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Wettbetrug in Dresden? Wie sich ein Verein schützt

Ein Cricket-Turnier im Sportpark Ostra genießt wegen der Corona-Pandemie plötzlich weltweit Aufmerksamkeit - doch die Veranstalter sind vorbereitet.

Während sich die Cricket-Teams im Sportpark Ostra spannende Spiele liefern, schauen möglicherweise auch Wettbetrüger nach Dresden.
Während sich die Cricket-Teams im Sportpark Ostra spannende Spiele liefern, schauen möglicherweise auch Wettbetrüger nach Dresden. © photoarena/Thomas Eisenhuth

Dresden. Das klingt unglaublich. Oder ist es einfach nur ein schlechter Witz? Wettbetrug in Dresden, von Asien aus gesteuert, in einer Sportart, die in Deutschland kaum einer kennt? Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete im Juli von einem skurrilen Fall, den die FAZ der „Cricket-Wettmafia“ zuschrieb. Betrüger hatten ein mutmaßlich hochklassiges Spiel in Sri Lanka als Theaterspiel inszeniert und live ins Internet übertragen, um Wettspieler abzuzocken, die davon nichts ahnten.

Auch eine Spielmanipulation durch drei pakistanische Auswahlspieler im Nationalsport des Commonwealth aus dem Jahr 2010 ist verbürgt. Sie sollen in einem Test-Länderspiel gegen England absichtlich Fehlwürfe eingestreut haben, um Wettgewinne zu ermöglichen. Und nun Dresden? Wie kommt das denn? Es ist ein Zufall – und auch wieder nicht. Im Sportpark Ostra wurde in der vergangenen Woche ein Turnier ausgetragen. Der RC Dresden war Gastgeber für die europäische Cricket-Serie. Fünf Mannschaften aus dem Osten Deutschlands spielten dabei den Sieger aus.

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Trendmarken in der Centrum Galerie
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Die Serie soll als Unterbau der Champions League etabliert werden, die in diesem Jahr coronabedingt pausiert. In Finnland, Österreich, Belgien und Island finden derzeit vergleichbare Turniere in dem neuen Format statt. Die Spiele in Dresden hat das European Cricket Network (ECN) live ins Internet übertragen – übrigens tatsächlich von zwei Kommentatoren begleitet. Für die Kameras hat der Dresdner Verein, dessen Cricket-Abteilung beinahe 40 Mitglieder zählt, über eine lokale Gerüstbaufirma extra zwei Podeste anfertigen lassen.

Fast 8.500 Menschen schauen bei Youtube zu

Das Interesse für die Übertragung und damit auch für eventuelle Wetten ist in Pakistan und Indien besonders groß. Beleg dafür ist, dass das Signal der Liveübertragung aus Dresden nicht nur auf dem Internetkanal Youtube genutzt, sondern auch auf Fan-Code übertragen wurde, einer Multisport-Plattform aus dem Haus Dream Sports India. Wetten sind in Pakistan und Indien jedoch illegal, teilt ECN-Pressechef Mark Lovell mit. „Aber man wird immer Leute dazu bringen, sich für die zweitbeliebteste Sportart der Welt zu interessieren, vor allem jetzt“, sagt er. Auf Youtube schauen am Freitagnachmittag fast 8.500 Menschen zu, als sich entscheidet, dass der BSV Britannia aus Berlin das Turnier gewinnt und der Gastgeber RC Dresden den dritten Platz belegt. 

Das Team vom Verein Rugby Cricket Dresden belegt beim Turnier den dritten Platz.
Das Team vom Verein Rugby Cricket Dresden belegt beim Turnier den dritten Platz. © photoarena/Thomas Eisenhuth

Vor Ort halten tatsächlich nur einige Zaungäste Ausschau nach dem Treiben, das für Laien nicht auf Anhieb zu durchschauen ist. Natürlich konnte auf die Spiele zwischen den Teams aus Dresden, Chemnitz und Berlin weltweit gewettet werden, beispielsweise auf dem Portal sports.betway.com, einer Plattform, die in Malta registriert ist. Das ist nicht automatisch unseriös. Trotzdem waren die Veranstalter in Dresden vorab für das Thema möglicher Wettmanipulationen bei dem weltweit am zweithäufigsten gespielten Rasensport sensibilisiert – und hatten sich dementsprechend vorbereitet. 

„Es ist ja so, dass weltweit derzeit eben wenig Cricketspiele stattfinden“, erklärt Severin Weiß, stellvertretender Vorstand des RC Dresden. Deshalb könne das kleine, bescheidene Turnier im Sportpark Ostra auch Begehrlichkeiten von weltweit agierenden Betrügern wecken.

Dem sollte ein Riegel vorgeschoben werden. Der internationale Cricket-Verband hat dafür gewisse Standards aufgestellt, die sich – so empfindet man das in Dresden – als effektiv erweisen. Alle Spieler werden am Einlass zum Cricket-Feld kontrolliert, müssen ihre Handys ausschalten und beim Schiedsgericht abgeben. Spieler anderer Teams dürfen nur auf das Zuschauerareal, aber müssen auch dafür ihre Mobiltelefone und anderen technischen Übertragungsgeräte abgeben.

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So lässt sich zumindest die direkte Kontaktaufnahme vor Ort mit möglichen Mittelsmännern aus Fernost unterbinden. „Es ist weit im Vorfeld bekannt gewesen, dass die Gefahr einer solchen Einflussnahme besteht. Dann wurde die Formel so ausgearbeitet und hat sich als zielführend erwiesen“, betont Weiß und sagt: „Illegale Wetten konnten wir in Dresden vermeiden. Wir mussten niemanden bestrafen.“ Medha Daub, die das ECN vor Ort vertreten hat und nebenbei deutsche Nationalspielerin ist, bestätigt: „Wir halten uns dabei an die Vorgaben vom internationalen Cricket-Verband.“

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