innerhalb von drei Tagen einen Termin bekommen. David Kirchner arbeitet seit 2015 als Ergotherapeut im Rehazentrum und bestätigt, dass er jetzt deutlich mehr verdient. 

Der 27-Jährige ist sich sicher, dass sich dadurch auch wieder mehr junge Menschen für den Beruf entscheiden. „Wir haben zurzeit zwei Azubis in der Ergotherapie und bis zu fünf in der Physiotherapie – das hatten wir noch nie.“ Als er 2012 die Ausbildung machte, gab es in seiner Schule nur eine Klasse in seinem Jahrgang. „Heute sind es wieder zwei Klassen.“ Und es gebe noch weitere Pläne, um die Therapien für die Patienten zu verbessern. Sie müssten schnell beschlossen werden – da sind sich Heimann und Kirchner sicher.

Was müsste sich noch ändern, um Patienten besser versorgen zu können?

Ein weiterer Baustein in der besseren und gezielteren Versorgung soll die sogenannte Blanko-Verordnung sein, die das Gesundheitsministerium bis März 2020 einführen will. Damit bleibt es zwar weiterhin Aufgabe des Arztes, das Rezept für einen Therapeuten auszustellen. Allerdings soll dieser künftig selbst entscheiden, welche Art der Therapie, zu welchem Zeitpunkt und welche Dauer für die Gesundheitsprobleme des Patienten am besten geeignet sind. „Es gibt dafür bereits mehrere Teststationen in Deutschland“, sagt Heimann. Sie hofft auf eine schnelle Umsetzung der Pläne, denn dadurch würden sich Termine noch besser koordinieren lassen.

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