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Seidentapete für Pillnitzer Kaiserzimmer

Handwerker restaurieren Räume im Seitenflügel des Bergpalais in Dresden. Alles wird wie zu der Zeit, als Leopold II dort übernachtete. Ein Blick ins Innere.

Restaurator Torsten Otto freut sich, dass er im Kaiserzimmer so gut voran kommt. Derzeit befestigt er Seidenbahnen, die nach historischem Vorbild in einer französischen Manufaktur gefertigt wurden.
Restaurator Torsten Otto freut sich, dass er im Kaiserzimmer so gut voran kommt. Derzeit befestigt er Seidenbahnen, die nach historischem Vorbild in einer französischen Manufaktur gefertigt wurden. © Christian Juppe

Dresden. Torsten Otto hat es fast geschafft. Der Leipziger Restaurator und Raumausstattermeister hat im westlichen Seitenflügel des Pillnitzer Bergpalais eine besondere Aufgabe. Der 51-jährige Fachmann, der auch schon im Schloss Wörlitz und im Dresdner Residenzschloss gearbeitet hat, bespannt die Wände wieder so wie zur Bauzeit. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) lässt den Seitenflügel seit Frühjahr 2019 sanieren. Vorangegangen waren aufwendige Untersuchungen, erläutert der zuständige Niederlassungsleiter Ulf Nickol. Rund 40 Baufirmen waren oder sind noch aktiv – vom Maurer über den Elektriker und Holzbildhauer bis hin zu Restauratoren wie Torsten Otto. 

Der Bau: Hofarchitekt Weinlig plant Bau und Einrichtung

Seit 1768 hatte der sächsische Hof das Pillnitzer Schloss als Sommerresidenz genutzt, erklärt SIB-Sachgebietsleiter Kai-Uwe Beger. Der westliche und die anderen Seitenflügel waren von 1788 bis 1791 angebaut worden. Der Entwurf und die Pläne zur Einrichtung der Räume nach dem damals neuesten Zeitgeschmack stammen vom Hofarchitekten Christian Traugott Weinlig. „Es sind die einzigen im frühklassizistischen Stil gestalteten Räume, die in Dresden noch erhalten geblieben sind“, sagt Beger. Heute werden sie vom Kunstgewerbemuseum genutzt. 

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Im Erdgeschoss dieses Seitenflügels hatte der Kaiser beim Pillnitzer Monarchentreffen gewohnt.
Im Erdgeschoss dieses Seitenflügels hatte der Kaiser beim Pillnitzer Monarchentreffen gewohnt. © Christian Juppe

Das Monarchentreffen: Kaiser bezieht Räume im Bergpalais

Im Westflügel sind ein Vorzimmer, ein Wohn- und ein Schlafzimmer sowie ein Schreibkabinett und ein abschließender Gang, erläutert Museumsmitarbeiterin Christiane Ernek-van der Goes. Gleich nach der Fertigstellung bekam dieser Seitenflügel einen besonderen Gast. Vom 25. bis 27. August 1791 wohnte der Habsburger Leopold II, Kaiser der Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, in dem Gästeappartment. Deshalb wurde es später als Kaiserzimmer bezeichnet.

Dieses Gemälde von Johann Heinrich Schmidt zeigt das berühmte Pillnitzer Monarchentreffen im August 1791. Mit dabei war der Kaiser, der Preußenkönig, der Kurfürst von Sachsen und andere Herrscher.
Dieses Gemälde von Johann Heinrich Schmidt zeigt das berühmte Pillnitzer Monarchentreffen im August 1791. Mit dabei war der Kaiser, der Preußenkönig, der Kurfürst von Sachsen und andere Herrscher. © © Gemäldegalerie Alte Meister, SKD, Foto: Hans-Pet

