merken
PLUS Dresden

Das Ende von Dresdens Klärgestank?

Die Dresdner Stadtentwässerung hat nach Jahren endlich die Lösung für ein Problem im Kaditzer Klärwerk. Wie diese funktioniert.

Ralf Strothteicher, Chef der Stadtentwässerung, ist froh, dass endlich eine Lösung für den Schlammgestank umgesetzt werden kann. An die Anlage, wo der ausgefaulte Klärschlamm zum Abtransport verladen wird, kommt ein Spezialfilter.
Ralf Strothteicher, Chef der Stadtentwässerung, ist froh, dass endlich eine Lösung für den Schlammgestank umgesetzt werden kann. An die Anlage, wo der ausgefaulte Klärschlamm zum Abtransport verladen wird, kommt ein Spezialfilter. © Foto: Marion Doering

Dresden. Die Stadtentwässerung investiert viel, damit Dresdens Abwässer ordentlich gereinigt werden. So wurde das Klärwerk seit der Wiedervereinigung für knapp 400 Millionen Euro ausgebaut. Viel wurde auch dafür getan, dass es nicht zu stark stinkt. Den entscheidenden Fortschritt gab es 2012 mit den eiförmigen Faultürmen. Dadurch musste der Klärschlamm nicht mehr mit Erdgas erhitzt und getrocknet werden. 

Doch 2016 kam der Rückschlag. Wie früher zogen wieder Wolken von Schlammdunst über Kaditz, meldeten sich verärgerte Anwohner. Seitdem hat die Stadtentwässerung viel unternommen, um das Problem zu lösen. 

Anzeige
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken

schaffer-mobil feiert 30. Jubiläum. Es warten Workshops, Top-Neuheiten und jede Menge Angebote. Vor allem Gebrauchte werden zum Schnäppchen.

Ein Blick auf die eiförmigen Faultürme. Sie haben einen entscheidenden Fortschritt gebracht. Dort fault der Klärschlamm mithilfe von Bakterien wie in einem großen Topf.
Ein Blick auf die eiförmigen Faultürme. Sie haben einen entscheidenden Fortschritt gebracht. Dort fault der Klärschlamm mithilfe von Bakterien wie in einem großen Topf. © SZ/Peter Hilbert

Die Ursache: Erwärmter Klärschlamm stinkt beim Verladen

Die Stadtentwässerung hatte umfangreiche Messungen durchgeführt, erläutert Geschäftsführer Ralf Strothteicher. Letztlich stellte sich die wichtigste Ursache heraus. Der in den beiden großen Faultürmen ausgereifte Klärschlamm wird vor dem Abtransport in Zentrifugen, das sind große Schleudern, entwässert. Zuvor wird er jedoch von 36 auf 50 Grad erwärmt. Diese Vorerwärmung war die Ursache des Geruchs.

Dieser Schritt bringt aber erhebliche Vorteile. Denn durch diese Erwärmung kann der Anteil der trockenen Substanz im Klärschlamm von 28 auf 31 Prozent erhöht werden. Rund 42.000 Tonnen Klärschlamm werden jährlich auf Kompostieranlagen und als Brennstoff für Braunkohlekraftwerke oder für die Zementindustrie entsorgt. Ist der Klärschlamm durch die Erwärmung trockener, müssen 1.200 bis 1.500 Tonnen weniger abtransportiert werden, was bis zu 60 Lkw-Ladungen entspricht.

Als Übergangslösung wurde unter anderem darauf verzichtet, den Klärschlamm vorm Schleudern in den Zentrifugen zu erwärmen. Außerdem werden an der Verladestation nach dem Prinzip von Toiletten Duftstoffe aus Düsen aufgesprüht. Dadurch konnte die Geruchsbelastung bereits deutlich gesenkt werden.

Am Ende der Schlammbehandlung steht die Verladung. Aus großen Silos der Verladestation wird der Schlamm auf Lkws gefüllt. Dabei wird der Spezialfilter künftig die Abluft reinigen.
Am Ende der Schlammbehandlung steht die Verladung. Aus großen Silos der Verladestation wird der Schlamm auf Lkws gefüllt. Dabei wird der Spezialfilter künftig die Abluft reinigen. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Der Plan: UV-Strahlen „knacken“ chemische Verbindungen

Für die endgültige Lösung hatten zwei Ingenieurbüros mehrere Varianten untersucht. Letztlich entschied sich die Stadtentwässerung für eine Abfluftbehandlungsanlage, die folgendermaßen funktioniert: An der Schlammverladung werden die oberen Bereiche der Silos an Rohre angeschlossen. Darunter, wo der Schlamm auf die Lkw verladen wird, kommt eine große Dunstabzugshaube. So kann die Luft abgesaugt werden. In einer Anlage neben der Schlammverladung, die etwa so groß wie eine Garage ist, werden die Gerüche entfernt.

