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Dresden

Riesenspende für Palais im Großen Garten

Der Förderverein hat viele Jahre Geld für die Sanierung des Festsaales gesammelt. Doch daraus wird wohl nichts. Wofür die Summe stattdessen eingesetzt wird.

Die Blumenschau "Frühling im Palais" vor wenigen Wochen endete mit einem Besucherrekord.
Die Blumenschau "Frühling im Palais" vor wenigen Wochen endete mit einem Besucherrekord. © (c) Christian Juppe

Dresden. Rauschende Feste wurden hier gefeiert, vor allem während der Herrschaft Augusts des Starken. Als das Palais im Großen Garten um 1680 errichtet wurde, stand es noch weit vor den Toren des Dresdner Befestigungsringes. Vorgesehen war es ausschließlich für Vergnügungszwecke des Fürstenhauses und seiner Gäste. 

Doch schon während der  1720er-Jahre waren Hoffeste dort nicht mehr angesagt.  Andere Schlösser und Anlagen wie der Zwinger und der Barockgarten Großsedlitz rückten in den Fokus des Adels. Das Lustschloss, Sachsens ältester barocker Palaisbau, wurde ein Lager. Ab etwa 1730 diente es zur Aufbewahrung von Teilen der Königlichen Kunstsammlungen, ab dem 19. Jahrhundert wurden hier auch Ausstellungen präsentiert. 

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Die Bombenangriffe 1945 beschädigten das Palais stark. Inzwischen ist das beeindruckende Gebäude zumindest äußerlich wiederaufgebaut. Von 1993 bis 2002 hat der Freistaat Sachsen umfangreiche Sanierungsarbeiten vorgenommen. Doch im Innern wartet es noch immer auf die Rekonstruktion. Im Festsaal ist erst eine in den Jahren 1968 bis 1974 entstandene Probeachse gestaltet, der Rest befindet sich im Rohbauzustand. 2000 hatte sich ein Förderverein gegründet, dessen Ziele es sind, das Bauwerk nicht nur mit Veranstaltungen einem großen Publikum zugänglich zu machen, sondern auch, den Festsaal nach historischem Vorbild wieder herzustellen. 

Pianist Peter Roesel bei Dresdner Musikfestspiele 2015 im Palais im Grossen Garten . 
Pianist Peter Roesel bei Dresdner Musikfestspiele 2015 im Palais im Grossen Garten .  © Oliver Killig

Und der Verein hat in den vergangenen Jahren eine gewaltige Spendensumme zusammengetragen: 70.000 Euro konnten in der vergangenen Woche an Schlösserland Sachsen übergeben werden. Zuvor hatte der Förderverein bereits für rund 20.000 D-Mark die Bestuhlung für den Festsaal finanziert und ein bauklimatisches Gutachten unterstützt.

"Unser jetziges Ziel ist, dass eine moderne Heizungsanlage im  Palais installiert wird, um es ganzjährig nutzen zu können", sagt Reinhard Decker, der Vereinsvorsitzende. Bisher gibt es nur provisorische Heizkörper, die angeschafft wurden, als das Staatsschauspiel Dresden nach der Flut dort zeitweise eingezogen ist. Für einen Dauerbetrieb in den kalten Monaten sind die nicht geeignet.

 "Gern hätten wir etwas Sichtbareres im Festsaal mit dem Geld finanziert", sagt Reinhard Decker. Doch Christian Striefler, der Geschäftsführer der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH (Schlösserland) hat andere Pläne. In einem SZ-Interview hat er kürzlich gesagt, dass das Palais innen nicht rekonstruiert werden soll. Er setze stattdessen auf eine virtuelle Erlebbarkeit.    

"Eine Zäsur für unseren Verein"

Für Reinhard Decker und seine Mitstreiter im Verein war das eine Nachricht, die sie erst einmal verdauen müssen. Zumal sie das nur aus der Zeitung erfahren haben, obwohl es kurz zuvor ein Gespräch mit Striefler gegeben hatte. "Das ist eine Zäsur für unseren Verein, jetzt befinden wir uns wohl in einem Selbstfindungsprozess." Doch die Vereinssitzung Ende März muss zunächst wegen der Coronapandemie verschoben werden. 

Die Mitglieder des Fördervereins sorgen ehrenamtlich als Einlassdienst oder Aufsicht dafür, dass Veranstaltungen überhaupt stattfinden können. So wie kürzlich die Blumenschau "Frühling im Palais", die wieder mit einem Besucherrekord endete. Oder  Konzerte, die stets  gut besucht sind, sowie die Aufführungen von "Christmas Carol".

Im Vorjahr hat sich Schlösserland darum bemüht, mehrere seiner Schlösser in die Gemeinschaft Königlicher Residenzen Europas aufnehmen zu lassen. Mit Erfolg: Schloss Moritzburg mit dem Fasanenschlösschen Moritzburg, Schloss & Park Pillnitz, die Albrechtsburg Meissen, der Dresdner Zwinger, das Palais Großer Garten Dresden und Schloss Weesenstein gehören nun dazu. Reinhard Decker hofft, dass dies noch einmal einen Anstoß geben könnte, über die Sanierung des Inneren im Palais neu nachzudenken. "Alles andere wäre doch eine zu große Diskrepanz. Das Kulturerbe gilt es zu bewahren, statt es als Ruine im Besitz zu halten."      

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