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Darum stoppt Dresden den Rathausneubau

Sachsens Denkmalschutz äußert schwerwiegende Einwände gegen das Projekt. Knackpunkt ist offenbar die Höhe des Turms.

Wie hoch wird der Turm des neuen Rathauses auf dem Ferdinandplatz werden?
Wie hoch wird der Turm des neuen Rathauses auf dem Ferdinandplatz werden? © Barcode Architects

In sechs Jahren soll das neue Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz eröffnen. Die Stadt plant, dort 1.400 Mitarbeiter unterzubringen. Sie ziehen zum Teil aus dem Rathaus am Külz-Ring aus, was dann weiter saniert wird. Doch ob dieser zeitlich eng abgesteckte Plan noch aufgeht, ist fraglich. Denn das Landesamt für Denkmalpflege hat jetzt schwerwiegende Einwände gegen den Neubau vorgebracht. Konkret geht es um die Höhe des geplanten Turmes.

Zwischen 30 und 43 Meter hoch soll der Turm des neuen Rathauses werden. So hatte es der Stadtrat im Februar beschlossen. Schon das war ein Kompromiss. Vorangegangen waren heftige Debatten über die Höhe. Die Verwaltung selbst hatte zunächst einen bis zu 60 Meter großen Hochpunkt vorgeschlagen. So hatte Linke Stadtrat Tilo Wirtz mehrfach gemahnt, dass sich der schieben dürfe. Auch zur 43-Meter-Variante äußerte er Bedenken, da ein so hoher Turm immer noch die Frauenkirche verdecken würde, stehe man auf der Südhöhe.

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Nicht höher als das Rathausdach

Auch das Landesamt für Denkmalpflege hat ein Problem mit dem Kompromiss. Sprecherin Sabine Webersinke bestätigte einen Bericht, wonach die Behörde, die im Zuge der Planungen angehört wird, denkmalschutzrechtliche Einwände habe. Welche genau, wollte sie nicht sagen. Derzeit liefen Gespräche mit der Stadt.

Laut SZ-Informationen soll sich der Widerspruch gegen die Höhe des Turmes richten. Offenbar soll dieser nicht die Höhe des gegenüberliegenden Rathausdachses überschreiten. Damit würde das Denkmalamt der Forderung der Neumarkt-Wächter folgen, die sich ebenfalls für die Firsthöhe des alten Rathauses als Maßstab ausgesprochen haben. Die Dachspitze befindet sich in einer Höhe von knapp 39 Metern. Somit müsste der Turm des neuen Verwaltungszentrums um weitere vier Meter abgesägt werden. Das würde Bürofläche kosten und damit auch verfügbare Arbeitsplätze.

Rechtlich bindend sind die Einwände der Denkmalpfleger zwar nicht. Trotzdem hat die Stadtverwaltung das Vergabeverfahren für den Neubau jetzt gestoppt. Man wolle die Bedenken konstruktiv mit den zuständigen Behörden klären, sagte Stadtsprecher Kai Schulz am Dienstag. Er bat um Verständnis, dass er keine näheren Angaben zu den laufenden Gesprächen machen werde. Auch das Denkmalamt betonte, dass es derzeit eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt gebe.

Stadträte reagieren verärgert

Aus der Verwaltung ist zu hören, dass eine Klärung der verfahrenen Situation absolute Priorität habe. Noch ist unklar, wie stark der Zeitplan gefährdet ist. Die Stadt hatte Anfang des Jahres reichlich Druck gemacht, um nicht nur das fehlende Grundstück auf dem Ferdinandplatz zu kaufen, sondern auch den Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Zurzeit ist die Verwaltung mit ihren gut 6.500 Mitarbeitern auf mehr als 50 Standorte quer über das Stadtgebiet verteilt. Das Sozialamt befindet sich zum Beispiel in Striesen, das Schulverwaltungsamt in der Johannstadt, das Gesundheitsamt in der Ostra-Allee. Zur Unterbringung sind Gebäude gemietet worden. Dafür zahlt die Stadt knapp 5,7 Millionen Euro im Jahr. Einige Mietverträge laufen 2025 aus.

Sehr unterschiedlich ist der Vergabe-Stopp bei den Stadtratsfraktionen aufgenommen worden. „Seit Monaten raunt es durch die Rathausflure, dass die Stellungnahme der Denkmalpflege zum geplanten Verwaltungszentrum vernichtend ist“, reagiert Tilo Wirtz auf den Vergabestopp. Er frage sich, warum jetzt erst reagiert werde. „In Zukunft werden wir keinem Vorhaben an dieser Stelle zustimmen, welches eine Störung des Stadtbildes verursacht. Die weltbekannte Frauenkirche darf nicht verdeckt werden.“

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Kaum Verständnis will FDP-Fraktionschef Holger Zastrow für die Einwände der Denkmalpfleger aufbringen. „Es ist ja interessant, dass sich jetzt das Landesdenkmalamt meldet, nachdem das Projekt und vor allem die Höhe des Turmes sehr intensiv diskutiert und untersucht worden sind“, sagt er. Wieder einmal stünden sich die Behörden gegenseitig auf den Füßen.

In einem nächsten Schritt sollten Architekten ihre Entwürfe für das neue Verwaltungszentrum einreichen. Diese wären anschließend von einer Jury sowie von der Dresdner Öffentlichkeit bewertet worden.

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