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Warum Dresdens Sportförderung stockt

Mit zehn Millionen Euro unterstützt die Stadt ihre Vereine, nur ist das Geld für 2019 noch nicht ausgezahlt. Einige Klubs schlagen jetzt Alarm.

Am fehlenden Geld liegt es nicht, trotz Haushaltssperre sind die Kassen der Stadt Dresden gut gefüllt. Zehn Millionen sind für den Sport bereitgestellt. Doch die Bewilligung und Auszahlung beantragter Fördergelder dauert diesmal ungewohnt lange.
Am fehlenden Geld liegt es nicht, trotz Haushaltssperre sind die Kassen der Stadt Dresden gut gefüllt. Zehn Millionen sind für den Sport bereitgestellt. Doch die Bewilligung und Auszahlung beantragter Fördergelder dauert diesmal ungewohnt lange. © Lars Halbauer

Dresden. Der Sport in Dresden funktioniert seit Jahren auch durch und über die Unterstützung der Landeshauptstadt. Dank der sogenannten Sportförderrichtlinie können Vereine zweckgebundene Gelder beantragen – zum Beispiel für Trainermischfinanzierungen, die Anschaffung von neuen Geräten und auch die Unterstützung von Veranstaltungen. Für 2019 hat die Stadt dafür knapp zehn Millionen Euro veranschlagt, exakt 3,59 Millionen Euro für konsumtive Förderung (unter anderem Personalausgaben), sowie 6,44 Millionen Euro für die investive Förderung (vor allem Sachanlagen).

Die Auszahlung der für 2019 beantragten Fördermittel ist allerdings ins Stocken geraten. Das bestätigten mehrere Vereine der SZ. Dabei hätten die Gelder bis Ende 2019 ausbezahlt werden müssen, also weit vor der Corona-Pandemie. Und jetzt, inmitten der Krise und ihrer Folgen, macht sich die fehlende Unterstützung noch schmerzlicher bemerkbar. Alle Vereine gehen für die städtischen Fördermittel schließlich in Vorleistung. Im dramatischsten Fall könnte das jetzt zu Liquiditätsproblemen führen.

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Bearbeitung soll bald abgeschlossen sein

Die Verzögerungen bei Bewilligung und Auszahlung macht Sportbürgermeister Peter Lames (SPD) an drei Punkten fest: die Auswirkungen der Richtlinienänderung 2017, dem Übergang der Sportförderung vom Eigenbetrieb Sportstätten in die Kernverwaltung zum 1. Januar 2019 sowie „einem temporär nicht vollständig besetzten Sachgebiet“. Der aufgelaufene Stau an zu bearbeitenden Fördermittelanträgen werde jedoch aktuell abgebaut. „Desweiteren sind nicht alle Fördermittelanträge aus 2019 auch in 2019 zu bearbeiten und abzuschließen“, teilt Lames auf SZ-Anfrage schriftlich mit.

Stand jetzt befinden sich immer noch mehr als 100 Förderanträge aus dem Vorjahr in der Warteschleife – von ursprünglich knapp 1.200. Bisher hat die Stadt 3,176 Millionen Euro an konsumtiver Förderung ausbezahlt. Im Bereich der investiven Förderung aber lediglich 1,351 Millionen Euro, also lediglich knapp ein Sechstel der bereitgestellten Summe. „Es ist darauf hinzuweisen, dass die noch verfügbaren Fördermittel durch bereits bewilligte Maßnahmen sowie durch laufende und neue Antragsverfahren untersetzt sind“, erklärt Lames, und er verspricht: „Insofern alle notwendigen Unterlagen vorliegen, soll die abschließende Bearbeitung in Juli 2020 erfolgen.“

Beim Billard-Verein „Snoobi Dresden“ wartet man indes noch auf eine Großgeräte-Förderung. „Da geht es um die Anschaffung eines Billardtisches“, sagt Snoobi-Vorsitzender Karl-Maria Seyb. Die Zuschüsse für Raummiete und Ehrenamtsunterstützung seien hingegen eingegangen, wenn auch später als erwartet. Beim Volleyballverein VC Olympia Dresden sowie dem Dresdner SC stehen nach SZ-Informationen ebenfalls noch Gelder aus. Wolfgang Söllner, Präsident des Gesamtvereins DSC, will sich zu dem Thema nicht konkret äußern, er sagt nur: „Wir haben mit der Stadt ein sehr gutes Verhältnis und gehen davon aus, dass die Situation bald erledigt ist.“

