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Vom Steinbruch zur Augustusbrücke

Der Sandstein wird in der Sächsischen Schweiz gebrochen und bearbeitet, bevor er nach Dresden kommt. Worauf es besonders ankommt.

Produktionsleiter Uwe Jahr von den Sächsischen Sandsteinwerken freut sich über den Großauftrag für die Augustusbrücke. Hier steht er auf dem Pirnaer Lagerplatz inmitten aufgearbeiteter Gesimssteine für die berühmte Brücke.
Produktionsleiter Uwe Jahr von den Sächsischen Sandsteinwerken freut sich über den Großauftrag für die Augustusbrücke. Hier steht er auf dem Pirnaer Lagerplatz inmitten aufgearbeiteter Gesimssteine für die berühmte Brücke. © Daniel Schäfer

Dresden. Viele historische Dresdner Bauten sind aus Sandstein, der aus der nahegelegenen Sächsischen Schweiz kommt. Auch die traditionsreichste Brücke der Stadt, die derzeit saniert wird, ist zwischen 1907 und 1910 genauso wie ihre Vorgänger aus diesem einheimischen Material errichtet worden. 2017 hatte die Instandsetzung der Augustusbrücke begonnen. Viele Steine können erhalten werden, auch wenn sie ausgebessert werden müssen. Andere Sandsteine sind hingegen so kaputt, dass sie durch neue ersetzt werden müssen. Darum kümmert sich Uwe Jahr als Produktionsleiter der Sächsischen Sandsteinwerke Pirna. Der 52-jährige Fachmann sorgt dafür, dass das traditionelle sächsische Material hervorragend bearbeitet auf die Dresdner Brückenbaustelle kommt.

Der Abbau: 1.500 Tonnen Sandstein aus Lohmener Bruch

Abgebaut wird der Sandstein nur wenige Kilometer von der östlichen Dresdner Stadtgrenze entfernt an der Lohmener Mühlleite. Das ist einer von sechs Steinbrüchen des Unternehmens rings um Pirna. Herausgebrochen und -gesprengt werden Blöcke des besonders harten Postaer Sandsteins. Da viele Steine ersetzt werden müssen, sind für die gesamte Augustusbrücke etwa 1.500 Tonnen nötig, erklärt der Produktionsleiter. Aus dem Material werden unter anderem Konsol- und Gesimssteine, Brüstungen sowie Teile für Pfeiler und Bögen gefertigt. Mit Lkw-Transporten rollen die schweren Blöcke in die Pirnaer Sandsteinwerke, wo sie bearbeitet werden.

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Im Steinbruch an der Lohmener Mühlleite werden die Blöcke für die Augustusbrücke herausgebrochen.
Im Steinbruch an der Lohmener Mühlleite werden die Blöcke für die Augustusbrücke herausgebrochen. © Norbert Millauer

Das Schmuckstück: Frau mit Kind ziert Brückenkonsole

Nachdem die elbaufwärts liegende Brückenseite im August vergangenen Jahres saniert war, hatten die Arbeiten am elbabwärts liegenden Pendant begonnen. Eine erste Etappe bei den Sandsteinarbeiten ist dort geschafft. Die 120 Konsolsteine, die am Rand aus der Brücke herausragen, sind seit Ende Mai wieder komplett. Jeder von ihnen wiegt etwa sieben Tonnen. 

Dieser besondere, acht Tonnen schwere Konsolstein wurde Ende Mai an der Augustusbrücke eingebaut. Die Frau mit ihrem Kind ist über dem Neustädter Elberadweg zu sehen. Der alte Stein war so beschädigt, dass ein neuer nach historischem Vorbild in Pirna herg
Dieser besondere, acht Tonnen schwere Konsolstein wurde Ende Mai an der Augustusbrücke eingebaut. Die Frau mit ihrem Kind ist über dem Neustädter Elberadweg zu sehen. Der alte Stein war so beschädigt, dass ein neuer nach historischem Vorbild in Pirna herg © Sven Ellger

65 Konsolsteine auf der elbabwärts liegenden Seite waren so stark beschädigt, dass sie durch neue ersetzt werden mussten. Der wohl markanteste von ihnen ist seit Ende Mai wieder auf der Neustädter Seite über dem Elberadweg zu sehen. Den acht Tonnen schweren Konsolstein ziert eine Frau, die ihr Kind mit einem Fischleib fest im Arm hält. Er musste nach dem Vorbild des historischen Originals neu hergestellt werden. Die Details wurden per Scanner erfasst, sodass der neue Sandstein passgenau angefertigt werden konnte.

