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Dresden

Waldschlößchenbrücke: Der erste Entwurf

Rudolf Kusche hatte 1988 den Wettbewerb um die Brücke gewonnen. Doch die Wende durchkreuzte den Bauplan. So könnte die Brücke heute aussehen.

Mit viel Aufwand und unter Zeitdruck hatte Rudolf Kusches Team den Entwurf geplant.
Mit viel Aufwand und unter Zeitdruck hatte Rudolf Kusches Team den Entwurf geplant. © Autobahnbaukombinat

Rudolf Kusche ist ein Siegertyp. Schließlich konnte sich der Diplom-Bauingenieur bei drei von vier Gestaltungswettbewerben für große Brücken mit seinem jeweiligen Team durchsetzen. Die bekannteste davon ist die Waldschlößchenbrücke. Wäre die politische Wende nicht gekommen, würde sie heute mit einem Pylon im Elbtal stehen. Doch dazu kam es nicht.

Der gebürtige Schlesier hatte nach dem Studium 1956 beim VEB Projektierung für Straßenwesen in Dresden angefangen und später die Brückenabteilung im Verkehrs- und Tiefbaukombinat (VTK) aufgebaut und geleitet. „In dieser Zeit haben wir auch den Fußgängertunnel am Pirnaischen Platz geplant“, sagt der heute 83-Jährige, der damals 34 war. Im August 1970 hatte die Planung begonnen. 

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Gebaut wurde in rasantem Tempo. Vor dem VIII. Parteitag der Staatspartei SED im Juni 1971 war der Tunnel nach einem Dreivierteljahr fertig. Danach wechselte Kusche zum Forschungs- und Projektierungsbetrieb des Autobahnbaukombinates in Dresden. Hunderte Brücken hatte der Experte mit geplant, darunter die Carolabrücke, die Brücke an der Budapester Straße und drei weitere über Meeresarme des Golfs von Aden im Jemen.

Rudolf Kusche vor der Waldschlößchenbrücke. Der erfahrene Fachmann hatte 1988 mit seinem Team diesen Entwurf einer Schrägseilbrücke geplant.
Rudolf Kusche vor der Waldschlößchenbrücke. Der erfahrene Fachmann hatte 1988 mit seinem Team diesen Entwurf einer Schrägseilbrücke geplant. © Marion Doering

1988 kam die große Herausforderung: Die Stadt hatte den Wettbewerb zur Planung der Waldschlößchenbrücke ausgeschrieben. Sechs Planungsbüros waren ausgewählt worden, darunter das, in dem Kusche das Zepter führte. Geplant wurde eine 599 Meter lange Schrägseilbrücke mit einem Pylon, wie sie heute in Niederwartha steht. „Mit unseren Architekten Hans Konrad und Bruno Kandler hatten wir lange über die Form des Pylons gestritten“, erzählt er. 

Der sollte 70 Meter über dem Boden emporragen. Die Architekten wollten die beiden Streben noch bogenförmiger gestalten. „Dann wären aber die Kräfte in den Stielen zu hoch gewesen, sodass der Pylon nicht so schlank geworden wäre“, sagt der Planer. Also blieb es beim schlanken Pylon, der an jeder Seite mit 16 Stahlseilen die Brücke halten sollte.

Berechnung am Commodore 64

Doch bei der Berechnung der Kräfte gab es ein riesengroßes Problem. „In unserer Dresdner Niederlassung hatten wir keinen geeigneten Computer. Die Zeit drängte. Die gesamte Planung musste in einem Vierteljahr geschafft sein. Also setzte sich Kusche an seinen Commodore-64-Heimcomputer, auch Brotkasten genannt. „Ich hatte die letzten Daten gerade eingegeben, da war der Speicher voll“, berichtet er. Doch es klappte noch. Nach zwei Stunden war der Commodore fertig. „Danach konnten wir alle anderen Konstruktionsteile berechnen.“ Die geplante vierspurige Brücke sollte mit 25 Metern etwa so breit wie die heutige werden und Rad- und Fußwege an jeder Seite bekommen.

Im Dezember 1988 gab Kusche den Entwurf ab. Wenige Wochen später fiel die Entscheidung. Sein Team hatte den Wettbewerb gewonnen. „Wir waren so glücklich, dass wir das gleich in der damaligen Gaststätte Wroclaw auf der Prager Straße gefeiert haben“, erzählt er. Zuvor hatte er schon 1968 mit einem Entwurf für die Autobahnbrücke über das Saubachtal bei Wilsdruff einen Wettbewerb gewonnen.

Allerdings gab es am Waldschlößchen noch eine Änderung am Neustädter Anschluss. Ursprünglich war dort eine Kreuzung vorgesehen. Letztlich wurde aber entschieden, dass die Bautzner Straße mit einer Brücke über den Anschluss geführt werden soll. Das Verkehrsministerium stimmte dem Großprojekt zu. Der Rat der Stadt beschloss, diese Brücke zu bauen.

Dann kam nach der politischen Wende die Wiedervereinigung. „Unser Entwurf war nicht mehr zeitgemäß“, sagt Kusche. Da Stahl in der DDR knapp war, wurden die Überbauten aus Stahl- und Spannbeton geplant. Doch Materialmangel gab es nicht mehr. „Eine Stahlverbundbrücke ist viel leichter“, weiß der Fachmann. „Da war es mit unserer Brücke vorbei.“

Elbbrücken für Pirna und Meißen

Kusche wagte 1990 den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete mit zwei Partnern das Dresdner Ingenieurbüro BSI. 1996 schrieb die Stadt erneut einen Wettbewerb aus. „Unser Büro hatte das Angebot bekommen, daran teilzunehmen“, sagt er. „Doch das konnten wir nicht. Denn da mussten wir gerade die Ausführungsplanung für die neue Pirnaer Elbebrücke bearbeiten.“ Die Zeit wäre zu knapp geworden. 1997 kürte die Stadt den Siegerentwurf, nach dem von 2007 bis 2013 die Waldschlößchenbrücke gebaut wurde.

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1994 gelang es Kusche mit seinen Ingenieuren noch einmal, bei einem Wettbewerb zu siegen. Gebaut werden sollte die zweite Meißner Elbebrücke. Beteiligt waren bedeutende Büros aus den alten Bundesländern. „Dann rief mich die Jury an und sagte, dass wir mit dem Entwurf unserer Stahlverbundbrücke gewonnen haben. Das wollte ich gar nicht glauben.“ Wieder hatte er das Glücksgefühl des Siegers, an das er sich noch heute erinnert.

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