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Tolkewitzer befürchten Verkehrschaos

Wenn die Wehlener und Österreicher Straße saniert werden, sollen Tausende Autos, Lkw und Busse durchs Wohngebiet rollen. Dabei gäbe es eine Alternative.

CDU-Stadtrat Peter Krüger auf der Lewickistraße. Geht es nach den Plänen der Stadt, führt der Umleitungsverkehr hier quer durch das Wohngebiet.
CDU-Stadtrat Peter Krüger auf der Lewickistraße. Geht es nach den Plänen der Stadt, führt der Umleitungsverkehr hier quer durch das Wohngebiet. © Archiv: Christian Juppe

Dresden. Stoßstange an Stoßstange reihen sich parkende Autos auf der Toepler- und der Lewickistraße aneinander. "Das ist ein reines Wohngebiet. Klar, dass die Bewohner ihre Autos hier abstellen", sagt Peter Krüger. Der CDU-Stadtrat lebt schon lange in Tolkewitz. Doch was nun auf die Anwohner zukommen soll, bereitet ihm Sorge. 

Während der Sanierung des letzten Teilstückes der Wehlener Straße und der angrenzenden Österreicher Straße soll die Umleitung durch die engen Wohngebietsstraßen und weiter über eine provisorische Straße durch das Landschaftsschutzgebiet Altelbarm nach Laubegast führen. Jeweils eine Richtung wird über die Lewickistraße geleitet,  die andere über die Toeplerstraße. Rund 17.000 Fahrzeuge täglich müssen die Tolkewitzer Nebenstraßen dann aufnehmen. Darunter auch die Ersatzbusse für die Straßenbahnlinien 4 und 6.  

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Mindestens anderthalb Jahre Bauzeit

Für Peter Krüger ist das unvorstellbar. Zumal von einer 18-monatigen Bauzeit ausgegangen wird. "Dass die Sanierung der beiden Straßen dringend erforderlich ist, steht außer Frage. Doch das kann nur unter zumutbaren Bedingungen für die Anwohner passieren", sagt er. Krüger fordert deshalb gemeinsam mit der Bürgerinitiative Toeplerpark, die Umleitungsstrecke über die Marienberger und Bodenbacher Straße weiter zur Pirnaer Landstraße und über die Salzburger Straße zu führen.    

Das hatte die Stadt allerdings schon mehrfach abgelehnt, weil diese Straßen in zu schlechtem Zustand für die Umleitung seien. Doch noch wäre Zeit, sie zu verbessern, sagt Krüger. Gemeinsam mit vielen anderen Anwohnern hat er seine Einwendungen und Anregungen an die Landesdirektion (LDS) geschrieben. Denn derzeit befindet sich das Vorhaben mitten im Planfeststellungsverfahren, vor wenigen Wochen endete die Einreichungsfrist. "Nach Sichtung der Einwendungen werden die Gegenstellungnahmen der Stadt angefordert. Wenn diese vorliegen, werden die Einwendungen auf einem Termin erörtert", sagt Ingolf Ullrich, der stellvertretende Pressesprecher der LDS. Bei diesem Termin sitzen sich dann die Bürger und die Vorhabenträgerin, also die Stadt, gegenüber. Moderiert wird es von Mitarbeitern der LDS. Nach dem Austausch der Argumente wird die LDS dann den Planfeststellungsbeschluss erstellen. Wann das sein wird, steht noch nicht fest.  

Stadt bleibt bei ihrer Meinung

Die Stadt indes bleibt bei ihrer favorisierten Umleitungsvariante durch das Tolkewitzer Wohngebiet und das Landschaftsschutzgebiet, obwohl Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) dies in früherer Zeit kritisch gesehen hat. "Wie bei jeder Planung werden Alternativen geprüft und die Vor- und Nachteile jeder Variante gegeneinander abgewogen. Alle Fachämter wurden in die Planung einbezogen und deren Stellungnahme eingeholt", schreibt das Straßen- und Tiefbauamt auf SZ-Anfrage.

Krüger vermutet, dass dies auch dem Wunsch der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) geschuldet ist, die sich gegen die Umleitung über die Marienberger und Pirnaer Landstraße ausgesprochen hatten. Weil diese Strecke wesentlich länger ist, müssten die DVB einen zusätzlichen Bus einsetzen, was mehr Geld kostet. "Aber vor allem würde sich die Fahrtzeit deutlich verlängern und so würden wir für die Fahrgäste weniger attraktiv  sein", sagt DVB-Sprecher Falk Lösch. Er betont, dass die Interimsstraße durch das Landschaftsschutzgebiet nach der Sanierung wieder beseitigt wird. 

Ob die Landesdirektion allerdings den Umleitungsverkehr durch den Altelbarm genehmigt, muss jetzt erst das Verfahren zeigen. "Als Alternative liegt auch eine großräumige Umleitungsstrecke vor. Welche Lösung für die Verkehrsführung genehmigt wird, bleibt dem Planfeststellungsbeschluss in Auswertung des Erörterungstermins vorbehalten", sagt Ingolf Ulrich. 

Stadtrat Krüger will jetzt in seiner Bürgersprechstunde Unterschriften für ein Petition sammeln, die den sofortigen Stop der Planungen der Interimsstraße durch das Landschaftsschutzgebiet fordert. "Hier müssen die Belange der Anwohner sowie des Umwelt- und Naturschutzes größeres Gewicht bekommen als die des Verkehrs", sagt er. "Von Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain bin ich enttäuscht. Er hatte versprochen, die Bürger mitzunehmen, wenn an der Wehlener und Österreicher Straße weitergeplant wird", sagt Krüger. Doch es habe nicht eine Bürgerversammlung gegeben.

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Der Ausbau der Wehlener und Österreicher Straße soll rund 20 Millionen Euro kosten. Das soll mithilfe von Fördermitteln für die Hochwasserschadensbeseitigung 2013 erfolgen. Die Stadt geht von einer Bauzeit von 18 Monaten aus. Wann sie beginnen soll, ist derzeit noch völlig offen.

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