Zum Pillnitzer Monarchentreffen hatte Sachsens Kurfürst Friedrich August III. eingeladen. Mit dabei waren neben dem Kaiser unter anderem Preußenkönig Friedrich Wilhelm II und Charles Philipp, Bruder des abgesetzten französischen Monarchen Ludwig XVI, erklärt die Kunsthistorikerin. Besprochen wurde die „polnische Frage“. „Auf Druck von Charles Philippe von Bourbon wurde außerdem die sogenannte Pillnitzer Deklaration verabschiedet, die auf eine Wiedereinsetzung Ludwig XVI. auf dem französischen Thron und die Wiederausübung seiner souveränen Macht zielte.“ 

Noch gut erhalten ist dieser kunstvoll gestaltete Ofen im einstigen Schlafzimmer.
Noch gut erhalten ist dieser kunstvoll gestaltete Ofen im einstigen Schlafzimmer. © Christian Juppe

Im späten 19. Jahrhundert nutzte Sachsenkönig Albert die Räume als Sommerresidenz. Ab den frühen 1920er-Jahren bis 1945 gehörte der Flügel zum Schlossmuseum. Danach wurde er als Depot der Gemäldegalerie genutzt. 

Das ist eine historische Ansicht des gelbvertäfelten Kaiserzimmers mit der originalen Wandgestaltung.
Das ist eine historische Ansicht des gelbvertäfelten Kaiserzimmers mit der originalen Wandgestaltung. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

Die Sanierung: Denkmalschutz war schon 1971 wichtig

Von 1966 bis 1971 wurden die Kaiserzimmer restauriert, verweist Sachgebietsleiter Beger auf den nächsten Schritt. Schon damals sei viel Wert auf Denkmalschutz gelegt worden. So stammen die Wandbespannungen aus dem Westen Deutschlands. Eins fehlte aber damals: die einstige Seidenbespannung der Wände.

Seit über einem Jahr sind die Kaiserzimmer im Bergpalais eine Baustelle.
Seit über einem Jahr sind die Kaiserzimmer im Bergpalais eine Baustelle. © Christian Juppe

Die Schäden: Nässe hat Holzfußboden zugesetzt

Knapp 50 Jahre nach der Sanierung musste der SIB handeln. Denn dem Holzboden unter dem Parkett hatte die Nässe kräftig zugesetzt, so dass einige Bereiche der Dielen verfault waren. 2018 hatten Bauforscher im Westflügel damit begonnen, genau zu untersuchen, wie die Räume 1791 ausgesehen hatten. Denn sie sollen nach der Sanierung soweit wie möglich dem historischen Vorbild entsprechen. Im Schlaf- und im Wohnzimmer wurden die Tapeten, sprich die Wandbespannungen, entfernt. 

Restauratorin Sandra Risz untersucht und bearbeitet die Flächen, auf denen noch originale Wandmalerreien von 1791 entdeckt wurden.
Restauratorin Sandra Risz untersucht und bearbeitet die Flächen, auf denen noch originale Wandmalerreien von 1791 entdeckt wurden. © Christian Juppe

Die Untersuchung: Kleine Reste von Seidentapete entdeckt

Die sehr hochwertige einstige Seidentapete war zwar nicht mehr auf den Wänden. „Wir haben aber noch einige Fasern an einer sogenannten Tapetentür gefunden, die vom Personal genutzt wurde“, sagt Beger. Im Schreibzimmer entdeckte die Dresdner Restauratorin Sandra Risz zudem Reste von originalen Wandmalereien, die höchstwahrscheinlich nach Entwürfen des Hofarchitekten Weinlig entstanden waren. Geprägt werden die Räume vor allem von markanten hellgelben und hellblauen Farben. „Die Deckenmalereien wurden bis 1971 restauriert“, sagt die Fachfrau. „Sie waren noch in so guter Qualität, dass sie so erhalten bleiben konnten.“ Alle anderen Flächen wurden neu gestrichen.

