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Dresden

Was vom Schokopack-Denkmal übrig bleibt

Das Hochhaus bleibt mit seiner Sanierung als Zeugnis der DDR-Architektur erhalten. Inklusive Treppen, die an Wurst erinnern.

Einst Schandfleck, jetzt moderner IT-Campus: Das Hochhaus an der Breitscheidstraße war zuletzt eine trostlose Ruine. Nun hat es Zukunft.
Einst Schandfleck, jetzt moderner IT-Campus: Das Hochhaus an der Breitscheidstraße war zuletzt eine trostlose Ruine. Nun hat es Zukunft. © Thomas Kretschel

Obwohl der Name wohl ohnehin nie aus Dresden verschwinden würde, bleibt er nun auch offiziell erhalten. Denn auch der neue Eigentümer, das IT-Unternehmen Itelligence, nennt das markante Gebäude an der Breitscheidstraße in Dobritz Schokopack-Hochhaus. So bleibt zumindest namentlich die Reminiszenz an die frühere Nutzung des Gebäudes – es war der Verwaltungssitz des VEB Schokopack, der zum Kombinat Nagema gehörte und zu dessen Markenzeichen sich das Haus entwickelte.

Das elfgeschossige Gebäude ist bis heute übrigens eine Besonderheit der DDR-Architektur: Es war mit Baubeginn 1957 das erste Dresdner Haus, das in Stahlbetonskelettmontage gebaut wurde. Allein diese Tatsache veranlasste die Denkmalschützer vor gut elf Jahren, dieses besondere Ensemble der DDR-Architektur mit Hochhaus, Verbindungsbau, Nebengebäude und kleinem Park vor dem Abriss oder anderen baulichen Veränderungen zu schützen.

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Für Itelligence bedeuteten die Auflagen bei der Sanierung zusätzliche Kosten: Rund 20 Millionen Euro hat das Unternehmen in den Dobritzer Standort investiert. Was ohne den Diplom-Ingenieur Frank Schwabe wohl kaum passiert wäre. Er kümmert sich für die Firma um neue Bürostandorte. Vor drei Jahren bekam er die Aufgabe, in Dresden einen zu suchen. Über das Immobilienunternehmen BNP Paribas bekam Schwabe Kontakt zu Thomas Stern, Vorstand der damaligen Eigentümerfirma Meiag, die später auch die Sanierung übernahm. „Als ich das Haus zum ersten Mal sah, war es eine komplette Baustelle“, erinnert sich Schwabe. „Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich es meiner Firma wirklich empfehlen sollte.“

Zerbrochene Scheiben, besprühte Wände, geplünderte Kabelschächte, Spuren, die Metalldiebe und Paintballspieler auf allen Etagen hinterlassen hatten – Schwabe konnte seine Vision von einem modernen IT-Campus letztlich trotzdem gut verkaufen, das Unternehmen investierte in den Standort. Nun zeigt der Ingenieur stolz, wie das Ergebnis nach der zweijährigen Sanierung aussieht. Moderne Büros mit weißen Wänden und schlichter Einrichtung, mehrere Besprechungsräume, in der elften Etage mit Blick über Dresden. Den gibt es auch auf der Dachterrasse, die beim Umbau entstanden ist. Moderne Einrichtung trifft auf Details, die der frühe Internationale Stil der späten 1950er-Jahre in den Häusern hinterlassen hat. Wie etwa die Treppen aus „Blutwurst“-Terrazzo im viergeschossigen Nebengebäude. „Ich kannte den Begriff bis jetzt gar nicht“, sagt Schwabe. Aber er sei aufgrund der Ähnlichkeit zur Wurst durchaus zutreffend. Erhalten blieben auch Gestaltungselemente wie die weißen Säulen, die mit Meißner Fliesen verkleidet sind.

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Erneuert werden mussten die Geländer im Treppenhaus des Flachbaus – die Originale waren schlichtweg nicht mehr da. Gestohlen, vermutet Schwabe. Bis auf kleinere Wanddurchbrüche durfte auch an der Gebäudestruktur nichts verändert werden. Die alten Holzfenster wurden durch zweiflügelige Holzfenster ausgetauscht. Im Original war es jeweils komplett eine Scheibe.

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