„Das geschieht in drei Stufen“, erklärt Strothteicher. In einer ersten Stufe entfernen Staubfilter die groben Partikel. Im nächsten Schritt „knacken“ UV-Strahlen die chemischen Verbindungen und in einer dritten Stufe entfernen Aktivkohlefilter die Geruchsstoffe, die bei der UV-Bestrahlung gelöst wurden. Bis zu 12.000 Kubikmeter Abluft können so stündlich gereinigt werden.

An diesem großen Behälter gibt es bereits so eine Abluftbehandlungsanlage, in der die Gerüche beseitigt werden.
An diesem großen Behälter gibt es bereits so eine Abluftbehandlungsanlage, in der die Gerüche beseitigt werden. © SZ/Peter Hilbert

Der Test: Gerüche fast vollständig beseitigt

Zwar habe die Stadtentwässerung schon jahrelange Erfahrung mit dieser Technologie zur Geruchsentfernung, da sie an der Schlammbehandlung eingesetzt wird. „Geruchsstoffe an der Verladestation können aber andere Zusammensetzungen haben“, sagt der Geschäftsführer. Deshalb wurde dort von Oktober bis Dezember 2019 eine mobile Anlage getestet. „Die Gerüche wurden fast vollständig beseitigt. Dadurch waren wir sicher, dass diese Art der Abluftreinigung die richtige physikalisch-chemische Methode ist.“

Der Bau: Im April 2021 funktioniert neue Anlage

Ab Dezember soll die Abluftbehandlungsanlage installiert werden. Geplant ist, dass sie im März kommenden Jahres steht und spätestens im April in Betrieb genommen wird. Dafür investiert die Stadtentwässerung rund 1,4 Millionen Euro.

Das ist die Filteranlage für die Abluft der Schlammbecken im Untergrund, die bereits erneuert wurde. Nächstes Jahr wird sie durch eine neue Anlage mit der doppelten Kapazität ersetzt, die 12.000 Kubikmeter Abluft stündlich reinigen kann.
Das ist die Filteranlage für die Abluft der Schlammbecken im Untergrund, die bereits erneuert wurde. Nächstes Jahr wird sie durch eine neue Anlage mit der doppelten Kapazität ersetzt, die 12.000 Kubikmeter Abluft stündlich reinigen kann. © Marion Doering

Die zweite Lösung: Neue Filteranlage für Schlammspeicher

Die Stadtentwässerung errichtet zudem eine zweite, baugleiche Anlage in der Nähe. Denn zur Behandlung der Abluft bei der Schlammbehandlung gibt es eine alte Filteranlage, die aber nur 6.000 Kubikmeter Abluft pro Stunde reinigen kann. Sie entfernt Gerüche aus der Abluft von fünf etwa 20 Meter großen Becken direkt neben der Autobahn. In drei Becken setzt sich der Klärschlamm ab, der später in die Faultürme kommt. In den beiden anderen Behältern wird der ausgereifte Schlamm gesammelt, bevor er am Ende noch in großen Zentrifugen ausgeschleudert wird. 

Ein Blick auf die fünf Schlammbecken direkt neben der Autobahn.
Ein Blick auf die fünf Schlammbecken direkt neben der Autobahn. © Marion Doering

Weiterführende Artikel

Gewaltige Rohrtrasse zum Klärwerk wächst

Gewaltige Rohrtrasse zum Klärwerk wächst

Im Herbst beginnt die Sanierung des letzten Abschnitts des Neustädter Hauptkanals in Dresden. Wie große Sperrungen verhindert werden.

Klärwerk Kaditz reinigt mehr Abwasser

Klärwerk Kaditz reinigt mehr Abwasser

Der Anschluss von Wilsdruff mit einem Elbtunnel wurde jetzt auch offiziell übergeben. 

Funktioniert die Filteranlage nicht richtig, kann es kräftig stinken. Das war 2016 so, als sie ausfiel. Anfang 2017 war sie komplett erneuert worden. Damit war das Problem zwar gelöst. „Eine Prüfung hat aber ergeben, dass die doppelte Kapazität nötig ist“, erläutert Strothteicher. Schließlich habe sich die Dresdner Industrie stark entwickelt und auch die Einwohnerzahl wächst. Deshalb wurde die Kläranlage erweitert. „Die Abluftbehandlung muss den neuen Anforderungen angepasst werden.“ Deshalb wird die alte unterirdische Anlage durch eine neue neben den Schlammbecken ersetzt, die 12.000 Kubikmeter stündlich reinigen kann. Die Montage beginnt im Februar 2021 und wird zur Jahresmitte abgeschlossen. Dafür werden weitere 1,3 Millionen Euro investiert.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden