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Dresden: Tabu für Hundehaufen

Die Elbwiesen in Tolkewitz sind bei Hundebesitzern sehr beliebt. Das bringt allerdings Probleme mit sich. Was der Eigentümer dagegen unternimmt.

Mit diesen Verbotsschildern will die Drewag verhindern, dass das Trinkwasserschutzgebiet auf den Tolkewitzer Elbwiesen mit Hundehaufen verunreinigt wird. Tierfreunde kritisieren die Schilder.
Mit diesen Verbotsschildern will die Drewag verhindern, dass das Trinkwasserschutzgebiet auf den Tolkewitzer Elbwiesen mit Hundehaufen verunreinigt wird. Tierfreunde kritisieren die Schilder. © René Meinig

Dresden. Das Verbotsschild ist eindeutig: Hier dürfen keine Hundehaufen liegen bleiben. Seit Kurzem sind solche Schilder auf der Elbwiese zwischen Tolkewitz und Laubegast zu sehen. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte - nämlich die Hinterlassenschaft seines Vierbeiners mitzunehmen - ist auf den Dresdner Elbwiesen immer wieder ein Problem. In Tolkewitz ist das allerdings besonders speziell, denn das Areal neben dem Wasserwerk ist ein sogenanntes Wasserschutzgebiet. 

Deshalb hat der Eigentümer Drewag dort nun die Schilder aufstellen lassen, die einen Hund beim Verrichten seines Geschäftes zeigen. Das Ganze ist durchgestrichen: "Hier ist kein Hundeklo" - so die Forderung. Dabei handelt es sich zwar nicht um ein offizielles deutsches Vorschriftszeichen, Grundstückseigentümer nutzen diese Hinweisschilder aber häufig und Hundebesitzer müssen sich an die Weisungen halten. 

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Die Schilder wurden Anfang August im Bereich der Brunnen angebracht, teilt Drewag-Sprecherin Gerlind Ostmann auf Anfrage mit. "Es soll zu den schon stehenden rund 20 Schildern 'Trinkwasserschutzgebiet' ein zusätzlicher, leicht verständlicher Hinweis an die Hundebesitzer sein, da unsere Möglichkeiten, den Trinkwasserschutz praktisch umzusetzen, stark begrenzt sind."

Die Wiesen seien zunehmend Hundespiel- und Gassiplatz - mit den entsprechenden Hinterlassenschaften. "Diese sind nicht nur aus hygienischer Sicht ärgerlich, sondern erschweren auch die Unterhaltungsarbeiten an und um die Brunnen", so die Sprecherin weiter. Drewag-Mitarbeiter würden regelmäßig Hundekot auf Brunnendeckeln beseitigen, aber auch Hundetüten mit entsprechendem Inhalt. "Wir dürfen das Gelände wegen der Lage im Überflutungs- und Landschaftsschutzgebiet nicht einzäunen."

Ob sich die Situation mit den neuen Schildern auf den Tolkewitzer Elbwiesen bessert, bleibt abzuwarten. Man habe bisher ja schon gesehen, dass Schilder nur bedingt helfen, Spaziergänger und Hunde aus dem Trinkwasserschutzgebiet und vor allem von den Brunnen fernzuhalten, so Gerlind Ostmann. 

Hundebesitzer fühlen sich verurteilt

Die Schilder rufen nun wiederum eine verärgerte Hundebesitzerin auf den Plan. Sie fühlt sich und andere Hundebesitzer an den Pranger gestellt. "Warum sind wir immer die Buhmänner", fragt die Tolkewitzerin. "Es macht mich maßlos wütend und traurig, dass die Verursacher anderen Mülls nicht per Schild angesprochen werden", meint sie mit Blick auf liegengelassene Flaschen oder Grill-Utensilien. "Wo bleiben die Schilder, auf denen steht: 'Grillen verboten'?"

Für sie sei es selbstverständlich, die Hinterlassenschaften ihres Hundes nicht nur auf den Gehwegen, sondern auch auf den Elbwiesen oder in anderen Grünanlagen aufzulesen und in einen entsprechenden Mülleimer zu werfen. Was sie gleich auf das nächste Problem bringt: Solche Abfallbehälter fehlen an vielen Stellen - auch auf den Elbwiesen. "Ich bin bereit, die Haufen meiner Hunde zu entsorgen. Aber ich bin nicht bereit, diese dann stundenlang mit mir herumzutragen." Es müssten ja auch gar nicht unbedingt Tütenspender aufgestellt werden, mehr Müllbehälter aber schon, schreibt sie an das Ordnungsamt.

Seit 1999 gibt es diese speziellen Hundekotbehälter in Dresden, rund 25.000 Euro investiert die Landeshauptstadt jährlich in 57 Stück. Das Problem: Oft werden sie falsch genutzt, es landet allerlei anderer Müll in den Behältern, sodass sie schnell voll sind. Oder die Tüten - pro Jahr bestückt die Stadt die Behälter mit mehr als 1,2 Millionen schwarzen Beutelchen - werden einfach geklaut.

Nicht der erste Hunde-Problemfall auf den Elbwiesen

Die Debatte um Hunde wird in Dresden seit Jahren geführt, die Argumente von Tierliebhabern und jenen, die Hunde lieber nicht in der Stadt hätten, sind stets dieselben. Hundebesitzer wünschen sich etwa mehr Angebote, auch in Bezug auf Flächen, wo ihre Vierbeiner ohne Leine laufen dürfen. Für eine jährliche Hundesteuer von rund 100 Euro werde eindeutig zu wenig getan, findet auch die Tolkewitzerin. Mehr als 14.000 Hunde gibt es derzeit in der Landeshauptstadt. 

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In Tolkewitz ist das übrigens nicht der erste Hunde-Problemfall in diesem Bereich der Elbwiesen. Vor Jahren sorgte die Drewag schon einmal für erboste Kommentare unter den Dresdner Hundehaltern, die dort mit ihren Vierbeinern spazieren gehen. Denn plötzlich versperrte ein Zaun entlang der Tolkewitzer Straße den direkten Zugang auf die Wiese. Auch damals ging es dem städtischen Versorger darum, den sensiblen Bereich zu schützen. Weil Verbotsschilder nicht die entsprechende Wirkung zeigten, wurde zumindest an dieser einen Seite der Wiese der Zaun aufgestellt.

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