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Corona: Wohneigentum in Dresden begehrt

Welche Auswirkungen der Wunsch nach größerer Sicherheit auf den Dresdner Immobilienmarkt hat, erklären Deborah und Florian von Canal.

Blick vom Hausmannsturm auf die Dresdner Altstadt. Corona hat auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt der Landeshauptstadt.
Blick vom Hausmannsturm auf die Dresdner Altstadt. Corona hat auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt der Landeshauptstadt. © dpa-Zentralbild

Dresden. Die Corona-Pandemie hat in vielen Familien Diskussionen ausgelöst. Wie geht man mit der Sorge um die Gesundheit um, welche Themen müssen unbedingt geklärt werden im Falle einer Erkrankung, darüber haben sich Kinder, Eltern und Großeltern in den vergangenen Wochen verstärkt ausgetauscht. Florian von Canal hat dies in vielen Gesprächen mitbekommen. Denn seit April verzeichnet der Inhaber von Canaletto Immobilien einen großen Anstieg von Beratungsanfragen. "Der Wunsch nach Sicherheit hat für junge wie ältere Menschen plötzlich eine höhere Priorität", sagt er. Und die sehen viele offenbar auch im Erwerb von Eigentum. "Auch, um im Ruhestand angesichts der unsicheren Rentenkonstellation keine Miete mehr zahlen zu müssen", schätzt von Canal ein. 

Konkret verzeichnet er rund 20 Prozent mehr Kaufanfragen als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Hinzu kommt der Wunsch älterer Menschen, sich von ihrem Eigenheim zu trennen und in eine kleinere Wohnung zu ziehen. "Auch in diesem Bereich habe ich rund 15 Prozent mehr Anfragen als 2019." Im Austausch mit Kollegen in Dresden, München und Berlin weiß er, dass diese dort ganz ähnliche Entwicklungen verzeichnen. 

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Steve Hoffmann, der Geschäftsführer von Engel & Völkers Residential GmbH in Dresden, hat jedoch andere Beobachtungen gemacht. "Der kurzzeitige Einbruch der Anfragen und Transaktionen im Immobilien-Segment infolge der Corona-Krise konnte nach unserer Beobachtung erfreulich schnell überwunden werden, so dass wir uns nunmehr wieder auf dem Vor-Corona-Niveau befinden", sagt er. Trotz der gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen biete die Stadt Dresden weiterhin gute Perspektiven. Auch der Verkauf von Einfamilienhäusern auf Grund eines Generationswechsels ist nach wie vor ein Thema.

Verzeichnen sehr viel mehr Anfragen als noch vor der Pandemie: Deborah und Florian von Canal.
Verzeichnen sehr viel mehr Anfragen als noch vor der Pandemie: Deborah und Florian von Canal. © Sven Ellger

Im Vordergrund bei Canaletto-Immobilien stehe die Beratung , sagt Florian von Canal.  Welche Raten kann man sich leisten, damit die Familie trotzdem gut weiterleben kann, was passiert, wenn man wie bei Corona den Job verliert. Diese und ähnliche Fragen sind zu klären. "Der Informations- und Beratungsbedarf ist angestiegen. Aber das ist gut so", sagt von Canal. Angesichts steigender Preise müsse es für Familien gut durchkalkuliert sein.  

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Als von Canal vor fünf Jahren nach Dresden kam, hätten die Preise für Neubauwohnungen noch bei rund 3.000 Euro pro Quadratmeter gelegen. Inzwischen sind sie fast auf 5.000 Euro gestiegen. Das hält der Immobilienanbieter noch nicht für das Ende der Fahnenstange. "Die werden weiter bis 8.000 oder sogar 10.000 Euro steigen", prognostiziert er und vergleicht das mit Städten wie Stuttgart oder Düsseldorf. 

Dennoch lohne sich für die meisten Familien der Kauf von neuen Wohnungen angesichts von Förderprogrammen der Bundesregierung wie dem Baukindergeld oder auch durch die Einsparung  bei den Nebenkosten im Vergleich zu Altbauten, sagt von Canal. Auch die Zinsen seien derzeit günstig.

Doch Corona habe natürlich Folgen für Immobilieneigentümer. Deborah von Canal kümmert sich als Juristin derzeit vor allem um Mietausfälle. In diesen Fällen gebe es großes Verständnis auf beiden Seiten, eine positive Cornoa-Auswirkung. "Die Mieter haben zum Teil keine Einnahmen, doch die Vermieter müssen auch ihre Raten an die Bank zahlen. Ich kann nur vermittelnd wirken, sehe aber, dass in vielen Fällen nach guten Lösungen für beide Partner gesucht wird."

"In allen Branchen sollten Beratung und Dienstleistung jetzt im Vordergrund stehen und nicht die sofortige Abrechnung", sagt Florian von Canal. Man dürfe nicht vergessen, dass viele Unternehmen in den vergangenen Jahren vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert und gut verdient hätten. 

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