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Dresdner Robotron-Relikt fällt

Das blaue Bürohaus am Pirnaischen Platz soll doch nicht saniert werden. Was die Eigentümer auf der Fläche vorhaben.

Das Pirnaische Tor, der blaue Büroriegel am Pirnaischen Platz in Dresden, soll abgerissen werden.
Das Pirnaische Tor, der blaue Büroriegel am Pirnaischen Platz in Dresden, soll abgerissen werden. © Sven Ellger

Dresden. Ein weiterer Baustein des ehemaligen Robotron-Kombinats in Dresden fällt. Das blau-weiße Bürohaus, das sich vom Pirnaischen Platz bis zur Lingnerallee erstreckt, soll abgerissen werden. Das teilte die Eigentümerin, die TLG Immobiliengesellschaft, der Gestaltungskommission mit.

In dem Riegel sind unter anderem 450 Mitarbeiter der Dresdner Stadtverwaltung, ein Computertechnik-Markt und ein Autoverleih untergebracht. Eigentlich sollte die Verwaltung schon 2019 ausziehen. Dann einigte man sich aber mit der TLG, dass man solange warte, bis das neue Rathaus am Ferdinandplatz steht. Das soll 2025 der Fall sein. Mit Auslaufen des Mietvertrages endet die Gnadenfrist für das "Pirnaische Tor".

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In der Vergangenheit wurde spekuliert, das Haus könnte erhalten und saniert werden. Inzwischen plant die TLG an selber Stelle jedoch einen neuen Gebäudekomplex und spricht von einem Bürostandort. Im Erdgeschoss sei eine öffentlich zugängliche Nutzung vorgesehen, beispielsweise in Form von Läden. 

Zwei Türme, reichlich 30 Meter hoch

Darüber plant das Immobilienunternehmen Büros. Man wolle an den innovativen und zeitgemäßen Robotron-Büro- und Produktionsstandort anknüpfen, der hier in den 1960er- und 1970er-Jahren entstand, so die Verantwortlichen. Sie sprechen von einem untergliederten Stadtbaustein mit zwei gut 30 Meter großen Hochpunkten am Pirnaischen Platz und an der Lingnerallee. Diese wären dann so hoch wie das neue Verwaltungszentrum schräg gegenüber auf dem Ferdinandplatz. Die alten V-Stützen, die als typisch für den damaligen Baustil gelten, sollen erhalten und in den Neubau integriert werden. Über das konkrete Aussehen werde im Rahmen eines Architekturwettbewerbs entschieden. Die Ergebnisse sollen in den Bebauungsplan einfließen, der aktuell entworfen wird.

So vage die Informationen über das zukündtige Aussehen noch sind: Die Gestaltungskommission, die in Dresden Neubauvorhaben bewertet, hat klare Empfehlungen an die Investoren. Es dürfe keine Monotonie entstehen, so die Stadtplaner, Architekten und Stadträte, die dem Gremium angehören. "Die Kleinteiligkeit und Differenziertheit innerhalb eines großen Ganzen soll ein wichtiges Thema sein, welches mit der Aufgabenstellung zum Fassadenwettbewerb auch deutlich vermittelt werden muss", rät die Kommission.

Nicht nur im Inneren des Gebäudes verbergen sich architektonische Schätze wie die V-Stützen, auch vor dem Haus legten die Planer Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre Wert auf Kunst.
Nicht nur im Inneren des Gebäudes verbergen sich architektonische Schätze wie die V-Stützen, auch vor dem Haus legten die Planer Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre Wert auf Kunst. © Sven Ellger

Dabei zeigt sich die Gestaltungskommission keinesfalls abgeneigt, architektonische Highlights des alten Robotron-Riegels in den Neubau zu integrieren. "Die Übernahme oder Übersetzung von gestalterischen Motiven aus dem Bestand, zum Beispiel die V-Stützen im Erdgeschoss, kann zur Identifikation der neuen Bebauung am bestehenden Standort beitragen."

Auch die beiden Türme lehnt die Kommission nicht von vornherein ab. "Die Hochpunkte scheinen richtig gesetzt zu sein, sollten allerdings im Detail im Rahmen des beabsichtigten Fassadenwerkstattverfahrens und im Zusammenhang mit dem Hochhausleitbild der Stadt nochmals geprüft werden."

Nur Kantine wird noch an Robotron-Stätte erinnern

Was den Mitgliedern des Gremiums imponiert, ist die geplante Kühlung des neuen Hauses mittels gespeichertem Regenwasser. Auch der grüne Innenhof findet Gefallen. Der Gedanke zur Optimierung von Energie- und Ressourceneinsatz erscheine nachvollziehbar und überzeuge, heißt es etwas nüchtern.

Gebaut wurde das Pirnaische Tor zwischen 1969 und 1972. In dem Haus war früher die Leitung des Robtron-Kombinats untergebracht. Das Haus sowie das Atrium I, in dem sich die Cityherberge befindet, und die ehemalige Robtron-Kantine sind die einzigen baulichen Reste des ehemaligen DDR-Elektronikunternehmens. Die übrigen Gebäude, darunter das Atrium II an der Bürgerwiese und das alte Rechenzentrum, haben bereits Platz für Neubauten gemacht. 

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So plant die Düsseldorfer Gerch-Gruppe an dieser Stelle den sogenannten Lingner-Altstadtgarten. Dafür soll auch das Atrium I fallen. Das Quartier sollte ursprünglich bis zu 3.000 Wohnungen umfassen. Für einen Teil besteht bereits Baurecht. Beginnen werden die Arbeiten aber nicht vor 2021, wie ein Sprecher sagte. Für den städtebaulichen Entwurf konnte vor dem Grundstücksverkauf der Architekt Peter Kulka gewonnen werden. Noch keinen Plan gibt es für die Kantine. Die Stadt wollte sie eigentlich sanieren. Im Zuge der Corona-Krise und den knappen Finanzen will sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) von diesem Vorhaben jedoch zurückziehen.

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