Das sind die Sandsteinblöcke, aus denen die neuen Gesimssteine für die Augustusbrücke hergestellt werden.
Das sind die Sandsteinblöcke, aus denen die neuen Gesimssteine für die Augustusbrücke hergestellt werden. © Daniel Schäfer

Die Bearbeitung: Maschine schneidet Formen aus Stein

Derzeit arbeiten die Pirnaer Sandsteinwerker an den Gesimssteinen, die auf die Brückenkonsolen kommen. Insgesamt gibt es davon rund 250. „Etwa ein Drittel dieser Steine ist so kaputt, dass sie durch neue ersetzt werden müssen. Die anderen Steine werden aufgearbeitet“, sagt Jahr. Schadhafte Stellen werden so ausgearbeitet, dass neue Stücke passgenau mit einem Spezialmörtel eingefügt werden können. Der erste Transport mit solchen Steinen ist diese Woche nach Dresden gerollt.

Mit der vollautomatischen CNC-Maschine werden die genauen Konturen des Steins hergestellt.
Mit der vollautomatischen CNC-Maschine werden die genauen Konturen des Steins hergestellt. © Daniel Schäfer

Aus einem zehn bis zwölf Tonnen schweren Block aus der Mühlleite können drei neue Gesimssteine hergestellt werden, erklärt Uwe Jahr. Jeder von ihnen bringt bis zu zwei Tonnen auf die Waage. „In einem ersten Schritt werden die Rohlinge von der Sägemaschine zugeschnitten“, sagt er. Dann stellt eine vollautomatische CNC-Maschine je nach Größe binnen zwei bis vier Stunden die genauen Konturen des Steins her. Die Feinarbeit leisten letztlich die Pirnaer Steinmetze. Mit dem traditionellen Knüpfel und Scharriereisen bearbeiten sie an einem Tag die Gesimssteine so, dass sie dem historischen Vorbild entsprechen.

Das sind neu gefertigte Gesimssteine, die jetzt zur Augustusbrücke gebracht werden.
Das sind neu gefertigte Gesimssteine, die jetzt zur Augustusbrücke gebracht werden. © Daniel Schäfer

Die Aufträge: Sächsischer Sandstein schon für Albertbrücke

70 Beschäftigte arbeiten in den Pirnaer Sandsteinwerken. Ihr Vorteil ist, dass sie die Steinbrüche vor Ort haben, dass sie Material zügig bearbeiten und auch gleich einbauen können. „Bei uns kommt Qualität aus einer Hand“, sagt Geschäftsführer Johannes Roßrucker. Das einheimische Material sei beispielsweise schon an der Frauenkirche und am Residenzschloss eingebaut worden. Auch der gesamte Sandstein für die Sanierung der Albertbrücke ist aus Pirna. „Doch der Wettbewerb ist hart“, sagt der Firmenchef. „Umso unverständlicher ist es für mich, dass der Freistaat Sachsen beim Neubau des Kriminaltechnischen Instituts am Wilden Mann regionales Material ausschreibt und dann eine bayerische Firma mit der Sandsteinlieferung beauftragt. Das würde in Bayern nie geschehen, geht so sächsisch?“, fragt er.

Ist es möglich, werden kaputte Stellen in den Gesimssteinen durch solche neuen Teile ersetzt.
Ist es möglich, werden kaputte Stellen in den Gesimssteinen durch solche neuen Teile ersetzt. © Daniel Schäfer

Der Einbau: Noch im Sommer beginnt Brüstungsbau

Über dem zweiten Bogen der Augustusbrücke am Altstädter Ufer sind diese Woche über den Konsolen die ersten aufgearbeiteten Gesimssteine aus Pirna eingebaut worden. Weiter geht’s dann in Richtung Neustadt. Geplant ist, dass darüber bereits im Spätsommer die ersten Sandsteinbrüstungen wieder eingebaut werden. Diese Arbeiten werden sich voraussichtlich bis zum Frühjahr hinziehen.

Geschafft: Diese Woche wurden die ersten Gesimssteine über den Konsolen auf dem zweiten Bogen der Augustusbrücke neben dem Terrassenufer eingebaut.
Geschafft: Diese Woche wurden die ersten Gesimssteine über den Konsolen auf dem zweiten Bogen der Augustusbrücke neben dem Terrassenufer eingebaut. © Sven Ellger

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Zum Abschluss müssen im kommenden Jahr vom Schiff aus noch Sandsteinflächen unter den Bögen im Bereich der Elbe ausgebessert werden. Die Stadt plant, dass die 110 Jahre alte Augustusbrücke im Sommer nächsten Jahres saniert ist.

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