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Rettung aus schwindelnder Höhe

Was, wenn ein Künstler am Theaterhimmel schwebt und um sein Leben bangt? In der Staatsoperette mussten die Höhenretter der Feuerwehr ran.

Noch sitzt Florian Stoß fest auf seiner fliegenden Zigarre. Doch gleich kommt der schwierige Teil seiner Rettungsaktion in der Staatsoperette Dresden.
Noch sitzt Florian Stoß fest auf seiner fliegenden Zigarre. Doch gleich kommt der schwierige Teil seiner Rettungsaktion in der Staatsoperette Dresden. © Sven Ellger

Morgens um zehn in Deutschland. An Knoppers nicht zu denken, jetzt gibt's Arbeit. Florian Stoß hängt in den Seilen. Genauer gesagt: Er sitzt auf einer übergroßen Zigarre, die wiederum an Metalltauen am Schnürboden der Dresdner Staatsoperette baumelt. Normalerweise ist das der Job der Tänzerinnen, die sich während des Stücks "Hier und jetzt und himmelblau" dort oben verlustieren. 

Nun aber sitzt Florian da und hofft auf einen Schutzpatron von der Feuerwehr. Kameraden sind gleich zehn vor Ort. Alle samt ausgebildete Höhenretter der Dresdner Berufsfeuerwehr. In voller Montur steigen sie hinauf bis zur höchsten Plattform, den der Theaterbau zu bieten hat. Ziemlich genau 25 Meter hoch liegt der Boden, an dem die Winden und Seile befestigt sind, mithilfe derer Vorhänge und Kulissenteile von der Decke hängen - und eben auch sogenannte "Flugwerke", wie Bühnenmeister Christoph Schughart die Objekte nennt. "Die kommen in fast jedem Stück zum Einsatz", sagt er und scherzt: "Das ist modern, seit Helene Fischer in ihren Shows herumfliegt."

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Doch was, wenn ein Künstler, so wie jetzt Florian Stoß, gut zehn Meter über dem Bühnenboden schaukelt und die Technik versagt. Von Hand kurbeln wie im früheren Operettenhaus in Leuben lässt sich hier nichts mehr. Die gesamte Bühnentechnik funktioniert per Computer, wird programmiert und arbeitet automatisiert. In solch einem Fall sind die Höhenretter der Feuerwehr gefragt. 

Loszulassen, in rund zehn Metern Höhe, ist keine leichte Übung - auch nicht, wenn es sich nur um eine solche handelt und ein echter Profi als Retter am Werk ist.
Loszulassen, in rund zehn Metern Höhe, ist keine leichte Übung - auch nicht, wenn es sich nur um eine solche handelt und ein echter Profi als Retter am Werk ist. © Sven Ellger

Insgesamt 45 Kollegen der Berufsfeuerwehr haben die Ausbildung zum Höhenretter absolviert und halten sich mit regelmäßigen Schulungen und Übungen fit. Zunächst absolvierten sie einen 14-tägigen Lehrgang, außerdem müssen sie pro Jahr 72 Stunden mit Praxistraining verbringen. Pro Schicht sind vier Kameraden im Dienst.

"Im vergangenen Jahr waren unsere Höhenretter in 41 Einsätze involviert", erklärt Michael Klahre, Pressesprecher des Brand- und Katastrophenschutzamtes der Landeshauptstadt Dresden. Sie werden nicht nur gerufen, wenn Mensch oder Tier in schwindelnden Höhen festhängen, sondern auch, wenn es beispielsweise um Brandbekämpfung in Hochhäusern geht. Es könnte ja passieren, das Brandopfer nicht mehr übers Treppenhaus oder die Drehleiter geborgen werden können. 

Florian hat inzwischen die längste Zeit auf der Riesenzigarre ausgeharrt. Von oben nähert sich ein Retter. Bei ihm angekommen, hieft er den Verunfallten in eine Art Rettungssitzschale und löst vorsichtig die beiden Gurte, mit denen der junge Mann an seinem Flugobjekt gesichert ist. Vom Schnürboden aus begleiten die anderen Feuerwehrkollegen mit weiteren Sicherungsmaßnahmen die Rettungsaktion. 

Für die sind am Ende alle dankbar: Die Operettenleitung, weil es jederzeit zu einer Havarie kommen könnte und Vorbeugen besser als Heilen ist. Das Höhenrettungsteam, weil es seine Fähigkeiten immer auf Beststand halten möchte und dankbar für geeignete Übungsorte ist. Und natürlich Florian, der nicht aufgrund von Pech und Pannen in diese missliche Lage kam. Er hat sich freiwillig bereit erklärt, das Unfallopfer zu spielen und hatte die seltene Chance, Höhenrettungsprofis im Einsatz am eigenen Leib zu erleben.

www.staatsoperette-dresden.de

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