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Wie der Zufall Leben rettet

Beim 81-jährigen Kurt M. wurde in einer Dresdner Klinik eine erweiterte Hauptschlagader entdeckt. Ausgerechnet ein Virus rettete ihm das Leben.

Dr. Ameer Al-Nakkash (li.) rettete dem Dresdner Kurt M. das Leben.
Dr. Ameer Al-Nakkash (li.) rettete dem Dresdner Kurt M. das Leben. © Städtisches Klinikum Dresden

Dresden. Es ist ein Satz, den man in Corona-Zeiten eher selten hört: „Vielleicht hat mir ein Virus das Leben gerettet“, sagt Kurt M. heute. Der 81-Jährige kam aufgrund seines Aortenaneurysmas, einer erweiterten Hauptschlagader, regelmäßig in die Klinik für Gefäßchirurgie am Standort Friedrichstadt in Dresden. „Hier werde ich jedes Mal sehr gut behandelt. Es sind für mich nicht nur Ärzte und Spezialisten sondern vor allem Menschen“, sagt Kurt M.  

Bei dem gebürtigen Seifhennersdorfer wurde die erweiterte Hauptschlagader nur durch Zufall entdeckt. Das ist typisch: In neun von zehn Fällen verursacht sie keine Beschwerden. Kurt M. pflegte seine Frau, die 2011 mit einem Magen-Darm-Virus im Bett lag, und steckte sich selbst an. Ihm ging es dabei so schlecht, dass er ins Diakonissenkrankenhaus aufgenommen wurde. 

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Dort entdeckte man das Aneurysma als Zufallsbefund beim Ultraschall und empfahl das städtische Klinikum. „Wäre das nicht geschehen, wäre ich jetzt vielleicht tot“, sagt der ehemalige Bergmann. Diese Sorge ist nicht unberechtigt, das Aortenaneurysma gilt als stiller Killer. Reißt die Aorta, besteht akute Lebensgefahr. Rund 25 Prozent der Patienten sind tot, bevor sie eine Klinik erreichen. Auch Albert Einstein und Thomas Mann sind daran gestorben. Diese Aneurysmen können in allen Körperregionen auftreten, betroffen ist jedoch zumeist die Bauchschlagader. Rund fünf Prozent aller Männer über 65 Jahren und zwei Prozent aller Frauen haben ein solches Aneurysma. 

Seit Anfang 2018 besteht Anspruch auf eine einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung einer erweiterten Schlagader. Vor 25 Jahren ist im Klinikum Friedrichstadt erstmals ein Patient mit einer Schlauchprothese (Stent) auf dem Katheterweg versorgt worden. Bei diesem Eingriff wird über die freigelegte Leistenschlagader eine Stentprothese eingesetzt. Diese entfaltet sich in der erweiterten Hauptschlagader, überbrückt die gefährdeten Bereiche und dichtet sie ab. „Wir verwenden dafür seit fünf Jahren ein spezielles Verschlusssystem. Musste früher die Arterie über einen Hautschnitt am Bein freigelegt und für den Eingriff geöffnet werden, ist der Zugang für das neue System wesentlich kleiner und es bleibt keine Wunde“, erklärt Dr. Ameer Al-Nakkash, kommissarischer Chefarzt der Klinik. 

Der Stent wird mit einem Spezialkatheter eingesetzt. Die Patienten können bereits am Tag nach dem Eingriff aufstehen und nach circa einer halben Woche das Krankenhaus verlassen. Von der frühen Mobilisation profitieren besonders ältere Patienten. Kurt M. wurde 2011 ein individuell angefertigter Stent eingesetzt, bei späteren Eingriffen wie vor wenigen Wochen musste jener den Veränderungen angepasst und verlängert werden, weil sich das Aneurysma weiter ausgedehnte. „Nun kann ich mich endlich wieder beruhigt dem Garten zuwenden“, sagt der Rentner. 

Seit dem 1. April leitet Dr. Ameer Al-Nakkash die Klinik für Gefäßchirurgie am Städtischen Klinikum Dresden kommissarisch. Er hat die Aufgabe von Dr. Felicitas Zimmermann übernommen, die die Klinik von Anfang an mit gestaltet und aufgebaut hat. Al-Nakkash ist in Bagdad im Irak geboren und hat dort Humanmedizin studiert. In Deutschland lebt er seit 1996. Der Facharzt für Gefäßchirurgie arbeitet seit 15 Jahren am Städtischen Klinikum.

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