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So viele Dresdner Kinder sind nicht geimpft

Ab März gilt die Impfpflicht. Wie gefährlich Masern sind, und ob es nun einen Ansturm auf die Spritze gibt - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ab März gilt die Impfpflicht. Wird es nun einen Run auf die Masern-Impfung geben?
Ab März gilt die Impfpflicht. Wird es nun einen Run auf die Masern-Impfung geben? © dpa

Ohne Masern-Impfung keine Schule und kein Kindergarten: Der Bundestag hat Ende 2019 die Masern-Impfpflicht beschlossen. Sie gilt ab 1. März für Kitas, Schulen, bei Tageseltern und für Mitarbeiter in Flüchtlingsheimen. Auch für Dresden. Gibt es deswegen jetzt einen Run auf die Kinderärzte zur Impfung? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema. 

Wie viele Dresdner Kinder sind geimpft?

Bei den Schuluntersuchungen der 6. Klasse in Dresden im Schuljahr 2018/19 wurden bei 93,8 Prozent der Kinder, von denen ein Impfausweis vorgelegt wurde, ein vollständiger Impfschutz festgestellt, erklärt die Stadt. Das heißt, dass über sechs Prozent der Dresdner Kinder bis zu diesem Alter nicht gegen Masern geimpft sind. Wie viele Kleinkinder ungeimpft sind, kann die Stadt aber nicht sagen. 

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Gibt es jetzt einen Ansturm auf die Masern-Impfung?

"Eine höhere Inanspruchnahme der Impfung wird sich sicher ergeben", so das Dresdner Gesundheitsamt. Inwieweit hier mit einem "Ansturm" zu rechnen sei, könne man aber noch nicht sagen.

Kinderarzt Sascha Iffländer, der seine Praxis am Albertplatz hat, sagt:  Ich habe nur wenige Patienten, weniger als ein Prozent, die nicht zeitgerecht gegen Masern geimpft wurden." Deren Eltern melden sich jetzt vermehrt und möchten, dass ihre Kinder geimpft werden. 

Melanie  Ahaus, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinderärzte in Sachsen, beobachtet, dass es bisher erstaunlich ruhig geblieben ist bezüglich der Impfung. "Wir hatten eher erwartet, dass nun die Impfgegner vermehrt auf den Plan treten, was noch nicht passiert ist", so Ahaus. 

Man müsse sagen, dass die Impfakzeptanz in Sachsen verglichen mit anderen Bundesländern eher hoch und damit der "Nachholbedarf" eher gering sei. "Dass offiziell der Impfstatus für die Masern in Sachsen eher niedrig zu sein scheint, liegt daran, dass Sachsen als einziges Bundesland die zweite Impfung erst mit vier Jahren empfiehlt", sagt sie. Und nicht wie in anderen Bundesländern bereits im zweiten Lebensjahr. 

Wie viele Masern-Fälle gibt es in Dresden?

Laut Robert-Koch-Institut gab es in diesem Jahr in Dresden schon elf Fälle. Das klingt nicht viel. Doch zum Vergleich: 2018 gab es einen Fall und 2017 gar keinen. Im städtischen Klinikum mussten 2019 fünf Erwachsene wegen Masern behandelt werden. Eine Masernwelle gab es 2015, da erkrankten gleich 165 Dresdner. Die meisten waren nicht geimpft. 

Wie wichtig ist die Impfung?

Die Impfung ist sehr wichtig, sagt Kinderärztin Melanie Ahaus. Eine Masernerkrankung sei gerade im ersten Lebensjahr extrem gefährlich. Zum einen durch die Krankheit selbst, da die Kinder einen hochfieberhaften, langandauernden Infekt durchleiden müssen. Außerdem sei dadurch das Immunsystem über Wochen so stark geschwächt, dass die Patienten sehr anfällig für verschiedene Krankheiten seien. 

Und es komme bei erkrankten Säuglingen oft erst nach Jahren zur Ausbildung des SSPE-Syndroms, einer Erkrankung des Gehirns, bei der die Kinder nach und nach schwerste neurologische Schäden entwickeln mit einem langen Leidensweg und immer tödlichem Ausgang.

Säuglinge im ersten Lebensjahr können aber noch nicht geimpft werden. Das Immunsystems ist noch zu unreif, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen gegen die Masern geimpft sind, um  nicht geimpfte Säuglinge zu schützen. Man spricht in dem Fall von einem sogenannten Herden- oder Gruppenschutz.

Wie laufen die Absprachen bei der Stadt?

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