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Busdemo im Dresdner Morgenverkehr

Den Demonstranten geht es um die Zukunft der Branche nach Corona. Fast 40 Busse waren dabei, der Ministerpräsident hörte zu. Ein Video zeigt den lauten Konvoi.

Gegen 9 Uhr startete der Buskonvoi an der Ammonstraße. Am Rathaus vorbei ging es Richtung Staatskanzlei.
Gegen 9 Uhr startete der Buskonvoi an der Ammonstraße. Am Rathaus vorbei ging es Richtung Staatskanzlei. © SZ/Christoph Springer

Dresden. Am 14. März war die letzte Fahrt. An diesem Sonnabend hatte Mario Böhme eine Geburtstagsgesellschaft an Bord. Es galt, einen 80. zu feiern. Bei solchen Touren wird sein Elbtal Express gern gemietet. Der Bus-Oldtimer, Baujahr 1975, hat 38 Sitzplätze. Genau die richtige Menge für so eine Tour. Doch seit dem 14. März geht das nicht mehr. Corona hat alle Pläne des 67-jährigen Dresdners durchkreuzt. "Seitdem habe ich kein Geld mehr verdient", sagt Böhme, "ich zehre vom Privaten". 

Die Kunden haben bis in den August bereits geplante Touren storniert. Die Not ist groß, Mario Böhme musste etwas unternehmen. Das hat er am Mittwochmorgen getan und sich mit seinem Oldtimer in einen Buskonvoi eingereiht, in dem sein "Fleischer S4" schon allein deshalb auffiel, weil er viel kleiner ist als ein moderner Reisebus. 

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Zum dritten Mal demonstrierten an diesem Tag Busfahrer in Dresden mit einem Konvoi für die Unterstützung ihrer Unternehmen nach der Corona-Zeit. Das Motto lautete dieses Mal: "Klimafreundliche Mobilität sichern: Rettung der Reisebusunternehmen". Die Stadt warnte vor Verkehrsbehinderungen am Morgen, weil der Konvoi aus 39 Bussen zwischen 9 und 11 Uhr durch die Innenstadt unterwegs war. Die Busse kamen aus ganz Sachsen, neben Dresdnern waren bei der Demo auch Unternehmen aus Löbau, Annaberg, dem Vogtland, dem Erzgebirgskreis und Kamenz dabei.

Der Dresdner Konvoi war Teil eines bundesweiten Aktionstages zur Rettung der Branche, den unter anderem der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) organisiert hat. Zu den Organisatoren des Dresdner Konvois gehörte Helmut Jetschke, Chef beim TJS Reisedienst in Zschorlau (Ergebirgskreis) und zugleich Vorsitzender des Landesverbands Sächsischer Omnibus- und Touristikunternehmen e.V. Er hatte einen Termin bei Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). 

Dorthin rollte der Konvoi durchs Zentrum, unter anderem über den Georgplatz, die St. Petersburger Straße und die Carolabrücke. Kretschmer empfing die Busfahrer vor der Staatskanzlei an der Wigardstraße und bekam von Jetschke eine Mappe mit den Forderungen der Busunternehmer. Dazu gehört vor allem, dass es bundesweit einheitliche Regeln geben muss, wenn der Reisebus-Betrieb wieder startet. 

Im Gespräch mit den Busfahrern versprach Ministerpräsident Kretschmer, ihre Sorgen gleich im Anschluss in einer Konferenz mit seinen Ministerpräsidenten-Kollegen anzusprechen.
Im Gespräch mit den Busfahrern versprach Ministerpräsident Kretschmer, ihre Sorgen gleich im Anschluss in einer Konferenz mit seinen Ministerpräsidenten-Kollegen anzusprechen. © Christian Juppe

In Sachsen soll das schon in der nächsten Woche sein. Ab dem 6. Juni sind Busreisen wieder erlaubt. Doch, wohin fahren und mit wem, fragen sich die Unternehmer? "Wir brauchen drei bis vier Wochen, um eine Reise zu organisieren und zu bewerben", sagt Jetschke, das Vertrauen der Reisebus-Kunden müsse zurückgewonnen werden. 

Parallel dazu bräuchten die Busunternehmer einheitliche Reiseregeln. Es nütze ihnen nichts, wenn in Sachsen wieder Busreisen möglich sind, aber in anderen Bundesländern nicht. "Wenn wir einheitliche Regeln hätten, würde nichts gehen", verteidigte der Ministerpräsident die Tatsache, dass jedes Bundesland für sich entscheidet, was möglich ist und was nicht. Dabei verwies er auf die Corona-Zahlen aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. "Die haben dort so eine Angst", stellte Kretschmer fest und warb um Verständnis für die Zurückhaltung bei Corona-Lockerungen in diesen Bundesländern.

"Das sind fast alles Familienunternehmen"

Er versprach aber, die Sorgen der Busfahrer gleich im Anschluss bei einer Videokonferenz der Ministerpräsidenten aus den neuen Bundesländern anzusprechen und sie auch nicht zu vergessen, wenn er wieder mit den Verantwortlichen in Berlin Kontakt hat. "Das sind fast alles Familienunternehmen", stellte Udo Burkert fest, Chef bei Burkert-Reisen in Sehmatal, einem Ort in der Nachbarschaft von Oberwiesenthal. Was er dem Ministerpräsidenten damit sagen wollte: Es droht der Verlust von Existenzen. "Wir fahren auch Schülerverkehr, Schienenersatzverkehr und Linienverkehr", fügte Katrin Rudolph von Reimann-Reisen in Löbau hinzu. Das Ziel: Druck machen, damit die Politiker die Reisebusunternehmen nicht vergessen.

Mario Böhme macht keinen Linienverkehr und Schüler fährt er vor allem dann, wenn sie gerade in die Schule gekommen sind - Schuleinführungen gehören zu seinem Stammgeschäft. Er hofft vor allem, dass er seine Ausflüge bald wieder anbieten kann. Reisen stehen bei ihm nicht an, trotzdem habe ihn das Gesundheitsamt mit seinen Oldtimern als Reisebusunternehmen eingestuft. "Die Kunden rufen täglich an", sagt Böhme. Er wünscht sich, dass er mit ihnen bald wieder neue Termine vereinbaren kann. Damit die Corona-Pause nicht noch mehr von seinem Ersparten auffrisst.

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