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Wanderfalken-Nachwuchs auf Rathausturm

Zum ersten Mal konnten Jungvögel in der Dresdner Altstadt beringt werden. Und offenbar gibt es auch anderswo in der Stadt Wanderfalken-Nachwuchs.

Die jungen Wanderfalken im Rathausturm wurden vergangene Woche erfolgreich beringt.
Die jungen Wanderfalken im Rathausturm wurden vergangene Woche erfolgreich beringt. © Mike Jäger

Dresden. Die Dresdner Innenstadt ist um eine Tierart reicher. Hoch oben am Rathausturm kümmert sich in diesen Tagen erstmals ein Wanderfalkenpaar um seinen Nachwuchs. Drei Eier hatte das Weibchen in den Nistkasten gelegt, von denen zwei befruchtet waren.

Ende April waren die beiden jungen Vögel das erste Mal gesichtet worden. Vergangene Woche nun kletterte Ulrich Augst, der Artbeauftragte in Ostsachsen, nach oben, um sie zu beringen und damit die Wiederausbreitung des Wanderfalkens zu dokumentieren.

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Schon seit Mitte Januar hatte sich das Paar am Rathausturm angesiedelt. Zwar wurden die Raubvögel, die dreimal so groß wie Turmfalken werden, hier bereits 2017 erstmals gesichtet. Allerdings waren zunächst keine ausreichend großen Nistkästen installiert. 

Auch im vergangenen Jahr gab es noch keinen Nachwuchs zu bejubeln, da sich der männliche Wanderfalke letztlich für ein anderes Weibchen mit Nest am Gasometer entschied. Vier Jungtiere wurden dort geboren. Drohnenaufnahmen in Reick lassen nun vermuten, dass am Gasometer auch in diesem Jahr erfolgreich gebrütet wurde.

Dass im Dresdner Rathausturm einmal Wanderfalken brüten würden, schien vor einigen Jahren noch unvorstellbar.
Dass im Dresdner Rathausturm einmal Wanderfalken brüten würden, schien vor einigen Jahren noch unvorstellbar. © Michael Hupfer

„Für uns Artenschützer ist die Ansiedlung der Wanderfalken in Dresden ein schöner Erfolg“, sagt Harald Wolf von der unteren Naturschutzbehörde des Dresdner Umweltamts. „Seit den 70er-Jahren galt der Wanderfalke ja in Sachsen als ausgestorben." Grund dafür seien die Auswirkungen des Insektizids DDT gewesen. Erst nach einem mehrjährigen Aussiedlungsprogramm in den 90er-Jahren habe sich der Wanderfalke zunächst wieder in der Sächsischen Schweiz angesiedelt. Daraufhin etablierte er sich auch im Zittauer Gebirge, im Erzgebirge, in der Oberlausitz und Mittel- und Nordwestsachen.

Insgesamt dürfte es in Sachsen derzeit knapp 30 Brutpaare geben, schätzt Artspeziallist Ulrich Augst. Auch in Dresden könnte künftig noch das eine oder andere Paar hinzukommen, allerdings wachse der Bestand nur langsam. "Die Reviere der Wanderfalken reichen bis zu fünf Kilometer um den Brutplatz", sagt der 62-jährige, der eigentlich ausgebildeter Dachklempner ist, aber seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Vogelkundlern des Landes gehört. "Würden sich mehrere Paare regelmäßig treffen, dann würden sie sich ständig zanken."

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Als hervorragender Luftjäger ernähre sich der Wanderfalke fast ausschließlich von kleineren und mittelgroßen Vögeln. In der Stadt jage der Wanderfalke hauptsächlich Tauben. Den Spitzengeschwindigkeiten des Angreifers von bis 350 Kilometern in der Stunde haben die Tauben wenig entgegenzusetzen. 

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