Diese und andere Deckenmalereien waren zu DDR-Zeiten so gut restauriert worden, dass daran keine Arbeiten nötig waren.
Diese und andere Deckenmalereien waren zu DDR-Zeiten so gut restauriert worden, dass daran keine Arbeiten nötig waren. © Christian Juppe

Die Arbeiten: Originalparkett aufwendig wieder verlegt

Das rund 230 Jahre alte Holzparkett ist in den Räumen mittlerweile wieder verlegt. Es wurde aufgearbeitet, ergänzt und repariert. Vor zwei Wochen schlossen die Parkettleger ihre Arbeit ab. Viel Aufwand wurde auch an den Holzschnitzereien über den Türen und Fenstern betrieben, die von Bildern geschmückt werden. „Ein Holzbildhauer hat sie nachgeschnitzt“, berichtet Beger. Schonend gereinigt wurde zudem der große Ofen aus Guss und Porzellan im Schlafzimmer. Noch eingebaut werden jeweils drei restaurierte Wandtische und -leuchten. 

SIB-Sachgebietsleiter Kai-Uwe Beger und Projektleiter Norbert Seidel begutachten das wieder eingebaute historische Parkett.
SIB-Sachgebietsleiter Kai-Uwe Beger und Projektleiter Norbert Seidel begutachten das wieder eingebaute historische Parkett. © Christian Juppe

An der Decke haben Elektriker zudem eine dezente LED-Deckenbeleuchtung installiert, um die Kaiserzimmer in besseres Licht zu setzen. „Es ist wirklich gut, dass es so feine Strahler sind“, sagt SIB-Chef Nickol. Sonnenschutzfolien an Fenstern sollen zudem vor Wärme schützen. 

Gut sichtbar ist die hellblaue Seidentapete, die Restaurator Torsten Otto im Kaiserzimmer spannt.
Gut sichtbar ist die hellblaue Seidentapete, die Restaurator Torsten Otto im Kaiserzimmer spannt. © Christian Juppe

Die Wandbespannung: Restaurator arbeitet mit Schere

Jetzt ist Restaurator Otto noch dabei, die letzten Seidenbahnen zu spannen. Schon vier Wochen ist er im früheren Schlaf- und dem Wohnzimmer aktiv. Zuerst hat er Leinwandbahnen gespannt, auf die hauchdünnes, staubdichtes Papier kommt, das ursprünglich aus Japan stammt. Dann folgt eine Lage Baumwollgewebe, erklärt Otto den nächsten Schritt. Zuletzt sind jetzt die Seidenbahnen dran. Die beauftrage Kunsthistorikerin Sabine Schneider hatte sie auf Basis der untersuchten Reste in einer französischen Seidenmanufaktur herstellen lassen.

Allerdings gab es ein Problem. „Normalerweise sind die Bahnen 130 Zentimeter breit, die früheren waren aber viel schmaler“, so der Restaurator. Denn Webstühle waren so schmal. Um dem historischen Vorbild zu entsprechen, musste er in seiner Werkstatt mit der Schere ran und die Bahnen auf eine Breite von 57 Zentimetern zuschneiden. „Das war sehr aufwendig“, sagt Otto. Doch jetzt ist es fast geschafft. Nächste Woche sollen alle Seidenbahnen an den Wänden sein.

Diese Kunstwerke über Türen und Fenster wurden restauriert. Die Besucher der Kaiserzimmer können sie ab 28. August bewundern.
Diese Kunstwerke über Türen und Fenster wurden restauriert. Die Besucher der Kaiserzimmer können sie ab 28. August bewundern. © Christian Juppe

„Ich bin sehr zufrieden, dass wir bis Ende August fertig werden“, resümiert SIB-Niederlassungschef Nickol. „Während der Coronazeit war es nicht klar, ob wir den Zeitplan halten können.“ Ab 28. August können Besucher die restaurierten Kaiserzimmer bis zum 1. November besichtigen.  

Nach der Winterpause zeigt das Kunstgewerbemuseum ab 1. Mai 2021 seine Ausstellung mit Objekten aus der Zeit um 1800. Die Staatlichen Kunstsammlungen lassen jetzt noch 21 Reproduktionen von Kupferstichen mit Stadtansichten von herstellen, die dann in den Kaiserzimmern zu sehen sein werden.

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