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Dresdner Uni-Brauerei zieht ins Kraftwerk Mitte

Die Macher des TU-Biers Lohrmanns Brew planen im alten Lichtwerk einen Ausschank mit Biergarten. Damit das schnell passiert, sind die Fans gefragt.

Ins Lichtwerk des Kraftwerks Mitte soll eine Brauerei einziehen. Ein Jahr lang feilten Francisco Arroyo-Escobar (l.) und Sophia Vatterodt an den Plänen dafür.
Ins Lichtwerk des Kraftwerks Mitte soll eine Brauerei einziehen. Ein Jahr lang feilten Francisco Arroyo-Escobar (l.) und Sophia Vatterodt an den Plänen dafür. © René Meinig

Dresden. Im Kleinformat ist alles fertig. Da stehen die drei großen Behälter für das Sudhaus bereits an der Fensterfront. In ihnen wird das Malz geschrotet, dort ensteht die Maische, bekommt das Bier seine Würze. Im Keller sind schon die großen Tanks zu sehen, in denen Pils oder Helles gären und reifen. Noch können Sophia Vatterodt und Francisco Arroyo-Escobar die Brauerei locker in den Händen halten. Sie ist nur ein Modell. Doch spätestens 2023 wollen die beiden Geschäftsführer von Lohrmanns Brew im alten Lichtwerk des Kraftwerks Mitte Bier brauen und Gäste bewirten.

Seit Herbst 2019 ist Lohrmanns Brew auf dem Markt. Die Idee dazu entstand an der TU Dresden. Seit dem Wintersemester 2015/16 dürfen die Studenten dort im Keller des Walther-Hempel-Baus an der Mommsenstraße Bier brauen -  im Seminar. Leckerer Wissenszuwachs. "Bierbrauen ist schließlich reine Chemie", sagt Thomas Henle, Professor für Lebensmittelchemie. Gemeinsam mit Jan J. Weigand, Professor für Anorganische Chemie, betreut er das spezielle Lehrangebot. Das in der Versuchsanlage gebraute Bier wurde in der Vergangenheit bei TU-Veranstaltungen ausgeschenkt. Mit großem Erfolg. So entstand die Idee, eine eigene Firma zu gründen.

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Ein Name mit Geschichte

Im Mai 2019 startete die TU Dresden Brauerei GmbH. Die Tudag, die TU Dresden AG, hält 50 Prozent. Die beiden Professoren sind Gesellschafter. Dass Sophia Vatterodt heute Geschäftsführerin ist, ist kein Zufall. Die ausgebildete Biersommelière promovierte an der TU Dresden und baute die Uni-Brauanlage mit auf. Arroyo-Escobar, der für die Tudag arbeitet, fand die Idee der Brauerei so gut, dass er als zweiter Geschäftsführer einstieg

Jan J. Weigand, Francisco Arroyo Escobar und Thomas Henle (v.l.n.r.) an der Brauanlage in der TU Dresden - die Keimzelle fürs neue Lohrmanns Brew.
Jan J. Weigand, Francisco Arroyo Escobar und Thomas Henle (v.l.n.r.) an der Brauanlage in der TU Dresden - die Keimzelle fürs neue Lohrmanns Brew. © Archiv: Sven Ellger

Dass das Uni-Bier nun Lohrmanns Brew heißt, kommt nicht von ungefähr. Der Name bezieht sich auf den Astronomen Wilhelm Gotthelf Lohrmann. Er war 1828 Direktor der neu gegründeten "Technischen Bildungsanstalt" in Dresden, quasi dem Vorläufer der TU Dresden. Die ersten beiden Sorten ihrer Marke, Pils und Hell, lässt die Brauerei bisher ausschließlich bei befreundeten Bierbrauern nach TU-eigener Rezeptur brauen. Nun soll ein eigener Ort für das Brauen entstehen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort schauten sich die Verantwortlichen erst auf dem Campus der TU Dresden um. "Dort haben wir aber nichts gefunden", erzählt Arroyo-Escobar. Durch Kontakte zur Drewag wurden sie auf eine Fläche im Lichtwerk des Kraftwerk-Areals aufmerksam. Perfekt für ihre Zwecke, fanden sie. 

Auf zwei Etagen entsteht die Brauerei samt Gastwirtschaft bis spätestens 2023. Oben mit Küche, Bierausschank und Sudhaus. Unten im Keller mit allerlei Technik und den großen Gärtanks. Auf der Seite zur alten Villa und dem Café T1 an der Pforte des Geländes ist außerdem ein Durchgang zum eigenen Biergarten geplant.

Eigenes Bier für 7.000 Euro

Noch sind die Räume Baustelle. Insgesamt 1,8 Millionen Euro sind für den Umbau notwendig. Ein Teil des Geldes will das Team nun über eine Geldsammel-Aktion auf der Crowdfunding-Plattform Startnext einnehmen. Seit Anfang August wird gesammelt, knapp 5.000 Euro sind bisher zusammengekommen. Unterstützer erhalten je nach gezahlter Summe ein Geschenk. Für 20 Euro gibt es den hopfengrünen Lohrmanns-Einkaufsbeutel, für 190 Euro das Chill-out-Paket samt Liegestuhl und für 7.000 Euro braut die Lohrmanns-Crew dem Unterstützer insgesamt 1.000 Liter eines ganz individuellen Biers.

Die großen Biertanks für das Modell stammen aus dem 3-D-Drucker. Für die richtigen müssen Sophia Vatterodt (l.) und Francisco Arroyo-Escobar von Lohrmanns Brew jetzt Geld sammeln.
Die großen Biertanks für das Modell stammen aus dem 3-D-Drucker. Für die richtigen müssen Sophia Vatterodt (l.) und Francisco Arroyo-Escobar von Lohrmanns Brew jetzt Geld sammeln. © René Meinig

Bis zum 2. Oktober läuft die Aktion. Sind dann 100.000 Euro zusammengekommen, gilt die Kampagne als geglückt und die Plattform zahlt das Geld an die Brauerei aus. "Davon könnten wir die Gärtanks und andere notwendige Geräte bezahlen", sagt Sophia Vatterodt. Werden sogar 250.000 Euro erreicht, ist auch die Einrichtung des Sudhauses sicher. Dort sollen Gäste in Zukunft den Brauern direkt bei der Arbeit zuschauen können. Das dort gebraute Bier wird im Ausschank angeboten. Für den Einzelhandel greift das Unternehmen auch in Zukunft auf die Lohnbrauerei zurück.

Noch muss sich das Geschäftsführer-Duo gedulden. Bis zur Fertigstellung ihrer Gläsernen Brauerei dauert es noch etwas. Doch schon jetzt wissen die zwei ganz genau, was später auf der Speisekarte stehen soll. "Wir wollen eine moderne Küche, deren Karte auf die angebotenen Biersorten abgestimmt ist", sagt die Bierexpertin. "Wir wollen die Bierkultur in Dresden verändern."

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Weil sie als Start-up gut vernetzt sind in der Dresdner Gründerszene, haben sie noch weitere Pläne. "Ich fände es spannend, wenn wir hier Events anbieten könnten, auf denen sich solche Unternehmen vorstellen und vernetzen könnten", sagt Arroyo-Escobar. Zum Kraftwerk Mitte, das derzeit zum Zuhause vieler Kreativer wird, würde das gut passen. "Das soll unser Heimathafen werden", erklärt Sophia Vatterodt. "Und darauf freuen wir uns."

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