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Dresden: Was wird aus dem Ferdinandplatz?

In der Innenstadt soll der moderne Verwaltungssitz der Stadt entstehen. Die Corona-Finanzkrise entfacht allerdings eine neue Debatte darum.

Die Stadt plant weiter das Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz. Allerdings gibt es Gegenwind
Die Stadt plant weiter das Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz. Allerdings gibt es Gegenwind © BARCODE Architects/Landeshauptstadt Dresden

Dresden. Die Diskussionen um das neue Dresdner Verwaltungszentrum gehen weiter. Der Turm ist Geschichte, weil dieser nicht ins Stadtbild passen würde. Aus Kostengründen wird auf einen Teil des Komplexes am Ferdinandplatz verzichtet.

Nun gibt es die Forderung, ganz auf den Neubau zu verzichten. Wegen der Corona-Krise drohen Dresden Einnahmeausfälle bis 2023 bis zu einer Milliarde Euro. Deshalb solle umgedacht werden.

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Die aktuelle Situation am Verwaltungszentrum

Rund 139 Millionen Euro will die Stadt in den Neubau am Ferdinandplatz investieren. "Moderne Arbeitswelten" sollen dort entstehen. Großraumbüros für rund 1.300 Mitarbeiter. Bürgerfreundlich soll es werden, die Ämter besser und enger zusammenarbeiten. Die Verwaltung der Stadt mit rund 7.000 Mitarbeitern soll in großen Teilen im Zentrum konzentriert werden. Gegenüber steht das Rathaus.

Jetzt bringen die Freien Wähler erneut das World Trade Center (WTC) ins Spiel. Dort hat die Stadt bereits Büros gemietet und könnte weitere dazubekommen. Zumal die Drewag auszieht, wenn ihr Neubau am Hauptbahnhof fertig ist.

Was für das WTC spricht

"Ich sehe den Neubau grundsätzlich und vor allem an dieser Stelle kritisch", so Freie-Wähler-Stadtrat Torsten Nitzsche. "Es gibt mindestens eine gute Alternative. Das Angebot WTC ist dem Bürgermeister bekannt."

Dieses Angebot besagt zusammengefasst: ausreichend Büroflächen für die 1.300 Mitarbeiter, die die Stadtverwaltung am Ferdinandplatz unterbringen will. Auch Großraumbüros seien schnell realisierbar. Inklusive Lagerflächen und Stellplätzen müsste die Stadt rund sechs Millionen Euro Miete bezahlen. Diese Summe zahlt die Stadt derzeit auch an Miete für die mehr als 50 Standorte, auf die die Verwaltung verteilt ist. Allerdings will die Stadt nicht alle davon aufgeben. 

Nitzsche sagt, es sei sinnvoller, jetzt das eigentliche Rathaus zu sanieren. Das kostet laut aktueller Planung rund 94 Millionen Euro. Ein Teil ist bereits saniert. "Die 139 Millionen Euro für das Verwaltungszentrum gibt es, die liegen ja schon bereit." Allerdings fordert Nitzsche, sie anderweitig auszugeben, worauf die Stadt nicht verzichten könne.
"Wir brauchen keinen Verwaltungspalast, wir brauchen Schulen, Fuß- und Radwege, Straßen, öffentlichen Nahverkehr - Investitionen für die Dresdner, nicht für ihre Verwaltung", so der Stadtrat.

Alternativen für den Ferdinandplatz

Die freien Wähler fordern bereits einen Baustopp am Ferdinandplatz. Denn die Vorbereitungen dort haben schon begonnen, sind wegen der Corona-Krise aber ausgesetzt. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte dazu mitgeteilt, dass ein längerer Baustopp, wie von den freien Wählern gefordert, rund 20 Millionen Euro Zusatzkosten verursachen würde.

"Das stimmt so nicht", reagiert Nitzsche. "Die potentiellen Mietaufwendungen für das WTC wären geringer. "Geht man aber von einem Stopp des Verfahrens aus, dann fallen die Kosten komplett weg. Es gäbe keine neue Ausschreibung, kein neues Verfahren, keine Erhöhung der Baupreise." Die Stadt könne wegen der drohenden Verluste durch Corona ohne Verpflichtungen aus dem Bau aussteigen, meint der Stadtrat.

Die Stadt behielte so ein großes "Filetgrundstück", das sie verkaufen, zu einem Park oder einem Quartier mit Wohnungen, Büros, Gastronomie und mehr entwickeln könnte. "Das würde wesentlich mehr urbane Qualität bringen als ein reines Büroquartier. Hat die Verwaltung Feierabend, passiert dort nicht mehr viel", so Nitzsche.