Dass es tatsächlich vorangeht, kann der TC Saxonia Dresden bestätigen. „Wir haben unseren letzten positiven Bescheid vor wenigen Tagen erhalten“, sagt der Vereinsvorsitzende Christoph Pospiech. Der Tanzclub benötigt für seine Raummiete eine regelmäßige Bezuschussung. Allerdings hat der lange ausbleibende Antragsrückfluss im Verein für „Beunruhigung gesorgt“, bestätigt der Tanzclub-Chef.

Fristen sollten für alle gelten

Auch der Mehrspartenverein USV TU Dresden ist vom Bearbeitungsstau betroffen. „Da geht es unter anderem um Förderung für den Behindertensport“, sagt Heiko Taubenreuther, derzeit stellvertretender Geschäftsführer. Den Großverein an sich mit 29 Abteilungen bringen die ausstehenden Posten nicht in finanzielle Bedrängnis. „Allerdings können unsere Abteilungen in Schwierigkeiten geraten“, stellte Taubenreuther klar. Viele Anträge des USV seien zudem diesmal abgelehnt worden. „Das hat teilweise für Kopfschütteln bei uns gesorgt“, betont er. Auch einige Argumentationen der Stadt kann der USV nicht nachvollziehen. 

Bereits im Dezember 2019 hatte die Abteilung Orientierungslauf für einen Wettbewerb im Februar 2020 eine Förderung beantragt. Die wird nach Taubenreuthers Angaben derzeit nicht bearbeitet oder bewilligt, weil Dresden über eine Haushaltssperre verfügt hat – aber erst seit 21. April dieses Jahres. „Dass den Vereinen mit Fristen die Pistole auf die Brust gesetzt wird, sich die Stadt andererseits aber nicht an Fristen halten muss, finden wir bedenklich“, erklärt Taubenreuther.

Laut Sportbürgermeister Lames werden die Anträge für 2020 vor der Haushaltssperre dennoch weiter berücksichtigt. „Eine Bearbeitung und Bewilligung der noch nicht bewilligten Anträge erfolgt nach Vorgabe der haushaltswirtschaftlichen Sperre und nach Freigabe durch die Stadtkämmerei“, sagt er. Die Vereine sind darüber in einem Schreiben vom 11. Juni informiert worden. Für dieses Kalenderjahr seien bis zum Erlass der Haushaltssperre bislang 132 Anträge bewilligt worden. „Nach Freigabe der gesperrten Mittel erfolgt der Hauptteil der Bewilligungen“, betont Lames.

Verwunderung beim Stadtsportbund

Es gibt jedoch auch Vereine, die ohnehin andere Ursachen sehen. Dass sich die Stadt bei der Verwaltung der Fördermittelanträge zum Beispiel verhoben hat.

Bis 2018 hat der Stadtsportbund Dresden (SSB) über Sonderstadtratsbeschlüsse pro Jahr 125.000 Euro für Projekte im Kinder- und Jugendbereich erhalten und auf Basis einer eigenen Richtschnur an die Vereine weitergereicht. Seit 2019 ist das nicht mehr so. „Die Mittel sind aber rechnerisch im Budget des neuen Sachgebiets Sportförderung enthalten“, erklärt SSB-Geschäftsführer Robert Baumgarten.

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Er verweist auf das seit Jahren funktionierende Prozedere zwischen Freistaat und Landessportbund. „Das Land Sachsen gibt seit Jahren dem Landessportbund fast alle konsumtiven Fördermittel zur Weiterreichung an die Vereine“, so Baumgarten. In Dresden wurde das nun komplett in die Hände des Eigenbetriebs Sportstätten übergeben. Nur funktioniert es offenbar nicht.

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