merken
PLUS Sport

Ein Dresdner für Dresden - die besondere Rückkehr

Volleyballer Richard Peemüller spielt in der Bundesliga, aber für die Beach-Saison brauchte er Hilfe. Jetzt ist er für die deutsche Meisterschaft qualifiziert.

Richard Peemüller (l.) ist ein Emotions-Monster. Jetzt spielt der Dresdner zumindest im Sand wieder für Dresden.
Richard Peemüller (l.) ist ein Emotions-Monster. Jetzt spielt der Dresdner zumindest im Sand wieder für Dresden. © ronaldbonss.com

Dresden. So war das nicht geplant. Und auch nicht abzusehen, als Richard Peemüller Anfang dieses Jahres die ersten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Beachvolleyball-Saison schaffte. „Man regelt gewisse Dinge, bestellt die nötigen Klamotten oder least ein Auto. Damit kann man nicht erst im April anfangen“, erklärt der Dresdner. Doch dann kam der März, die Corona-Pandemie – und damit auch das Stoppzeichen für alle Beachvolleyball-Turniere.

„Es waren also einige Kosten offen, als ich die Corona-Pause bei meinen Eltern in Dresden verbracht habe“, sagt der 22-Jährige. Er setzte sich mit seinem Ex-Verein, dem VC Dresden, in Verbindung. 2017 hatte er den Klub verlassen, weil ihm am Olympiastützpunkt in Stuttgart eine Beachvolleyball-Ausbildung auf allerhöchstem Niveau versprochen worden war. Die sportliche Trennung war jedoch für die Verantwortlichen beim VC kein Grund, Peemüller jetzt allein zu lassen.

Gesundheit
Gesund und Fit
Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

„Der Richard“, sagt VC-Chef Sven Dörendahl, „ist für mich und uns immer ein Dresdner geblieben. Ich stehe mit ihm ständig im Austausch, auch nachdem er uns verlassen hatte“. Und so klärte der Aufsteiger in die 2. Hallen-Bundesliga für seinen ehemaligen Angreifer einige organisatorische Dinge und bot ihm einen Vertrag für die Beachvolleyball-Saison an. Die Profis brauchen ein Startrecht für einen Verein, um auf nationaler und gegebenenfalls internationaler Bühne spielen zu dürfen.

Logo des Vereins mal im Fernsehen

Und so tritt Peemüller mit seinem Partner im Sand, Manuel Harms, der in Köln lebt, für den VC Dresden an. Allerdings erhalten sie keine finanziellen Zuschüsse. „Dafür hätten wir kein Geld“, stellt Dörendahl klar. „Aber wir bieten Richard eine Plattform, von der aus er erfolgreich weiter Beachvolleyball spielen kann.“ Um Sponsoren kümmert sich das Duo selbst, das ist im Beachvolleyball so Usus, auch darauf hat der VC Dresden keinerlei Einfluss.

Nur die erfolgreichsten Beach-Athleten, wie etwa Olympiasiegerin Laura Ludwig, die für den Hamburger SV startet, können sich dafür ein Management leisten, ansonsten funktionieren die meisten Spieler wie selbstständige Unternehmer. „Natürlich freuen wir uns, wenn das kleine VC-Logo auf der Hose mal im Fernsehen eingeblendet wird, aber damit kann im Normalfall doch kein Zuschauer etwas anfangen“, meint Dörendahl. Wichtiger für die Athleten ist, unverwechselbar, wiedererkennbar zu sein, im besten Fall eine eigene Marke zu schaffen. Harms/Peemüller nennen sich deshalb seit dieser Saison „Bouncebrothers“. Also Brüder, an denen Einiges abprallt. Im besten Fall der Ball im Block.

Das Tandem, in der eingefrorenen deutschen Rangliste derzeit auf Platz 16 notiert, tritt also für Dresden an. Und das in einer Saison, die so anders ist als alle anderen zuvor. Der Volleyball-Verband hatte seine Beach-Tour eigentlich abgesagt, überließ es dann aber Spielern, die sogenannte Beach-Liga zu initiieren. Nun wird aber doch zumindest eine deutsche Meisterschaft ausgetragen – vom 3. bis 6. September wie gewohnt in Timmendorfer Strand, aber unter Corona-Einschränkungen. Also nach derzeitigen Auflagen ohne Zuschauer. Ein Konzept mit Publikum unter Einhaltung der Hygienevorschriften, wird derzeit in Zusammenarbeit mit der Stadt geprüft.

Qualifikation sorgt für Proteste

Auch die Qualifikation für die deutsche Meisterschaft ist diesmal anders als je zuvor – zwangsläufig. Und an dem etwas undurchsichtigen System scheiden sich die Geister der Athleten. Der Verband hat die jeweils acht besten Männer- und Frauen-Teams der eingefrorenen Rangliste als für die Titelkämpfe gesetzt erklärt. Die dahinter platzierten Duos dürfen in drei Turnieren – zwei in Düsseldorf, das letzte in Hamburg – je weitere acht Teams ausspielen. Diesen Modus empfinden einige deutsche Beach-Profis als unfair, weil er Duos bevorteilt, die bereits über einen längeren Zeitraum zusammenspielen und also auch gemeinsam Punkte sammeln.

Einige Stars der Szene boykottieren die Titelkämpfe deshalb. Auch Peemüller und Harms haben darüber nachgedacht, sich dem Protest anzuschließen. „Das war für uns auf jeden Fall ein Thema.“ Allerdings habe letztlich die Verpflichtung gegenüber Sponsoren und sonstigen Unterstützern, „die uns komplett den Rücken frei gehalten haben“, wie Peemüller betont, sowie der sportliche Ehrgeiz überwogen.

Gleich die erste Quali haben Peemüller/Harms am Wochenende gewonnen und sich den Startplatz gesichert. Allerdings sehen sie die Titelkämpfe wegen der Absagen als „nicht ganz vollwertig“ an, denn: „Man will schließlich alle sportlich schlagen.“ Andererseits ist es die Chance, sich doch noch präsentieren zu können, und das ist „deutlich besser, als gar nicht zu spielen“.

Und so tritt der 1,99 Meter große Dresdner wieder für seinen Heimatverein an – zumindest am Strand. In der Halle spielt er künftig beim Erstligisten Lüneburg, bei dem er einen Zweijahresvertrag unterzeichnete.

Mehr zum Thema Sport