Warum die Stadt den Neubau will

Dies alles sieht Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) deutlich anders. "Im März 2018 hat der Stadtrat fast einstimmig der "Strategie für die Unterbringung der Stadtverwaltung im Stadtzentrum bis 2030" zugestimmt. Damit wurde sowohl die Konzentration der zentralisierbaren Verwaltungseinheiten im Stadtzentrum als auch die vorrangige Unterbringung auf kommunalen Grundstücken in eigenen Gebäuden beschlossen."

Das Ziel dieser Strategie sei es, dass die Stadt bei der Unterbringung ihrer Mitarbeiter möglichst "unabhängig vom privaten Immobilienmarkt" wird.  Das bedeute, dass Mietsteigerungen auf dem "begrenzten Büromarkt" vermieden werden und die Stadt die Ausstattung so gestalten kann, wie sie sie benötigt.

Verwaltung braucht mehr Büros

Dazu habe die Stadtverwaltung dringenden Bedarf an Räumen. Auch im WTC reichen die derzeitigen Räume nicht mehr. "Mitarbeiter nutzen jetzt teilweise umgenutzte Bereiche -  Büro statt Beratungsraum - und es herrscht in einigen Gebäuden wie an der Theaterstraße massive Überbelegung", so Schmidt-Lamontain.

Dazu komme, dass das derzeit für 400 Stadtmitarbeiter gemietete Gebäude an der St. Petersburger/Grunaer Straße  Ende 2025 vom Eigentümer abgerissen wird. "Auch das Bürogebäude Lingnerallee 3 wird in einigen Jahren abgebrochen", erklärt der Baubürgermeister. "Wenn im Neuen Rathaus ab 2025 der 2. Realisierungsabschnitt für die Gesamtsanierung beginnt, müssen die derzeit dort im unsanierten Bereich untergebrachten etwa 350 Mitarbeiter interimistisch ebenfalls untergebracht werden.
Die Stadt wird daher bis 2030 zusätzlich zu den im Verwaltungszentrum neu zu schaffenden Büroflächen auf Anmietungen im WTC nicht verzichten können."

Gefahr stetig steigender Mieten

Zudem gehe Schmidt-Lamontain davon aus, dass die Mieten im WTC bei jeder Verlängerung erhöht werden. "Das Gebäude wurde in den 1990-er Jahren gebaut, erforderliche Instandsetzung und Modernisierung müssen von Mietern mitbezahlt werden."

Eine "Wirtschaftlichkeitsbetrachtung" habe es bereits bei dem Beschluss 2018 gegeben.  "Lediglich unter der Voraussetzung, dass die Stadt mit dem WTC einen Mietvertrag über 60 Jahre ohne steigende Mieten auf dem Stand von 2017 ausgehandelt hätte, wäre die Miete im WTC günstiger als der Bau des Verwaltungszentrums." Diese Option bestehe realistisch nicht. "Kein Vermieter wird seine Miete über 60 Jahre einfrieren", ist sich der Baubürgermeister sicher.

Dazu sieht Schmidt-Lamontain Probleme, die Vorstellungen der Stadt im WTC umzusetzen. Heizung, Lüftung, Datentechnik und weiteres seien nur mit viel Geld den Anforderungen der "modernen Arbeitswelten" anzupassen. Diese seien dort auch nur begrenzt möglich. "Das ist eine konkrete Erfahrung, da dies zurzeit für eine kleine Struktureinheit im WTC ausprobiert wird."

Auch sei der Ferdinandplatz zentraler gelegen und werde von mehr Bussen und Bahnen angefahren als das WTC. "Das ist sowohl für die Bürger wie für die Verwaltung von Vorteil. Außerdem trägt ein Bürgerzentrum wesentlich zur Belebung der Innenstadt bei", so Schmidt-Lamontain abschließend.

Ferdinandplatz wird noch teurer

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Die Freien Wähler trauen der "Wirtschaftlichkeitsbetrachtung" nicht. Sie sagen, dass in den 139 Millionen noch nicht die Kosten für die Gestaltung des Umfeldes eingerechnet sind, ebenso die für die Verlegung von Leitungen und Haltestellen. Dazu kommt, dass der zweite Gebäudeteil wahrscheinlich später noch gebaut werden soll. Dieser wird weitere zweistellige Millionensummen kosten. 

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