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Dresden wehrt Werft-Spekulanten ab

Die Schiffbauer kämpfen ums Überleben. Doch nicht jeder Investor will dem Unternehmen wirklich helfen.

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Von Tobias Wolf

Nur noch bis Ende März ist Zeit, die insolvente Laubegaster Schiffswerft zu retten. Dabei gibt es Investoren, die das Traditionsunternehmen kaufen wollen. Doch nicht jeder von ihnen will den angeschlagenen Schiffbauer in eine neue Zukunft führen. Nur für das Firmengrundstück am Elbufer soll es dem Insolvenzverwalter zufolge Interessenten geben.

Sie hoffen, das Grundstück zum Schnäppchenpreis zu bekommen, sollte die Werft schließen. Nach ein paar Jahren Wartezeit könnten dort Luxuswohnungen gebaut und teuer verkauft werden, so das Kalkül. Aber diese Pläne sind offenbar von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wohnungen dürften dort auch künftig nicht gebaut werden, stellt Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) klar und erteilt den Spekulanten damit eine Absage.

Das Gebiet sei als Standort für Unternehmen im Flächennutzungsplan erfasst und bleibe dies auch. Das hätten Stadtrat und Verwaltung so entschieden. Zudem gelte die Fläche im Dresdner Umweltamt als Altlastenverdachtsstandort, so Hilbert weiter. Bei einer Wohnbebauung gelten deutlich strengere Regeln als bei einem Gewerbegebiet. Chemikalien wie Motoröle und Lacke dürfte es dort nach über hundert Jahren Werftbetrieb geben. Diese Altlasten zu beseitigen, könne schnell einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Auch wäre die Fläche, die tatsächlich bebaut werden könnte, sehr klein. So stehen die große Maschinenhalle und ein weiteres Gebäude unter Denkmalschutz, ebenso die riesige Slip-Anlage, auf deren Schienen die Dampfer an Land gezogen werden.

Die Stadt hofft, dass das Traditionsunternehmen gerettet werden kann. Denn von einer Schließung wäre nicht nur die Sächsische Dampfschiffahrt betroffen, sondern auch die Dresdner Verkehrsbetriebe, die Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz und andere kleinere Schiffseigner wie die Wasserschutzpolizei oder das Schifffahrtsamt. Die nächstliegende Reparaturwerft ist in Sachsen-Anhalt. „Wir als Stadt haben natürlich ein Interesse, dass der Werftstandort erhalten bleibt“, sagt der Wirtschaftsbürgermeister. „Dazu brauchen wir einen starken Investor und die Gläubiger im Boot.“ Mit Letzterem ist vor allem die Ostsächsische Sparkasse gemeint.

Hoffen auf weiteren Schuldenerlass

Die beharrt einem Unternehmenssprecher zufolge auf den geforderten 1,5 Millionen Euro, weil sie bereits 4,5 Millionen abschreiben musste. Nach SZ-Informationen soll es jedoch demnächst Gespräche über einen möglichen weiteren Schuldenerlass für die insolventen Laubegaster Schiffbauer geben. Das erscheint derzeit als einzige Möglichkeit, die Werft zu retten. Denn wer immer sie übernimmt, muss kräftig investieren, um den Schiffbauer auf stabile Füße zu stellen. Bislang gibt es nur im Winter genug Aufträge für Schiffsreparaturen, im Sommer herrscht Saure-Gurken-Zeit. Damit sind nur minimale Gewinne möglich. Der letzte Besitzer hatte sogar Millionenverluste angehäuft.

Deshalb wollen die potenziellen Interessenten zusätzliche Metallbauaufträge aus eigenen Firmen in die Werft holen und mehr Personal einstellen. Die nötigen Investitionen seien angesichts des Kaufpreises von 1,5 Millionen Euro jedoch nicht finanzierbar, sagt ein Interessent gegenüber der Sächsischen Zeitung – maximal eine halbe bis eine Million gilt als realistisch. Seinen Namen will er noch nicht öffentlich nennen. Die Sparkasse müsste auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, sonst könnte die Werft nicht rentabel betrieben werden, so der Investor.

Genau zwei Wochen bleiben noch, um einen Ausweg aus dem Schuldendilemma zu finden. Sonst stirbt eine Schiffbautradition, die mit dem Bau von Elbdampfern vor über 150 Jahren in Dresden begonnen hat.