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Warum sind Schwimmhallen noch immer geschlossen?

In Fitnessstudios darf wieder trainiert werden, doch in den Becken bleibt das Wasser kalt. Der Unmut darüber wächst. Gute Nachrichten gibt es bei Turnhallen.

Gähnende Leere in der frisch sanierten Schwimmhalle am Freiberger Platz in Dresden. Wasser ist zwar im Becken, das wird aber nicht erwärmt.
Gähnende Leere in der frisch sanierten Schwimmhalle am Freiberger Platz in Dresden. Wasser ist zwar im Becken, das wird aber nicht erwärmt. © Marion Doering

Dresden. Christiane Kirchner bezeichnet sich selbst als eine Frau, die nicht sofort zum Hörer greift oder eine Mail verschickt, wenn sie etwas stört. Diesmal aber hat sie gleich mehrmals geschrieben - an den Ministerpräsidenten von Sachsen, an den Ober- sowie Sportbürgermeister von Dresden und auch an die Bäder GmbH der Stadt.  "Leider bin ich da aber nicht auf offene Ohren gestoßen", sagt sie resigniert. 

Als Mutter von zwei Söhnen, die bei den Dresdner Delphinen trainieren, erlebt sie hautnah, welche Konsequenzen die immer noch geschlossenen Schwimmhallen haben. "Es ist ein Trauerspiel zu sehen, wie die Mädchen und Jungen auf einen Fußballplatz ausweichen  müssen, weil sie nicht ins Becken dürfen", erklärt die Ärztin. "Ich verstehe nicht, warum das weiterhin verboten ist."

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Sachsenweit sind die Türen der Schwimmhallen als Folge der Corona-Pandemie noch immer verschlossen. Und das wundert nicht nur Christiane Kirchner. "Wir werden mit Bordellen gleichgestellt", meint Dirk Oehme, stellvertretender Fachwart beim Sächsischen Schwimmverband, mit ironischem Unterton. Auch die dürfen noch nicht öffnen. "Dabei belegen Studien, dass im Chlorwasser keinerlei Ansteckungsgefahr besteht", betont Oehme. 

Schulturnhalle sollen jetzt für Vereine wieder öffnen

Das Bundesumweltamt etwa stellt fest, dass  "das zugesetzte Desinfektionsmittel (in der Regel Chlor) potenzielle Krankheitserreger inaktiviert oder abtötet" und schlussfolgert mit Verweis auf die Weltgesundheitsorganisation, dass es "keine Hinweise darauf gibt, dass das Sars-Coronavirus-2 über den Wasserweg übertragen wird". 

Außerhalb der Becken, in den Dusch- und Umkleideräumen etwa, könnten sich die Schwimmer jedoch anstecken.  Aber das ist auch in den Turnhallen so - und die dürfen laut einem Beschluss der Landesregierung seit Mitte Mai wieder öffnen. Umgesetzt wurde der jedoch noch nicht überall. In Dresden etwa sind die Schulturnhallen für Vereine weiterhin tabu. 

Es sei nicht absehbar gewesen, in welchem Umfang die Hallen "als Unterrichtsräume, Pausenflächen sowie für die Abschlussprüfungen benötigt werden", teilte die Stadt auf Anfrage von Sächsische.de mit. "Daher wurde von einer generellen Öffnung bisher abgesehen." Da sich nun aber alles eingespielt habe, werde "das  Schulverwaltungsamt ab dem 2. Juni schrittweise die Schulsporthallen wieder für den Vereins- und Freizeitsport öffnen".  Dann wären die Schwimmhallen tatsächlich die letzten von einem Verbot betroffenen Sporteinrichtungen in Dresden. 

Wieso sind Schwimmhallen anders als Fitnessstudios?

Oehme, der als Leiter des Schwimm-Nachwuchszentrums beim Dresdner SC arbeitet, kritisiert vor allem, dass selbst die leistungsorientierten Schwimmer nicht in die Becken dürfen. "Wir haben Jugendliche bei uns, die am Sportgymnasium in eine Klasse gehen, vormittags also zusammen in einem Raum sitzen, am Nachmittag aber nicht in der Schwimmhalle trainieren dürfen", erklärt er. Stattdessen absolviert der Nachwuchs seit drei Wochen Athletikeinheiten unter freiem Himmel, seit Montag ist das auch in der DSC-Trainingshalle möglich. 

Die Übungseinheiten im Wasser kann das nicht ersetzen. "Man hätte ähnlich wie bei den Schulen schrittweise öffnen und mit den Sportschülern anfangen können", findet Oehme. "Ich verstehe nicht, dass die Schwimmhallen anders behandelt werden als Turnhallen und Fitnessstudios."

Eine Ausnahme gibt es: Fünf Dresdner Schwimmer dürfen bereits ins Wasser, weil sie Nachwuchs-Bundeskader sind und damit unter eine Sonderregelung des Freistaates fallen. Allerdings können sie nicht, wie in Leipzig und Chemnitz, auf 50-Meter-Bahnen trainieren, eine Genehmigung vom Innenministerium gab es nur für die benachbarte Halle der Wasserspringer.  "Dort ist das Becken aber viel kleiner und das Wasser mit 30 Grad viel zu warm", erklärt Oehme. "Da kann man maximal eine Stunde kraulen, dann spielt der Kreislauf nicht mehr mit." 

Es kann auch ganz schnell gehen - wie bei Freibädern

Der Komplex an der Freiberger Straße, dessen Um- und Neubau erst Ende vergangenen Jahres fertiggestellt worden war, ist einer von sieben Schwimmhallen-Standorten in Dresden. Nicht alle stehen auch für Vereine offen - derzeit ist es kein einziger. "Wir können nur das machen, was behördlich erlaubt ist", erklärt Lars Kühl, Sprecher der Bäder GmbH.  "Und noch liegt uns keine Genehmigung zum Öffnen der Hallen vor." Wann es soweit sein könnte, darüber möchte er nicht spekulieren. 

Es könne ganz  schnell gehen, sagt er und verweist auf das Beispiel der Freibäder. Am 7. Mai hatte Sachsen die Freigabe zum 18. Mai erteilt, in Dresden sind die Freibäder aber noch immer  geschlossen, die Vorlaufzeit war, so argumentiert die Bäder GmbH, zu knapp, um die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen, Saisonkräfte einzustellen und die Hygienekonzepte umzusetzen. 

Bei den Hallen rechnet Kühl mit einer Woche zwischen der Genehmigung und der Öffnung. "Wir haben einen Plan und sind vorbereitet." Die Becken sind zwar weiter mit Wasser gefüllt, aber das wird nicht erwärmt, um Kosten zu sparen. "Die Hallen laufen in einer Art Notbetrieb", so Kühl. 

Christiane Kirchner wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem ihre beiden Söhne wieder auf den Startblock steigen können. "Schwimmer sind wie Sportler allgemein sehr diszipliniert. Ich bin überzeugt, dass sie sich an die Hygienevorschriften halten würden."  

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