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Wie viele Schüler hatten schon Corona?

Dresdner Oberschüler und Gymnasiasten sind aufgefordert, sich für eine Studie Blut abnehmen zu lassen. Sie soll zeigen, wie sehr das Virus schon unter uns ist.

Fünf Milliliter Blut wollen Ärzte des Dresdner Uniklinikums Schülern abnehmen, um es auf Antikörper zu untersuchen.
Fünf Milliliter Blut wollen Ärzte des Dresdner Uniklinikums Schülern abnehmen, um es auf Antikörper zu untersuchen. © dpa

Dresden. Nach wochenlangem Schulunterricht daheim haben sich nicht nur Schüler, sondern auch Eltern über den Schulstart am 18. Mai gefreut. Nun geht die zweite Woche in den sächsischen Klassenzimmern zu Ende, und das Hygiene-Prozedere gehört zum Alltag. Trotzdem sorgen sich Mütter und Väter darum, dass das dichte Beisammensein der Kinder und Jugendlichen die Gefahr, sich mit Corona zu infizieren, fördert.

Jetzt sollen zwei Studien einen möglichst genauen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 abbilden. Dazu starten das Dresdner Universitätsklinikum und Leipziger Uni-Mediziner ab dieser Woche breit angelegte Untersuchungen. Mitte Mai hat das Klinikum Dresdner Schüler und ihre Eltern angeschrieben und um Beteiligung an der "SchoolCovid19" Studie gebeten.

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Schulkinder seien aufgrund ihrer vielen sozialen Kontakte von besonderem Interesse, heißt es da. Deshalb soll ab Öffnung der Schulen und über einen Zeitraum von sechs Monaten erhoben werden, wie viele Schüler bereits Antikörper gegen Sars-Cov-2 gebildet haben, also infiziert waren. Daraus wollen Wissenschaftler und Politiker ableiten, welche Schutzmaßnahmen gegen das Virus effektiv sind. Um das sagen zu können, müssen Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Studien einfließen, auch Schüler und Lehrer. 

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Angesprochen sind nun Schülerinnen und Schüler der 8. bis 11. Klassen. Nicht nur in Dresden sollen Mädchen und Jungen getestet werden. Untersuchungen finden auch an Schulen in Leipzig, Zwickau und Bautzen statt. In Auftrag gegeben hat die beiden Studien das Sächsische Kultusministerium.

In dieser Woche sollen die ersten Untersuchungen zur School-Covid-Studie starten. Sie sind absolut freiwillig, wie die Verantwortlichen der Dresdner Uniklinik betonen. In Betracht kommen Schüler, die keine Symptome haben. Ihnen nehmen mobile Ärzte-Teams jeweils fünf Milliliter Blut ab, um es auf Antikörper zu untersuchen. Zuvor testen sie per Abstrich aus dem Rachen, ob eine aktive Infektion vorliegt. Dass nur Probanden ohne Anzeichen für die Krankheit infrage kommen, hat folgenden Grund: "Das schafft zusätzlich Klarheit in Bezug auf die umstrittene tatsächliche Häufigkeit symptomfreier Infektionen speziell bei Kindern", erklärt der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig, Professor Wieland Kiess.

Wenn sich im Blut eines Schülers keine Antikörper nachweisen lassen, soll die Untersuchung nach sechs bis zehn Wochen wiederholt werden, heißt es im Schreiben der Dresdner Uniklinik an die ausgewählten Schüler. Bleibt sie wieder ohne Antikörpernachweis, wiederholen die Ärzteteams den Test drei bis sechs Monate später erneut. 

Begleitend zur Blutanalyse befragen die Forscher die Schüler nach ihrem konkreten Alter, nach eventuellen Vorerkrankungen, danach, ob sie regelmäßig Medikamente einnehmen. Relevant sind laut Uniklinik Dresden ebenfalls, wie viele Familienmitglieder im Haushalt leben und wie alt Geschwister sind. Auch der Beruf der Eltern und ihre Postleitzahl wird nach Möglichkeit in einer zentralen Datenbank erfasst. 

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All diese Angaben sind freiwillig und werden ohne Vor- und Zunamen, sondern nur mit einem Zahlen-Buchstabencode in der Datenbank des forschenden Zentrums aufbewahrt. Lediglich Ärzte dürfen die Codes mit dem jeweiligen Namen identifizieren. Ob Reste des abgenommenen Blutes für spätere weitere Untersuchungen aufbewahrt werden dürfen, darüber entscheidet jeder Schüler beziehungsweise seine Eltern. Maximal zehn Jahre lang ab Auswertung und Publikation werden die Daten gespeichert.

Schon Anfang Mai hatte das Sächsische Kultusministerium in einer Mitteilung Studien unter Lehrern und Schülern angekündigt. Der Freistaat Sachsen ermögliche allen Lehrerinnen und Lehrern einen freiwilligen Test auf Corona, wenn sie wieder an Schulen tätig sind. Ab dem 1. Juni werde das Testangebot starten. Lehrer sollen dafür zu ihrem Hausarzt gehen, wenn die Krankenkasse nicht aufkommt, trägt die Kosten der Freistaat, heißt es in der Information. Auch von Studien unter Schülern war da die Rede.

Einige Eltern hatten daraufhin die rasche Öffnung der Schulen, insbesondere die weniger strengen Hygieneregeln an Kitas und Grundschulen, mit den Forschungsplänen in Verbindung gebracht und in sozialen Netzwerken von "Versuchskaninchen" gesprochen. Man lasse die Kinder dicht beieinander spielen und  lernen, um dann die Auswirkungen zu studieren, behaupteten User. Die Studie bezieht jedoch ausschließlich Oberschüler und Gymnasiasten ein. An diesen Schulen herrschen die allgemeinen Hygienevorschriften wie überall im öffentlichen Leben. 

Zu abweichenden Erklärungen der Beteiligten Instanzen war es im Vorfeld gekommen, weil Zuständigkeiten und Finanzierungen erst noch zugeordnet werden mussten, erklärt ein Sprecher des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus auf Anfrage der SZ. 

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